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TV Uelzen freut sich auf den Handball-Heimspiel-Hit gegen die Landesliga-Bayern

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Von: Bernd Klingebiel

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Torwart wirft sich quer in der Luf liegend einem Angreifer beim Torwurf entgegen
Dominic Sommerburg wird sich den Angriffen des Spitzenreiters nicht entgegenwerfen können, er ist verletzt. „Es muss jeder 110 Prozent geben, und wir benötigen auch das Quäntchen Spielglück“, hofft der Schlussmann im AZ-Interview vor dem Handball-Hit auf die große Überraschung. © Andre Zapieranski

„Das ist der FC Bayern München der Handball-Landesliga“, schwärmt Maurice Maus in höchsten Tönen von der HSG Seevetal/Ashausen. Der Trainer des zuletzt stark auftrumpfenden TV Uelzen empfängt am Sonnabend (23. April, 19 Uhr, HEG-Halle) den souveränen Spitzenreiter zum Topspiel!

Uelzen – Die Gäste haben sämtliche Superlative der Liga auf ihrer Seite: bester Angriff, beste Abwehr, beste Torschützen, bestes Torverhältnis, höchste Ligasiege.. „Da kommt ein echtes Brett auf uns zu“, sieht Maus sein Team als klaren Außenseiter. Der TVU-Coach: „Die sind eine Liga für sich. Seevetal investiert viel in die Mannschaft. Die wollen hoch!“

Doch auch die Uelzener haben sich zuletzt in prächtiger Verfassung präsentiert. 13 Punkte gab es in den letzten acht Partien, zuletzt vier Auswärtssiege in Serie. „Ich würde lügen, wenn ich sage, dass wir nicht gern Vizemeister werden würden“, erklärt Maus. Aber auch einen seit langem vom TVU nicht mehr erreichten Platz unter den Top Vier der Landesliga würde er in der Endabrechnung als großen Erfolg ausweisen.

Der Meister-Weg mit dem Aufstieg in die Verbandsliga ist längst geebnet für die HSG Seevetal/Ashausen, die sich in elf Partien erst einen kleinen Ausrutscher leistete mit einem 29:29 bei der SG Luhdorf/Scharmbeck. Ausgerechnet diesen Gegner empfängt Seevetal heute Abend zu einem Nachholspiel, ehe es nur knapp 24 Stunden später in Uelzen auf die Platte geht. „Ich habe lange darüber nachgedacht, ob das ein Vorteil für uns ist“, verrät Maus. Und? „Es kommt auf das Ergebnis an.“

Das dürfte dem Trend nach deutlich für das Seevetaler Überteam ausfallen. Dennoch sieht Maus seinen TVU im Duell gegen den designierten Meister „nicht chancenlos“, zumindest in Topbesetzung nicht. Tatsächlich aber plagen die Uelzener aktuell ernsthafte Personalsorgen. Der erkrankte Lucas Specht und Torwart Dominic Sommerburg (Muskelfaserriss in der Wade) werden fehlen, Kapitän Marius Eder (Achillessehne) wahrscheinlich auch. Weitere Akteure drohen aus unterschiedlichen Gründen auszufallen. So ruhen die Hoffnungen verstärkt auf dem „achten Mann“: Die Fans in der wahrscheinlich vollen HEG-Halle entfachten schon oftmals eine Stimmung, die die Black Owls zu Höchstleistungen trug.

„Ich hätte gern mitgespielt“, sagt denn auch Keeper Sommerburg im AZ-Interview vor dem Handball-Hit. Sein ständiger Vertreter Marvin Schröer und Jan Feuchter aber genießen ebenso „volles Vertrauen“, weiß der verletzte Schlussmann.

Herr Sommerburg, vier Auswärtssiege in Folge! Was ist das Erfolgsrezept?

Dominic Sommerburg: Das kann ich so genau gar nicht sagen. Wir sind individuell auf allen Positionen gut und doppelt besetzt und bringen nun endlich unser Potenzial auf die Platte, wobei ich hier auch noch Luft nach oben sehe. Dazu kommt, dass wir die vorgegebenen Konzepte endlich besser umsetzen und geduldig bis zu einer guten Torchance spielen.

Woher kommt diese neue Beständigkeit? Dafür legt man ja nicht einfach so einen Hebel um...

Natürlich konnten wir nicht einfach einen Hebel umlegen, aber die Siege in Dannenberg und in Clenze waren wohl genau diese Hebel. Bis dahin verlief die Saison eher etwas schleppend, was natürlich auch mit den häufigen Spielverlegungen aus bekannten Gründen zusammen hing. Mannschaftsintern haben wir eher mit zwei Punkten aus den beiden Spielen gerechnet. Dass es dann vier wurden, hat uns Schwung für die nächsten Partien gegeben. Wir hatten jetzt auch fünf Auswärtsspiele hintereinander – da musst du erst mal mit so einer Punkteausbeute rausgehen.

Mit welchen Erwartungen und Gefühlen gehen Sie und das Team in das erste Heimspiel nach der langen Auswärts-Siegesserie?

