AZ-Interview

„Kontakt zur Basis nicht verlieren“

„Die Kommunikation muss besser werden“: Die Wahl von Christian Röhling zum Vorsitzenden des Fußball-Bezirksverbandes Lüneburg gilt als sicher.
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„Die Kommunikation muss besser werden“: Die Wahl von Christian Röhling zum Vorsitzenden des Fußball-Bezirksverbandes Lüneburg gilt als sicher.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Mitten in der seit langem größten Krise des Amateurfußballs will er sein neues Amt antreten: Christian Röhling wird sich am morgigen Freitag beim digitalen Bezirkstag des Fußballbezirks Lüneburg als mutmaßlich einziger Kandidat der Wahl zum Vorsitzenden stellen.

Uelzen/Boizenburg – Ein Kommunikations-Chaos wie beim Saisonabbruch 2019/20 oder den Spielabsagen Anfang November soll es unter seiner Führung nicht mehr geben, betont Röhling im AZ-Interview.

Den Wechsel hat der Bezirksverband von langer Hand vorbereitet, Röhling war über Jahre bereits der stellvertretende Vorsitzende. Im letzten Oktober trat der 53-jährige Boizenburger dann als Chef des Fußball-Kreises Heide-Wendland zurück, weil Hans-Günther Kuers (Eldingen) nach insgesamt 35 Jahren Vorstandsarbeit die Führungsspitze des Bezirks verlassen möchte. Vorsitzender des Kreissportbundes Lüneburg bleibt Röhling aber auch weiterhin.

Die zunächst im November geplante Versammlung mit den Wahlen musste wegen der Corona-Bestimmungen aber mehrfach verschoben werden. Der Bezirkstag geht nunmehr am morgigen Freitag ab 18.30 Uhr erstmals in digitaler Form über die Bühne. Dann will sich auch Wolfgang Diekmann (Kakerbeck) nach einem Vierteljahrhundert ehrenamtlicher Arbeit im Fußball aus dem Bezirksverband verabschieden. Er werde „nicht wieder als Referent für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit kandidieren“, erklärte er gegenüber der AZ. Diekmann hatte diesen Posten im Bezirksverband 2014 übernommen.

Röhling erinnert sich im AZ-Interview an die Fusion von Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg im Juni 2018 in Bad Bevensen zum Fußballkreis Heide-Wendland. Er hatte den Zusammenschluss über Jahre entscheidend mit vorangetrieben. Röhling spricht über die Vorstandsnachfolge im Fußballkreis, für die aus den eigenen Reihen Hartmut Jäkel (Ebstorf), Peter Hofmann (Lüneburg) und Thomas Behnken (Lüchow-Grabow) den Hut in den Ring geworfen haben. Und Röhling wagt eine Prognose für den Amateursport nach der Corona-Krise.

Herr Röhling, die Fusion zum Fußballkreis Heide-Wendland ist ein sportliches Lebenswerk. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem mittlerweile zweieinhalb Jahre alten „Baby“?

Dass wir diese Fusion hinbekommen haben, ist wirklich eine große Leistung von allen Beteiligten. Wir haben jetzt mit dem Heide-Wendland-Kreis als einem der größten Kreise im NFV einen ganz anderen Stellenwert als vorher. Also bin ich sehr zufrieden.

Was war Ihr schönster Moment als Vorsitzender des Heide-Wendland-Kreises?

Einer der schönsten Momente war, als wir in Bad Bevensen die ganze viele Arbeit von drei Jahren vollendet haben. Das war echt schön.

Im Rückblick: Was hätten Sie als Vorsitzender heute anders gemacht?

Im Großen und Ganzen war das alles soweit okay. Vielleicht Kleinigkeiten, die man im Nachhinein anders gemacht hätte, aber nichts Spezielles.

Ihre Wahl zum Bezirksvorsitzenden am Freitagabend gilt als sicher. Was wollen Sie als Erstes anpacken?

In der jetzigen Corona-Zeit, wo recht wenig an sportlichen Aktivitäten läuft, noch nichts Konkretes.

Und wo wollen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit als Bezirksvorsitzender setzen, wenn es denn endlich wieder losgeht?

Mir war und ist wichtig, den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren. Die Kommunikation muss besser werden. Vom Verband und Bezirk zu den Kreisen und den Vereinen. Das war in der Vergangenheit nicht gut! Beispiel: Saisonabbruch 2019/2020, das war gar nicht überzeugend.

Für Ihre Nachfolge im Kreis interessieren sich drei Bewerber aus den eigenen Reihen. Was zeichnet sie aus, und was müssen sie für diese Position an Eigenschaften mitbringen?

Alle drei kenne ich natürlich sehr gut. Ich traue jedem Einzelnen diese Rolle auch zu. Absolut. Wichtig wird sein, dass sich der Kreisvorstand auf einen Kandidaten einigt und die anderen beiden professionell danach weiter zusammenarbeiten. Wichtige Eigenschaften sind, alle zu motivieren, mitzunehmen und kommunikativ untereinander zu sein. Aber das habe ich ihnen ja beigebracht (lacht).

Wer aus diesem Trio ist denn Ihr persönlicher Wunschkandidat?

Wie gesagt, ich traue es jedem einzelnen zu. Daher habe ich keinen Wunschkandidaten.

Die Corona-Pandemie lässt auch den Sport nicht aus ihrem Würgegriff. Verstärkte Vereinsaustritte, ein womöglich beschleunigtes Mannschaftssterben insbesondere bei den Junioren werden befürchtet. Wie wird der Amateursport, insbesondere der Fußball im Heide-Wendland-Kreis, nach der Krise aussehen?

Die Befürchtungen im Sport allgemein sind sehr hoch. Das heißt, es wird sicher viele Vereinsaustritte geben beziehungsweise wenige Eintritte in den Sportverein. Es ist halt eine schlimme Spirale: Es darf kein Sport in der Gruppe durchgeführt werden, warum soll ich dann noch im Verein bleiben, warum soll ich in einen Sportverein eintreten?  Das ganze Thema bekommen wir Fußballer leider in den ganz jungen Gruppen mit. Die G- und F-Jugend wird immer dünner. Und nun stellen wir uns vor, wir hätten diese Fusion nicht durchgeführt – wir haben jetzt schon wieder viele Mannschaften und Spieler verloren!

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