Kommt es auf die Körperlänge an?

Klein, aber oho: Fußball-Keeper ganz groß

Fußballtorwart wirft sich nach dem Ball
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Keeper Lukas Zanders war beim SV Emmendorf die Nummer zwei, spielte auch in der Landesliga.

Wie lang sollte ein Fußball-Torwart eigentlich mindestens sein? Martin Männel, Keeper von Zweitligist Erzgebirge Aue, hält eine Diskussion über die Körpergröße eines Torhüters für „typisch deutsch“. Molzen-Keeper Lukas Zanders pflichtet ihm bei.


Uelzen/Landkreis – 1,83 Meter misst Männel. Er zählt in der 2. Fußball-Bundesliga trotzdem zu den besseren Schlussleuten. Und doch wird immer wieder auf seine Maße geschaut. „Ich finde, das ist auch eine typisch deutsche Diskussion“, sagt er. Einst wurde der Kapitän der Erzgebirgler bei Energie Cottbus aussortiert – zu klein, hieß es.

Doch Männel ist seinen Weg gegangen, in Aue zum unangefochtenen Stammspieler gereift – und hat sogar ein Kopfballtor erzielt. „Sprungkraft und Reaktionsschnelligkeit kann man gut trainieren, was auch die fehlenden Zentimeter wettmacht“, betont er. „Ich habe versucht, schon in früheren Jahren durch Trainingsfleiß die Nachteile gutzumachen. Und wenn ich mir die vergangenen Jahre anschaue, habe ich vieles richtig gemacht.“

Lukas Zanders: Landesliga beim SV Emmendorf mit 1, 75 Metern

Auch in Uelzen gibt es gute Beispiele, dass es auch ohne Keeper-Gardemaß weit gehen kann. Lukas Zanders hat es mit seinen 1,75 Metern bis in die Landesliga geschafft und für den SV Emmendorf als Nummer zwei auch in der 6. Liga den Kasten gehütet. „Es gab Mannschaftskollegen, die sich freuten, wenn ich im Tor gestanden habe. Ich bin ein Torwart gewesen, den man anspielen konnte. Das war ein großer Vorteil“, erinnert sich der 30-Jährige, der heute nur noch sporadisch beim SV Molzen kickt. „Die große Zeit ist vorbei“, ist sich Zanders sicher, der auch als Feldspieler fungierte. Zumal sein Leben in beruflicher Selbstständigkeit viel Zeit in Anspruch nehme.

Die Diskussion, wie groß ein Torwart sein muss, „darf es nicht geben“, betont Zanders und pflichtet Martin Männel bei. „Wenn man etwas dafür tut, funktioniert das auch“, legt sich der Molzener fest. Im oberen Bereich sei das einfacher, als in den niedrigen Amateurklassen, weil es dort mehr Trainingszeiten gibt. Die fehlende Körpergröße ließe sich durch das Trainieren der Sprungkraft und des Stellungsspiels kompensieren. „Im unteren Bereich gibt es wenige Keeper, die das wettmachen können. Kevin Latus vom VfL Suderburg etwa“, lobt Zanders.

Die Torhüterposition findet der Ex-Emmendorfer reizvoll, aber auch riskant – das Körpermaß spiele dabei jedenfalls keine große Rolle: „Du darfst keinen Fehler machen.“ Wohler fühle er sich aber doch im Feldspiel.

Es gibt reihenweise kleine Keeper, die es weit geschafft haben: Patrick Pemberton war bei den Weltmeisterschaften 2014 und 2018 im Kader von Costa Rica – und misst nur 1,78 Meter. Jean-Luc Ettori kam mit seinen 1,73 Metern mit Frankreich bis ins WM-Halbfinale 1982. Auch der mehrmalige Welttorhüter Iker Casillas ist mit 1,82 Metern vergleichsweise klein, dafür in seinem Fach einer der Größten. Männel: „Er war bis zu seinem Karriereende eine Legende. Da gab es solche Diskussion nicht. Allein durch die Körpergröße hat man nicht automatisch mehr Präsenz.“ In der Bundesliga ist Yann Sommer (1,83 Meter) von Borussia Mönchengladbach ein prominentes Beispiel. rp, kl

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