Ich gehe mit einem guten Gefühl in das kommende Heimspiel! Wir freuen uns, dass wir als TVU zum jetzigen Zeitpunkt der Saison auf dem dritten Tabellenplatz stehen. Ich freue mich auf eine gut besuchte Halle und auf ein Topspiel! Persönlich erwarte ich einen harten Kampf gegen einen sehr guten Gegner, der schon seit mehreren Spielzeiten gerne aufsteigen würde. Nominell ist Seevetal natürlich der Favorit. Aber warum nicht auch mal einen Favoriten ärgern und die zwei Punkte in Uelzen behalten?

Wie ist die HSG Seevetal/Ashausen zu knacken?

Die HSG hat die beiden besten Torschützen in ihren Reihen, die wenigsten Tore der Liga kassiert und die meisten geworfen. Dazu einige Ergebnisse erzielt, die schon beeindrucken. Es ist also eine Mammutaufgabe, diesen Gegner zu knacken. Wir sollten aber in der Spielvorbereitung nicht nur auf den Gegner gucken, sondern an unseren Stärken arbeiten und unsere Schwächen abbauen. Wenn wir also wieder eine starke Abwehr spielen, unsere Konzepte bis zur klaren Torchance umsetzen und eine schnelle erste und zweite Welle auf das Parkett bringen können, dann sehe ich uns nicht chancenlos. Es muss jeder 110 Prozent geben, und wir benötigen auch das Quäntchen Spielglück, damit es für einen Sieg reicht.

Zum Saisonstart gab es ein paar vermeidbare Punktverluste, die jetzt im Titelrennen fehlen. Wie tief sitzt der Ärger?

Die Punktverluste sind natürlich ärgerlich – unabhängig von unserer jetzigen Tabellensituation. Die Heimspiele gegen Dannenberg und Soltau hätten wir gewinnen müssen.

Was das Titelrennen angeht, ist die Landesliga dieses Jahr vergleichbar mit der Fußball-Bundesliga. Seevetal als Bayern marschiert vorweg, dahinter gibt es ein paar Teams, die sich um die Vizemeisterschaft duellieren, ein breites Mittelfeld und neben Embsen als feststehenden Absteiger noch zwei Mannschaften, die den Abstieg unter sich ausmachen.

Und das Schönste diese Saison ist, dass der TVU nicht eines dieser beiden Teams ist, die um den Klassenerhalt am meisten bangen müssen.

Angenommen, der TVU gewinnt gegen Seevetal. Eröffnen Sie dann die Jagd auf den Titel?

Nein, die Jagd auf den Titel wird nicht ausgerufen. Aber die Frage beantworte ich gerne nochmal anders, sollten wir neben dem Heimspiel auch das Auswärtsspiel am 14. Mai in Seevetal gewinnen (grinst).

Wie realistisch ist kurzfristig ein Aufstieg in die Verbandsliga für den TVU?

Soweit ich das einschätzen kann, ist ein kurzfristiger Aufstieg für den TVU als Verein tragbar. Der Verein wie auch die Sparte wird super geführt, die Strukturen sind vorhanden, die Sponsoren halten uns seit Jahren die Treue und das Umfeld ist super. Als Team ist der Aufstieg kein Thema.

Wir wollten nichts mit dem Abstieg zu tun haben und unter die ersten Fünf kommen, da sind wir auf einem guten Weg.

Der Handball hat schwer gelitten zuletzt, es gibt etliche Teamabmeldungen. Welche Zukunft sehen Sie hier in der Region für Ihren Sport, was muss sich ändern?

Sollte das Team im Kern in den nächsten Jahren zusammenbleiben und durch Jugendspieler oder externe Spieler punktuell ergänzt werden können, sehe ich für den TVU mittelfristig die Chance weiterhin Landesliga-Handball anbieten zu können. Meiner Meinung nach ist das auch wichtig, da wir für Talente leistungsbezogenen Handball vor Ort brauchen. Schön ist es auch, dass wir im Herrenbereich sogar drei Teams stellen können. Da ist für jeden ein Team dabei, der Lust auf Handball hat! Des Weiteren ist es wichtig dass die Vereine im Landkreis weiterhin Handball anbieten. Werden Teams erstmal abgemeldet, ist es oft schwer diese wieder zu reaktivieren.

Das Wichtigste ist aber weiterhin eine gute Jugendarbeit. Jeder Verein kann nur dann überleben, wenn weiterhin Kinder und Jugendliche ausgebildet werden. Vorbildlich ist dabei zu erwähnen, dass sich auch Spieler der ersten Herren nun mehr in der Jugendarbeit engagieren. Neben der guten Fachkenntnis haben diese ja auch eine Vorbildfunktion.

In der Zukunft werden wir unsere Kräfte wohl noch mehr Bündeln müssen. Wie das genau aussehen wird, kann noch keiner vorhersagen. Ein funktionierendes Beispiel dafür ist aber unsere weibliche A-Jugend, diese spielt in der Oberliga und besteht aus Spielerinnen aus ganz Nord-Ost-Niedersachsen. Dafür benötigt ein Verein aber auch viele Kapazitäten, Zeit und Geld.

Der Handball hat schwer gelitten zuletzt, es gibt etliche Teamabmeldungen. Welche Zukunft sehen Sie hier in der Region für Ihren Sport, was muss sich ändern?

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