„Ich war sofort Feuer und Flamme“

Die SG Oldenburg/Sünteltal feiert den Aufstieg in die Bundesliga. In der abgelaufenden Saison bestach das Team durch seine mannschaftliche Geschlossenheit und ihren Siegeswillen. Fotos: Privat

Wellendorf. Der Wellendorfer Thomas Schröder sitzt seit einem Autounfall 2004 im Rollstuhl. Das hielt ihn aber nicht davon ab sportlich aktiv zu bleiben. Ganz im Gegenteil: Der 26-Jährige spielt mit seinem Rollstuhl-Basketballteam SG Oldenburg/Sündetal ab der kommenden Saison in der 1. Bundesliga.

Beim Rollstuhlbasketball geht es manchmal sehr hart zu. Hier wurde Thomas Schröder gefoult und fällt aus dem Rollstuhl.

„Als ich das erste Mal beim Rollstuhlbasketball zugeschaut habe, war ich sofort begeistert und Feuer und Flamme“, erzählt Schröder. Direkt nach einem Spiel in Lüneburg sprach er mit dem Trainer und den Spielern des RBV Lüneburg, die 2005, nur ein Jahr nach seinem schweren Autounfall, in der 2. Bundesliga beheimatet waren. Nur wenige Monate später spielte der Wellendorfer bereits im Reserveteam des RBV in der Landesliga. Doch schnell wurde klar: Schröder hat großes Talent. Schon in der darauf folgenden Saison 2006/07 spielte er in der ersten Mannschaft der Lüneburger und wurde wenig später bereits in den niedersäsischen Auswahlkader berufen. Kurze Zeit darauf wechselte der Verwaltungsangestellte zum Zweitligisten SG Oldenburg/Sündeltal. Mit der SG feierte er in der abgelaufenden Saison den Aufstieg in die erste Bundesliga. Nun stehen Auswärtsfahrten durch ganz Deutschland an: Von Zwickau, über Bonn nach Augsburg und München. Zum Glück hat sein Verein diverse Sponsoren, die nun den höheren Aufwand des Teams schultern. „Wir müssen jetzt schon einen Tag vorher anreisen und vor Ort übernachten, sonst geht so etwas gar nicht“, erklärt Schröder, der sich mit seinem Team in der Bundesliga etablieren will. „Wir werden uns in Liga eins wieder ans verlieren gewöhnen müssen“, so Schröder, der mit der SG nur zwei Partien verlor. „Unsere Stärke war die mannschaftliche Geschlossenheit und der unbedingte Siegeswille. Außerdem hatten wir in der Schlussphase eines Spiels immer noch Dampf schon verloren geglaubte Spiele noch umzudrehen“, so Schröder.

Die Saisonvorbereitung startet in diesem Jahr schon früher. Dreimal die Woche fährt der Wellendorfer in seinem behindertengerecht umgebauten Auto zum Training nach Bad Mündern. Der Querschnittsgelähmte braucht keine fremde Hilfe, auch wenn ihm seine Familie bei seinem zeitintensiven Sport unterstützt.

Der Flügelspieler hat noch viel vor mit seiner Mannschaft. Es wird darüber nachgedacht, das Team in Hannover United umzubenennen, weil mittlerweile die meisten Spieler der SG aus dem Hannoveraner Raum kommen und dort die besten Trainingsmöglichkeiten vor zu finden sind. Jetzt müssen nur noch die Sponsoren mitspielen. Schröder: „In der ersten Bundesliga brauchen wir ungefähr 25 000 Euro um einigermaßen mithalten zu können“. Er und sein Team erhalten eine Aufwandsentschädigung, die besten Basketballer der Liga verdienen jedoch im vierstelligen Bereich. Schröder freut sich in der neuen Saison vor allem auf die Spiele gegen den amtierenden Meister RSV Lahn-Dill: „Dort spielen wir dann vor über 1 000 Zuschauern – das wird bestimmt eine tolle Erfahrung.“

Von Alexander Barklage

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