Die AZ schaute sich auf Island um, während dem EM-Zwerg gegen Portugal Großes gelang

Fußballfans – Allein zu Haus

... in der Heimat – zumindest fernab der Hauptstadt – nicht wirklich etwas zu spüren, sagt AZ-Sportredakteur Ared Marud, der stattdessen malerisch gelegene Bolzplätze entdeckte.
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In der Heimat – zumindest fernab der Hauptstadt – ist vom Fußballfieber nicht wirklich etwas zu spüren, sagt AZ-Sportredakteur Ared Marud, der stattdessen malerisch gelegene Bolzplätze entdeckte.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Vík í Mrdal/Uelzen. Im südlichsten Ort auf dem isländischen Festland ist die Europameisterschaft scheinbar reine Privatsache. „Früher haben sie im Pub Fußball gezeigt, dann die Leinwand aber entfernt. Es war viel zu laut“, erklärt die Frau im Infocenter von Vík í Mrdal.

Immer wieder wird sie von Touristen angesprochen, die einen öffentlichen Fernseher suchen, um Livebilder von den Spielen ihrer Mannschaft zu schauen. „Hier gucken alle allein zu Hause“, antwortet sie dann.

Begeisterte isländische Fans im Auftaktspiel feiern das 1:1 gegen Portugal.

AZ-Sportredakteur Ared Marud bereist in diesen Tagen Island. Von Fußballfieber ist mitten im Nordatlantik im südlichen Teil dieser faszinierenden und größten Vulkaninsel der Erde nicht viel zu spüren – trotz des sensationellen Auftaktremis der Mannschaft um Mittelfeldspieler Aron Gunnarsson, der gegen Portugal die Kapitänsbinde trug. Gerade einmal 325 000 Menschen leben auf Island. 21 500 von ihnen spielen Fußball. Zum Vergleich: Im NFV-Kreis Uelzen gibt es 9868 Kicker. Man stelle sich vor, die Uelzener würden diverse Nationalspieler zur Europameisterschaft entsenden...

Geht doch! In der Hauptstadt Reykjavík hauen die isländischen Fans beim Public Viewing gegen Portugal auf die Pauke.

Als Islands kampfstarke Fußball-Helden den Möchtegern-Europameistern mit Superstar Ronaldo beim 1:1 einen Dämpfer versetzen, fährt Marud den rauhen Ort ab – und ist verwundert: „Keine Gartenpartys, nicht mal eine etwas lauter gestellte Übertragung ist zu hören.“ Kein Fähnchen schmückt die Autos, nirgends eine Flagge gehisst. Nur einmal läuft dem Uelzener ein Fan im Island-Trikot über den Weg. Immerhin entdeckt Marud bei Vík í Mrdal malerisch gelegene Bolzplätze, bei denen in der Kulisse Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Und in Höfn erzählt ihm ein gebürtiger Deutscher, der an der Rezeption der Jugendherberge arbeitet, dass in der Hauptstadt Reykjavík aber echte EM-Euphorie herrsche.

Von Bernd Klingebiel

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