Zum Glück ist es nie zu spät

Ein Uelzener im Zeichen der Werder-Raute: Torwart Ole Springer hat bei den Hanseaten einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Foto: Werder Bremen
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Ein Uelzener im Zeichen der Werder-Raute: Torwart Ole Springer hat bei den Hanseaten einen Zwei-Jahres-Vertrag unterschrieben. Foto: Werder Bremen

Er hat die Rückkehr in den Profi-Fußball nie ganz abgehakt. Doch als inzwischen 28-jähriger Torwart beim Viertligisten Lüneburger SK Hansa geriet das Ziel für Ole Springer in immer weitere Ferne.

Nun hat er sein spätes Glück doch noch gefunden: Der Uelzener hat einen Zwei-Jahres-Vertrag beim SV Werder Bremen unterschrieben!.

VON BERND KLINGEBIEL

Uelzen/Bremen – „Ich werde im sportlichen Bereich mit der U23 arbeiten, das ist eine Riesenchance für mich“, blickt Springer seiner neuen Herausforderung mit Spannung entgegen. Er soll als erfahrener Führungsspieler vorangehen und die Entwicklung der jungen Torhüter begleiten.

Wer den Fußball kennt, weiß aber auch, dass ein Sprung aus dem Unterbau in die Bundesliga-Mannschaft nie ausgeschlossen werden sollte. Springer hält den Ball flach: „Ich will jetzt erstmal ankommen und meine Leistung bringen. Ich kenne meine Aufgabe, da habe ich Bock drauf“, erklärte er gestern gegenüber der AZ. Ein Seitenblick aber ist gestattet. Springer: „Im Fußball zählt der Leistungsgedanke. Ich weiß, was ich kann. Der Fußball ist so wahnsinnig schnelllebig, und im Torwart-Geschäft ist noch mal mehr Leben drin.“

Die Karriere beginnt beim SV Emmendorf

Springer fuhr zweigleisig. Er studierte neben dem Leistungsfußball, hatte den Sprung zu einem Profiverein stets im Hinterkopf. „Man schaut immer, wo es Möglichkeiten geben könnte. Es ist ja auch nur ein Schritt bis in die 3. Liga. Aber je länger ich diesen einen Schritt davor stehe, desto klarer wird mir, wie viele Faktoren da mitwirken“, erklärte er im AZ-Interview vor einem DFB-Pokal-Spiel der Lüneburger gegen Mainz 05.

Springer setzte die ersten Fußballerschritte beim SV Emmendorf, wurde dort ins Tor gestellt. Bei Teutonia Uelzen war er eine Saison, ehe er zwischen dem zehnten und 20. Lebensjahr für den FC St. Pauli spielte. In der Saison 2011/12 war der Uelzener Teil des Zweitliga-Kaders. Es folgten die Stationen FC Elmshorn, VfR Neumünster, Eintracht Norderstedt und dann vier Jahre Lüneburg. Dort war er in der Regionalliga ein absoluter Leistungsträger und neben dem Rasen mit seinem sozialen Engagement Vorbild und Sympathieträger.

„Ich hatte beim LSK eine wunderbare Zeit“

So ist der Sprung von der Ilmenau an den Osterdeich keine Entscheidung gegen den LSK, sondern eine für seine berufliche Zukunft. Springer: „Ich hatte beim Lüneburger SK eine wunderbare Zeit. Ich wäre nie zu einem gleichwertigen Klub gewechselt, da habe ich in den vergangenen vier Jahren mehrere höher dotierte Anfragen abgelehnt.“

Springer hat das Studium der Betriebswirtschaft mit dem Master-Diplom abgeschlossen, war danach als Dozent im Bereich Sportmanagement tätig. Jetzt möchte er dieses Wissen in den Profi- und Ausbildungsverein Werder Bremen einbringen. Springer: „Das ist eine Riesenmöglichkeit für mich, die ich einfach ergreifen muss, wenn ich an meine berufliche Zukunft nach dem aktiven Fußball denke. Das schauen sich beide Seiten zwei Jahre lang an. Dann entscheiden wir, wie es weitergeht.“

Abstiegsgefahr und Corona

Dabei sind Neuverpflichtungen an der Weser wegen des drohenden Bundesligaabstiegs und der Folgen der Corona-Krise derzeit eher die Ausnahme. Springer: „Das waren die größten Stolpersteine.“ Das „ganzheitliche Konzept“ mit Nutzen für beide Seiten aber habe die Werder-Bosse überzeugt. Springer führte die Vorgespräche mit Werder-Sportdirektor Frank Baumann, dem Technischen Direktor Thomas Schaaf, U23-Trainer Konrad Fünfstück, Nachwuchsdirektor Björn Schierenbeck und den Torwart-Coaches.

Springer als Stand-by-Keeper

Dabei wurden seine Aufgaben umrissen: „Ich soll in der U23 als Führungsspieler das Bindeglied zwischen dem Trainerteam und der jungen Mannschaft werden. Klar abgesprochen ist auch, dass die jungen Torhüter spielen werden und ich als Stand-by-Keeper wahrscheinlich nur zu wenigen Einsätzen kommen werde“, erklärt Springer.

Wie er dabei das junge Regionalliga-Team der Grün-Weißen führen will, leuchtet ein: „Na ja, von den 30 Stunden, die wir jede Woche unter Profibedingungen zusammen auf dem Platz stehen, sind ja nur anderthalb Stunden Spielzeit”, erklärt der Torwart.

U23-Trainer Konrad Fünfstück ist überzeugt: „Ole Springer war in Lüneburg absoluter Leistungsträger und wird unser junges Team mit seiner Erfahrung voranbringen.“

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