Von Stärken, Schwächen und Gewinnern bei den Uelzener Fußball-Bezirksligisten

Der Halbserien-TÜV

Zwei Positivüberraschungen trotz unterschiedlicher Tabellenlage. Der TuS Bodenteich (in blau/Kevin Venancio) schnuppert an den Aufstiegsrängen, der TSV Bienenbüttel (Torwart Kim Wilking) ist zwar abgeschlagener Vorletzter, schlug sich aber allemal im Rahmen seiner Möglichkeiten. Foto: Marud

Uelzen/Landkreis. Die Winterpause ist passé. Während Uelzens Fußball-Bezirksligisten schon im Endspurt Kondition für die Rückrunde knüppeln, blicken wir noch einmal zurück. Auf die Stärken, aber auch auf die Schwächen, die für charakteristisch für die Hinrunde waren.

Und wir stellen den Spieler der Hinrunde aus jedem der sechs Vereine vor.

SV Emmendorf

Eine intakte Mannschaft zu übernehmen, ist Fluch und Segen zugleich. Emmendorfs Trainer Achim Otte krempelte viele Dinge um und ist mit dem Fortschritt der Systemumstellung zufrieden. „Die Mannschaft trainiert gut, steht auf dem Platz gut zusammen und hat sich entwickelt.“ Auch die neuen Abläufe greifen immer besser ineinander. Emmendorf (3.) kämpft wieder um den Titel, hat aber fünf Punkte Rückstand auf Platz eins.

Ein paar Gegentore weniger (25) hätten es sein können. Doch Coach Otte nimmt sie in Kauf, „weil wir sehr hoch stehen“. Der taktische Wandel führte häufig zu Abstimmungsproblemen, Fehler wurden schnell bestraft. „Die Dinge spielen sich bei uns auf engstem Raum ab. Eine Unachtsamkeit führt schnell zu Gegentoren“, analysiert Otte. Von richtigen Defiziten will er trotzdem nichts wissen. Es ist eher ein Reifeprozess einer sich im Wandel befindenden Mannschaft.

TuS Bodenteich

Die Bodenteicher bewiesen echte Steh-auf-Qualitäten. Siebenmal lag das Team zurück und verlor keines dieser Spiele. Der TuS ist in der Lage, über 90 Minuten hohes Tempo zu gehen. „Wir haben einen relativ langen Atem“, berichtet Trainer Daniel Fleischer, der besonders stolz auf die Auswärtsstärke sein kann. Sieben Siege, zwei Remis und nur eine Niederlage – Liga-Bestwert.

Kaum auszudenken, wo die Bodenteicher stehen würden, wenn es auch zuhause klappen würde. Der Heim-Tabellenelfte zeigte sich gegen die Spitzenteams in der Offensive zu ideenlos, offenbarte gegen kompakte Defensivreihen Probleme. „Wir müssen variabler werden und beim Torabschluss kaltschnäuziger“, fordert Fleischer und wünscht sich von dem einen oder anderen mehr Disziplin.

VfL Suderburg

Der Aufsteiger ist als Siebter stärkster Liga-Neuling und das trotz massiver Verletzungssorgen. „Wir haben viele Verletzte total kompensiert. Spieler aus der zweiten Mannschaft haben sich nahtlos eingefügt“, lobt Trainer André Kobus. Rückschläge waren für Suderburg zugleich ein Ansporn. Mehrfach wurde ein 0:2 in einen 3:2-Sieg umgebogen. „Unser Standardergebnis“, schmunzelt Kobus und hebt die Kameradschaft innerhalb des Teams heraus.

Die Unerfahrenheit spielte dem VfL einen Streich. Zum einen glaubt die Mannschaft zu selten an die eigene Stärke. Zum anderen braucht sie häufiger einen Nackenschlag, „um wieder zwei Gänge hochzuschalten“, rekapituliert Kobus. Er sieht darin eine Art Denkanstoß und führt das auf die Altersstruktur zurück (Schnitt unter 21 Jahren). „Wir müssen konstanter über 90 Minuten spielen.“

MTV Barum

Die Barumer achten darauf, die Vorgaben stets umzusetzen. Trotz einiger Rückschläge mangelte es nie an Einsatzwillen. „Wir haben uns nie hängen lassen“, urteilt Spielertrainer Till Marks. Der MTV profitiere vor allem von seiner mannschaftlichen Geschlossenheit. Ein echtes Markenzeichen ist die Fairness. Niedersachsens amtierender Fairplay-Sieger liegt auch in dieser Saison auf Platz zwei.

Von einigen zum Geheimfavoriten vor der Saison noch ernannt, konnte Barum die Erwartungen in der Hinrunde nicht erfüllen und dümpelt im Mittelfeld herum (9.). „Wir haben zu viele Punkte verschenkt und hätten eine interessantere Saison haben können“, ärgert sich Mark, der selbst lange ausfiel. Besonders stören ihn die „krassen individuellen Fehler und Unkonzentriertheiten.“ Auch im Spielaufbau und Zusammenspiel zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen sieht er noch Steigerungsbedarf.

SV Rosche

Auch in Rosche ist Aufgeben ein Fremdwort. „Wir haben auch nach Rückständen an uns geglaubt und diese aufgeholt. Alle haben Charakter und Moral gezeigt. Das hat mich beeindruckt. Denn die Jungs sind immer bemüht“, findet Trainer Michael Kottlick, dessen Team vom Kollektivgedanken profitiert.

Rosche konnte an die glänzende Vorsaison (5. Platz) nicht anknüpfen und liegt auf Rang zehn. Grobe Patzer sind einer der Hauptgründe. „Wir haben eigentlich sehr gut gespielt. Aber diese größeren Aussetzer haben unsere Arbeit häufig zunichte gemacht“, kritisiert Kottlick und sieht auch im konditionellen Bereich noch Luft nach oben. „Der eine oder andere könnte zulegen.“

TSV Bienenbüttel

Mit neun Punkten nur Vorletzter, aber das Optimum herausgeholt. Die Bienenbütteler haben sich nach dem Komplett-Umbau eine Tapferkeitsmedaille verdient und lebten laut Trainer Dirk Bublitz die „David-Goliath-Mentalität“ voll aus. Trotz anfänglich deutlicher Niederlagen resignierte der TSV nicht und zeigte einen bemerkenswerten Kampfgeist. Inzwischen sind die Leistungsunterschiede zu den anderen Klubs geringer geworden.

Bublitz bemängelt das Fairplay. Zur Halbzeit der landesweiten Fairness-Wertung liegt sein TSV auf Platz 555, damit immer noch im erweiterten Mittelfeld, aber nach Geschmack des Trainers soll es in der Rückrunde besser werden. „Der eine oder andere wollte einfach zu viel und ist übers Ziel hinausgeschossen.“ Ein Problem bleibt die Abschlussschwäche. 15 Tore in 18 Spielen sind viel zu wenig. „Wir haben ganz schön viele Chancen versiebt und waren nicht abgebrüht genug“, sagt Bublitz.

Von Arek Marud

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