Lange Pause für Uelzens Kicker

Fußballkreis Heide-Wendland will für die Saison-Annullierung stimmen

Fußballmannschaft steht im Spielerkreis und diskutiert
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Die Diskussion über das Wie des Saisonabbruchs sind entbrannt: Beim hochgradig abstiegsgefährdeten Heide-Wendland-Ligisten SC 09 Uelzen (blaue Trikots) kommt der mögliche Klassenerhalt per Annullierung nicht gut an. Trainer Viktor Worster: „Wir sind realistisch. Bei einem Saisonabbruch würden wir auch in der neuen Saison keine zehn neuen Spieler aus dem Boden stampfen können.“
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Die Abbruchssequenz für die Amateur-Kicker ist eingeleitet. Am Mittwoch, 31. März, will der Niedersächsische Fußballverband (NFV) auf einer ordentlichen Vorstandssitzung das Ende der seit November unterbrochenen Saison 2020/21 beschließen. Die Frage nach dem Ob ist beantwortet. Jetzt geht es um das Wie.

Uelzen/Landkreis – Über die Ausgestaltung des angekündigten Saisonabbruchs gibt es eine bevorzugte Meinung: Der NFV-Verbandsvorstand möchte die Annullierung. Zurück auf Los, die neue Saison 2021/22 in alter Besetzung ohne Auf- und Absteiger (AZ berichtete).

Stebani: „Annullierung ist der harte Schnitt, aber die sauberste Lösung“

„Das ist der harte Schnitt, aber die sauberste Lösung“, betont der NFV-Spielausschussvorsitzende Jürgen Stebani gegenüber der AZ. Ärger ist in Sichtweite, der Verband wird es nicht allen recht machen können. Es wird Verlierer geben, die sich auf ihrem sportlichen Weg nach oben um ein ganzes Jahr Arbeit, Planung und viel Geld gebracht sehen werden. „Wir haben keine Angst vor Klagen“, betont Stebani.

Für den Melbecker Spitzenfunktionär steht fest: Wäre der Verbandsvorstand, dem das NFV-Präsidium und die 33 niedersächsischen Kreisvorsitzenden angehören, auf seiner Info-Konferenz am Dienstagabend juristisch abstimmungsbefähigt gewesen, wäre die Annullierung schon heute in Kraft. So gibt es bisher nur die Absichtserklärung für das Momnatsende. Der Annullierungs-Beschluss sei da nur noch „Formsache“, meint Stebani.

Es stehen aber auch mögliche Alternativen im Raum. Die unterbrochene Saison über den Sommer einfrieren. Sie fortsetzen, sobald es wieder geht, und bis zum 30. Juni 2022 verlängern. Dieses Modell stieß bei der Online-Konferenz des Heide-Wendland-Kreises (HWK) mit seinen 104 Vereinen am letzten Montag auf Interesse.

Heide-Wendland-Kreis will für die Annullierung stimmen

Der HWK wird diese Variante bei der Abstimmung am Mittwoch jedoch nicht unterstützen, sagt der kommissarische Vorsitzende, Hartmut Jäkel (Ebstorf). Erklärung: Es sei ein gutes Modell für den Fall, dass sich der Fußball auch nach dem Sommer in demselben Corona-Dilemma befinde wie jetzt. Doch das sei nicht vorhersagbar. Hinzu komme die Problematik von Spielervereinswechseln in der sommerlichen Transferphase. Jäkel: „Deswegen der Neustart mit gleichen Voraussetzungen für alle!“

Nächste Möglichkeit: Die Abbruchsvariante mit Auf- und Absteigern über eine Wertung mit der Quotientenregel. Sie fristet ein Schattendasein, ist keine sportliche Lösung, zumal durchschnittlich erst ein Viertel der Saison absolviert ist. Jäkel: „Es gibt in Cloppenburg Kreisligisten, die haben erst ein Spiel.“

Der Verband erwägt freiwillige Teilnahme an Wettbewerben

Sollte die Spielzeit annulliert werden, würde dies einheitlich für Niedersachsen gelten, erklärt Marian Kobus gegenüber der AZ. Der NFV-Teamleiter Spielerlaubnis/Verbandsrecht: „Da es aber noch keinen festen Beschluss gibt, können sich hierbei noch Änderungen ergeben.“

Damit ist aber kaum zu rechnen, um einen landesweiten Flickenteppich zu vermeiden. So wäre auch das Denkmodell des Heide-Wendland-Kreises vom Tisch. Der hat vorgeschlagen, nach einem Trainingsauftakt bis spätestens zum 9. Mai die Hinrunde in seinen Ligen ab dem 6. Juni fortzusetzen und bis zum 21. Juli zu beenden, um die Saison sportlich fair werten zu können. Stattdessen werde der Kreisverband „in Erwägung ziehen“, für seine Vereine bis zum Sommer freiwillige Angebote zu organisieren, sobald der Ball wieder rollen darf. Vielleicht einen Pokalwettbewerb oder Freundschaftsturniere (Kobus: „Derby-Cup“), regt Jäkel an. Solch ein verkappter Spielbetrieb sei trotz eines offiziellen Saisonabbruchs problemlos möglich, bestätigt Stebani: „Da braucht keiner zu fragen.“

Blick auf die anderen Sportverbände: Fußball bricht die Saison als letztes ab

Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) steht unmittelbar vor dem Abbruch der Saison 20/21. Er ist mit Abstand der letzte größere Sportverband im Land, der diesen Schritt wegen der Corona-Pandemie vollzieht. Beispiele:

25. Oktober: Der Keglerverband Niedersachsen beginnt auf Verbandsebene mit den Saisonabsagen 2020/21 für den Punktspielbetrieb auf Bohle. Im Dezember räumt er auch die Landes-, Bezirks- und Kreismeisterschaften ersatzlos ab.

13. Dezember: Der Nordwestdeutsche Volleyballverband (NWVV) schmettert die Punktspielsaison ohne Wertung von den Kreisklassen bis zur Oberliga ab. Der Kreisschützenverband gibt bekannt, 2021 keine Kreismeisterschaften durchzuführen.

24. Januar: Der Landesfachausschuss Faustball verpasst dem Spielbetrieb 20/21 einstimmig den Knockout.

12. Februar: Der Tischtennis-Verband Niedersachsen (TTVN) bricht den Punktspielbetrieb in allen Spielklassen im Erwachsenenbereich mit sofortiger Wirkung ab. Die Saison wird annulliert und für ungültig erklärt. Auch im Tennis und Badminton fallen die Beschlüsse zum Abbruch.

16. Februar: Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) zieht den Schlussstrich unter seine Ligen. Schon am 11. Februar beschließt die Handballregion Lüneburger Heide den Abbruch mit Wirksamkeit ab 16. Februar. Es gibt keine sportlichen Auf- und Absteiger.

19. Februar: Der Niedersächsische Basketballverband informiert über die Saison-Annullierung. Der Bezirksfachverband Lüneburg schließt sich an.

31. März: Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) will auf einer ordentlichen Verbandsvorstandssitzung den Saisonabbruch beschließen. Bevorzugte Variante: Annullierung. kl

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