Holdenstedter Kicker bleibt für sechs Monate gesperrt / SVH-Berufung gescheitert

Fußballer muss sich auch als Zuschauer an die Regeln halten

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Uelzen-Holdenstedt – Er war beim 13. AZ-Presse-Cup als Zuschauer auf der Tribüne dabei. Dann aber drang der Fußballer in den Innenraum der Uelzener HEG-Halle vor und leistete sich eine Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter.

Das Kreissportgericht des Fußballkreises Heide-Wendland verdonnerte den Kicker des SV Holdenstedt in einem anschließenden Verfahren zu einer halbjährigen Spielsperre und einer Geldstrafe von 140 Euro.

Der Verein ging gegen das Urteil in Berufung – und prallte jetzt beim Bezirkssportgericht Lüneburg ab, das der Berufung nicht stattgab.

Bei dem Hallenturnier im letzten Januar um den 13. AZ-Presse-Cup kam es in der ausverkauften Arena zu einem tätlichen Angriff des Zuschauers, der auch Stammspieler der 1. Herrenmannschaft des SV Holdenstedt ist. Bei dem Turnier gehörte er allerdings nicht zum Kader der Lila-Weißen.

Nach deren hart umkämpfter 1:2-Niederlage gegen den MTV Römstedt verließ der Fan seinen Tribünenplatz. Er ging auf den Unparteiischen zu – nach eigenen Angaben ein „ehemaliger Klassenkamerad“ – und wurde „unstrittig“ gegen den Unparteiischen „tätlich“, bestätigt das Bezirkssportgericht. Ordnungskräfte verwiesen ihn der Halle.

In einer Stellungnahme erklärte der Holdenstedter, dass er mit einigen Entscheidungen des Schiedsrichters „nicht sehr zufrieden“ gewesen sei. Zitat: „Daher, dass ich ihn schon seit vielen Jahren kenne, dachte ich mir, ich hinterfrage die eine oder andere Entscheidung interessenhalber mal persönlich bei ihm.“ Er habe dann versucht, den Schiedsrichter „durch einen Griff auf seine Schulter am Wegdrehen zu hindern. (...). Ich kann es nicht rückgängig machen, aber eins wollte ich bestimmt nicht, ich wollte ihm zu keinem Zeitpunkt etwas Böses tun.“

Der Unparteiische schilderte, dass ihm „mit der flachen Hand ins Gesicht“ gegriffen, ein „Finger in das linke Auge gedrückt“ und „der Kopf nach hinten in den Nacken gestoßen“ worden sei.

In erster Instanz sprach das Kreissportgericht eine Spielsperre von sechs Monaten vom 4. Januar bis 4. Juli 2020 aus. Da ein Teil davon in der Winterpause lag, verhängte das Gericht „zusätzlich zur Erreichung des Sühnezwecks“ eine Geldstrafe in Höhe von 140 Euro.

Der SV Holdenstedt wehrte sich gegen das Urteil, legte Berufung ein und beantragte die ersatzlose Aufhebung. Begründung: Die getroffene Auslegung überschreite den Rahmen der Vereinsautonomie. Die Revision sei zuzulassen, da das Vergehen gegen mittelbare Verbandsmitglieder, die als klar zu erkennende Privatperson (Zuschauer) unterwegs sind, ein Fall von grundsätzlicher Bedeutung darstelle.

Das Bezirkssportgericht bestätigte jedoch das verhängte Urteil in vollem Umfang und ließ die Revision nicht zu, weil es sich aus seiner Sicht „in diesem Verfahren um keinen Fall von grundsätzlicher Bedeutung“ handele. Die Nichtzulassung kann der SVH mit einer Beschwerde anfechten.

Gemäß der Satzung des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) sei der Zuschauer/Spieler ein mittelbares Mitglied des Verbandes und unterliege daher auch der Satzung und den Ordnungen des NFV. So heißt es in Paragraf 35, Ziffer 7 der Rechts- und Verfahrensordnung: „Strafen können auch dann gegen Vereinsmitglieder verhängt werden, wenn sie an Spielen nicht aktiv beteiligt sind, sofern sie schuldhaft gegen die Verbandssatzung und Ordnungen verstoßen.“ Auch wenn der Zuschauer/Spieler nicht für das Turnier von seinem Verein gemeldet worden war und er mit seiner privat erworbenen Eintrittskarte dem 13. AZ-Presse-Cup beiwohnte, unterliege er trotzdem als mittelbares Mitglied des NFV auch den Satzungen und Ordnungen des NFV.

Und weiter heißt es in dem Berufungsurteil: „Bei der Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter durch den Zuschauer handelt es sich um ein schwerwiegendes Vergehen, sodass es auch im Interesse des SV Holdenstedt sein sollte, dass diese Tätlichkeit gegenüber dem Schiedsrichter durch sein Mitglied bzw. Spieler auch gegen diesen entsprechend geahndet wird.“ Dies sei auch in diesem Berufungsverfahren geschehen.  kl

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