JUNIORENFUSSBALL: Seit Jahren sinken die Teamzahlen – eine Ursache sind fehlende Trainer

„Haben die Zeit nicht mehr“

Dem Jugendfußball stellt sich auch im Heide-Wendland-Kreis das Problem sinkender Mannschaftszahlen in den Weg. Nun kommt auch noch die Corona-Zwangspause erschwerend hinzu; die letzten Junioren-Punktspiele auf dem Rasen liegen mittlerweile ein halbes Jahr zurück. Archivfoto: Marud
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Dem Jugendfußball stellt sich auch im Heide-Wendland-Kreis das Problem sinkender Mannschaftszahlen in den Weg. Nun kommt auch noch die Corona-Zwangspause erschwerend hinzu; die letzten Junioren-Punktspiele auf dem Rasen liegen mittlerweile ein halbes Jahr zurück. Archivfoto: Marud

Immer mehr Jungen und Mädchen haben keine Lust auf Fußball, springen aus den Vereinen ab. Davon ist auch der NFV-Kreis Heide-Wendland nicht verschont. Die Ursachen sind vielfältig.

VON BERND KLINGEBIEL

Uelzen/Landkreis – Laufen, lachen, kämpfen, jubeln, gemeinsam gewinnen und verlieren. Kinder lieben Fußball, doch er ist dabei, sie zu verlieren.

Als Klaus-Dieter Arndt einzig für den Juniorenfußball im Landkreis Lüneburg zuständig war, organisierte der Adendorfer den Spielbetrieb von rund 240 Mannschaften. Echte Hoch-Zeiten im Nachwuchsfußball!

Seit der Herbstserie 2017 kicken die Teams aus Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen gemeinsam unter dem Dach des Fußball-Großkreises Heide-Wendland (HWK). Und Arndt, der mittlerweile der Vorsitzende des HWK-Jugendausschusses ist, hat es mit insgesamt nur noch 307 Mannschaften zu tun – wohlgemerkt, aus drei Kreisen! Die jungen Kicker hören auf, immer öfter früher als später.

Der HWK liegt damit voll im Bundestrend. 3450 Juniorenteams hat der DFB innerhalb eines Jahres eingebüßt (siehe Info-Kasten).

In Diensten des Juniorenfußballs (von links): Ausschussvorsitzender Klaus-Dieter Arndt, Schiedsrichter Marten Menk und der Bad Bevenser Wolfgang Schönfeld (Verbandsjugendausschuss, Staffelleiter) während einer Hallenmeisterschaft im letzten Winter. Foto: Paul

Eine besorgniserregende Entwicklung, die vielschichtige Ursachen hat. Der demografische Wandel. Einsetzende Null-Bock-Stimmung in der Pubertät. Zeitmangel durch Ganztagsschule. Freizeit-Konkurrenz, von Musikschulen über Fitnessstudios bis hin zur klassischen Playstation. Allgemeiner Bewegungsmangel. Fehlender Ehrgeiz, buchstäblich am Ball zu bleiben. Gestresste Eltern, die ihre Kids nicht permanent von A nach B kutschieren können. Und, und, und... Nun kommt auch noch die Corona-Krise mit der unabsehbar langen Spielpause hinzu. Die letzten Junioren-Punktspiele auf dem Rasen liegen mittlerweile ein halbes Jahr zurück.

Zwischen Bad Bodenteich und Bardowick, Wriedel und Gartow führt ein weiterer Grund zur Abmeldung von Mannschaften. Es fehlt in vielen Vereinen an qualifizierten Trainern. Führungsqualitäten und Reife sind gefordert. Denn wer als Coach (oder Elternteil) seine jungen Kicker von der Seitenlinie ständig anbrüllt, verliert sie für den Fußball. Wer sie nicht fördert, ebenfalls.

„Die Leute haben die Zeit nicht mehr“, sagt Arndt. Eine Trainer-Basisausbildung ist nicht so mir nichts, dir nichts erledigt. Dafür müssen interessierte Mütter, Väter oder Fußballfreunde 120 Lehreinheiten zu je 45 Minuten absolvieren. Die Ausbildung in den Profilen „Kinder“ und „Jugend“ wird überwiegend dezentral in den Kreisen, aber auch kompakt beim NFV in Barsinghausen angeboten. „Das ist eine Belastung, daran scheitert das schon mal“, weiß Arndt. Und wer einen Trainerschein besitzt, der heuere dann auch lieber im Herrenbereich an, denn dort gebe es Verdienstmöglichkeiten.

Wer in den Jugendteams am Ball bleibt, erlebt auch Kameradschaft. Archivfoto: Marud

Der Fußballverband stemme sich gegen den Trend, erklärt Arndt. Bei den Zweitspielrechten wurden Bestimmungen gelockert – wie auch bei den Jugendspielgemeinschaften, die längst ihre frühere Gründungsintention als Notgemeinschaften abgelegt haben. Scheidungskinder können für Teams an verschiedenen Orten kicken, beispielsweise in Uelzen und Hannover. Die Bälle wurden in manchen Altersklassen größer oder kleiner, die Spielfelder kindgerechter. Unterschiedliche Spielformen wie Kleinfeld-Fußball auf vier Tore und Spielenachmittag für die ganz jungen G-Junioren-Kicker wurden eingeführt.

Letztlich aber kommt der Knick häufig spätestens dann, wenn die Jugendlichen ab der C-Jugend (14/15 Jahre) aufs Großfeld wechseln. Je älter die Spieler, desto dünner ist personell die Luft für die Mannschaften. Ab der U18 greifen die Herren zu. Die U19 hat im HWK schon keinen Spielbetrieb mehr.

Ob der Frust wegen der langen Corona-Zwangspause weitere Juniorenteams personell in die Knie zwinge, sei „nicht auszuschließen“, befürchtet Arndt.

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