Spiel ohne Torwart und Abseits

Kicken für Haudegen: Heide-Wendland-Kreis unterstützt Walking Football

Älterer Fußballer schlägt einen Eckstoß
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Der Ball darf beim Walking Football nur hüfthoch fliegen. Es gibt kein Abseits, keinen Torwart, Grätschen und Tacklings sind verboten. Der Gesundheitsaspekt spielt in der Zielgruppe der Ü55 eine zentrale Rolle.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Dem Fußball kommen die Mitglieder vermehrt abhanden. Im Jugendbereich sowieso, aber auch bei den Haudegen. Der Fußballkreis Heide-Wendland (HWK) geht in die Offensive. Er rührt in der Generation 55+ die Werbetrommel für Walking Football. Wie der Name schon sagt: Hinterm Ball herlaufen, ist verboten. In dieser Altersklasse jedenfalls steckt Potenzial für die Vereine, da geht noch was!

Uelzen/Landkreis – Wären die Kicker beim Walking Football deutlich jünger als die Zielgruppe der Ü55-Senioren, würde es von den Rängen harsche Kritik hageln: „Standfußball!“ Doch der ist in dieser Variante des Spiels ausdrücklich erwünscht. „Laufen ist nicht erlaubt; ein Bein muss immer auf dem Boden sein“, lautet die zentrale Regel.

Walking Football: Steilpässe sind kein geeignetes Mittel


Wer trotzdem rennt, bekommt einen Freistoß gegen sich. Steilpässe sind also kein geeignetes Mittel im Spiel nach vorn, selbst der schnellste Geher bekäme Probleme, den Ball zu erwischen. Auch Einzelaktionen bringen nicht viel, so ganz ohne Tempo. Verrückt, und das beim Fußball!

Walking Football: Der VfL Wolfsburg ist ein Vorreiter

Der VfL Wolfsburg ist in Niedersachsen der erste Verein, der Walking Football fest installiert hat und den NFV auch bei der Einführung unterstützt. Walking Football stammt aus dem Mutterland des Fußballs. 2016 wurde in England ein eigener Dachverband gegründet. Die Fifa hat Walking Football als eigenständige Sportart anerkannt.

Hartmut Jäkel aus Ebstorf hofft, dass es mit dem Walking Football auch in dieser Region schon bald – im wahren Sinne des Wortes – losgehen kann. Der kommissarische Vorsitzende des Fußballkreises ist im Spielausschuss des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) der neue Beauftragte für die Ü32- bis Ü60-Meisterschaften und Spielleiter für die Altherren.

Im großflächigen HWK (Uelzen, Lüneburg, Lüchow-Dannenberg) hat sich bisher aber noch kein Team gefunden, das im Schneckentempo kickt – zumindest nicht in der Ü55. Bei den Nachbarn in Celle, Verden, Rotenburg und Harburg gibt es Walking Football zwar vereinzelt, einen Spielbetrieb aber noch längst nicht. „Auch bei uns würde es zunächst keine Liga geben, vielleicht einen Freundschaftsspielbetrieb oder Turniere“, sagt Jäkel.

Spiel ohne Torwart und Abseits

Gespielt wird über 4x10 Minuten mit sechs gegen sechs auf dem Kleinfeld und auf Minitore. Pro Team sind vier Einwechslungen möglich. Der Ball darf nicht über Torhöhe (ein Meter) fliegen, also maximal hüfthoch. Es gibt kein Abseits, keinen Torwart. Grätschen und Tacklings sind verboten. Wer in die Nähe des gegnerischen Tores gelangen möchte, muss also am besten viele kurze und präzise Pässe setzen und sich Meter für Meter gemeinsam herankombinieren. So können auch ergraute Männer, die noch nicht auf die Kugel verzichten möchten, Fußball spielen und fit bleiben – mit geringer Verletzungsgefahr.

Der Gesundheitsaspekt spielt damit eine zentrale Rolle. Walking Football wird quasi kontaktlos gespielt, schont Knochen und Körper, sei „nicht mehr so anstrengend“ und damit „eine gute Alternative“, wirbt Jäkel. Ordentlich geschwitzt werden kann trotzdem.

Der Fußballverband will mit der Erweiterung des Repertoires die Älteren und gezielt Wiedereinsteiger an die Vereine und den Sport binden, damit die Geselligkeit und die Seniorenarbeit stärken und ehrenamtliches Engagement fördern. Denn die gestiegene Lebenserwartung bedeute auch einen Gewinn an aktiv nutzbaren Jahren.

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