„Klitzekleiner Schritt zur Normalität“

Der neue Bezirkspokalsieger bei den Männern: Die Spieler der SV Ahlerstedt/Ottendorf feierten durchaus ausgelassen den Finalsieg im Elfmeterschießen in Melbeck.
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Der neue Bezirkspokalsieger bei den Männern: Die Spieler der SV Ahlerstedt/Ottendorf feierten durchaus ausgelassen den Finalsieg im Elfmeterschießen in Melbeck.

Melbeck – Lotterie vom Punkt, statt Lotterie aus dem Topf. Der Fußballbezirk Lüneburg ermittelte am Sonntag seine Pokalsieger bei den Frauen und Männern in reinen Elfmeterschießen und verzichtete stattdessen aufs Losen.

Per Elfmeter zum Pokalsieg: Die Frauen des TuS Westerholz und die Männer der SV Ahlerstedt/Ottendorf sind die Bezirkspokalsieger 2019/20.

Erstmals in der Geschichte des heimischen Fußballs fielen die Entscheidungen coronabedingt ausschließlich im Elfmeterschießen. Unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln waren sieben Mannschaften nach Melbeck gekommen. Einzig die Fußballerinnen des MTV Barum II verzichteten (die AZ berichtete), sodass der spätere Bezirkspokalsieger TuS Westerholz ein Freilos im Halbfinale hatte.

Auf dem Sportplatz des SV Ilmenau in Melbeck gab es ein skurriles Bild. Statt verschwitzter Gesichter, ausgepowerter Körper und von Zweikämpfen gekennzeichneter, dreckiger Trikots traten völlig entspannte, ausgeruhte und gut gelaunte Spielerinnen und Spieler gegeneinander an. Das Ganze erinnerte etwas an die Atmosphäre bei einem Sportfest mit Juxspielchen. Schon beim Aufwärmen schoben sich die Teams den Ball locker hin und her, dribbelten ein wenig und verzichteten auf die obligatorischen Sprintübungen und lange Dehneinheiten. Nur die Keeper spulten ihr Vorbereitungsprogramm intensiver herunter.

Modus gefällt Siegern

Mitgefiebert und mitgezittert wurde trotzdem, qualifizierte sich der Pokalsieger doch für den Niedersachsenpokal. Dieser Hauch von Wettkampf in Zeiten von Corona kam bei den Beteiligten gut an. „Das ist immer noch fairer, als zu losen. Ich finde es richtig, dass wir Elfmeter schießen“, erklärte Trainer Patrick Czichos vom Frauen-Bezirkspokalsieger TuS Westerholz, der im Endspiel die SG Bröckel/Langlingen mit 4:3 bezwang. Vom Losverfahren hält er wenig. „Da triffst du immer den Falschen. Und manchmal ist eine Kugel heißer als die andere.“ Auf eine ausgiebige Feier verzichtete das Team. „Sonst kriegen wir noch Ärger“, sagte Czichos.

Auch der neue Männer-Bezirkspokalsieger Ahlerstedt/Ottendorf, der im Halbfinale im Landesligaduell MTV Treubund Lüneburg ausschaltete, sich für die Finalpleite 2019 im Elferschießen revanchierte und nun im Endspiel Bezirksligist MTV Soltau mit 8:7 bezwang, bewertete die Aktion positiv. „Es war besser, als es auszulosen“, fand Coach Malte Bösch und ergänzte in Anbetracht der Coronakrise: „Hoffentlich muss es so etwas nicht noch mal geben.“ Die Idee des Wettkampfes im Mini-Format gefiel auch ihm. „Wir haben uns morgens getroffen, sind wie früher zusammen losgefahren. Es ist ein klitzekleiner Schritt zur Normalität.“

VON AREK MARUD

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