Fußball im Homeoffice

Der Spielbetrieb im niedersächsischen Amateur-Fußball ist zumindest bis zum 23. März unterbrochen, allerorten liegt nunmehr auch das Mannschaftstraining brach.
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Der Spielbetrieb im niedersächsischen Amateur-Fußball ist zumindest bis zum 23. März unterbrochen, allerorten liegt nunmehr auch das Mannschaftstraining brach.

Uelzen/Landkreis – Die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, hat auch für den Sport oberste Priorität. Sportverbände haben ihre Saison unter- oder abgebrochen. Und sie empfehlen dringend, auch den Trainingsbetrieb einzustellen. Wie funktioniert das bei den Fußballern?

Verbieten lässt sich das Mannschaftstraining aktuell nicht. Günter Distelrath, Präsident des Niedersächsischen Fußball-Verbandes: „Letztlich obliegt die Entscheidung den Vereinsverantwortlichen. Doch ein jeder sollte seinen Beitrag dazu leisten, die Verbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus zu verlangsamen.“

Erst das Wetter, dann das Virus. Die Kicker stecken nach einer dreimonatigen Winterpause in den Startblöcken fest. Teams wie Landesligist SV Emmendorf oder Kreisklassenvertreter TSV Wriedel haben in diesem Jahr noch kein Pflichtspiel bestritten. Und jetzt ist die Saison bis mindestens zum 23. März eingestellt. Wie wollen die Akteure fit bleiben, wie die Spannung hochhalten? Die AZ hat sich umgehört.

Zeit für theoretische Trainingsinhalte

Der SV Emmendorf und Teutonia Uelzen haben das Training vorerst eingestellt. Emmendorf-Coach Nick Motzny: „Wir haben als Trainer eine ,Garantenstellung’, der wir damit nachkommen wollen. Die Gesundheit der Spieler und, weiter gedacht, der Bevölkerung steht an oberster Stelle. Deshalb wird es auch keine geplanten Mannschaftsabende zur Gemeinschaftspflege geben.“

Bei Teutonia werde die Lage „von Tag zu Tag, von Woche zu Woche“ neu bewertet, erklärt Sprecher Dennis Flügge. Den Spielern seien die empfohlenen Verhaltensmaßnahmen nahegelegt worden, „um der gesellschaftlichen Verantwortung auch in der kleinsten Einheit des Klubs nachzukommen“.

Die Spieler sollen ihre Läufe absolvieren und sich achtsam im Alltag verhalten, sagt Motzny. Der SVE-Coach: „Uns Trainern bleibt nun auch mal Zeit, um etwas durchzuatmen und sich mit theoretischen Inhalten zu befassen.“ Er zeigt volles Verständnis für die Maßnahmen: „Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das müssen wir nicht nur tolerieren, sondern stehen auch hinter der Entscheidung des Verbandes.“

SV Eddelstorf stimmt über Verzicht ab

Beim Bezirksligisten SV Eddelstorf gab es eine Mannschaftssitzung zur Corona-Krise, sagt Christof Gatzka. Der Trainer: „Das Team hat darüber abgestimmt, dass es vorerst auf ein gemeinsames Training verzichten möchte und stattdessen mit Laufeinheiten versucht, die Fitness aufrecht zu erhalten.“ Andere Möglichkeiten des Trainings seien wegen der erhöhten Ansteckungsgefahr „ja leider derzeit schwierig“. Gatzka: „Wir kommunizieren zwischenzeitlich immer wieder in den Gruppen, wie es nach hoffentlich kurzer Pause dann mit dem Training weitergeht. Auch wenn meiner Meinung nach derzeit nicht damit zu rechnen ist, dass wir nur zwei Spiele pausieren werden.“

Bezirksligist MTV Römstedt hat noch am Freitag trainiert, mittlerweile hat die Gemeinde die Anlage gesperrt. Trainer Torben Tutas: „In der kommenden Woche halten wir uns individuell fit und schauen dann am Wochenende, wie wir weiter verfahren. So lange es nötig ist, werden wir uns an die Empfehlungen des NFV halten.“

Ligarivale VfL Suderburg hat den Übungsbetrieb ebenfalls ausgesetzt, Halle und Sportzentrum sind gesperrt. Trainer Jaroslav Detko: „Jeder soll sich selber fit halten und ein paar Laufeinheiten machen. Sonst ist nichts Besonderes besprochen.“ Sein Assistent Michael Leue: „Der Trainerstab wird in Absprache mit dem Vorstand, Gemeinde und unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklung entscheiden, wie es weitergeht.“

Rosches Kläden muss seine Spieler bremsen

Beim SV Rosche musste Coach Pascal Kläden ein Machtwort sprechen: „Nachdem ich der Mannschaft am Freitagnachmittag mitgeteilt habe, dass bis auf Weiteres das Training ausfällt, war die Meinung geteilt.“ Einige der Bezirksliga-Kicker zeigten demnach Verständnis, „andere wollten sich trotzdem auf dem Sportplatz treffen, um zu trainieren, was wir untersagt haben“, schildert Kläden. Es sei schwer, „die Jungs bei so etwas bei Laune zu halten“. Kläden: „Die sind halt fußballverrückt! Jeder sollte sich jetzt erstmal selbst fit halten.“

Beim SC 09 gibt es Sportplatzverbot

Beim Ligarivalen TuS Bodenteich herrscht auf dem Trainingsgelände ebenfalls Stillstand. Trainer Volker Dollase: „Der Verein und wir nehmen die Empfehlung des NFV sehr ernst und befolgen diese auch. Für die Spieler gibt es individuelle Trainingspläne, damit ein gewisses Fitnessniveau gehalten wird.“ Das Gleiche gilt für die Kreisklassen-Reserve. Deren Trainer Stefan Buß: „Die Spieler sollen sich möglichst mit individuellen Läufen fit halten.“

Ins gleiche Horn stößt Barums Nicolai Bäsler, der seinen Bezirksliga-Kickern sportliches Homeoffice verordnet: „Ausdauer- und Intervallläufe, Laufband, Fahrradfahren, Crosstrainer.“

Solange der Spielbetrieb ruht, wird auch beim FC Oldenstadt in der Heide-Wendland-Liga nicht gemeinsam gegen den Ball getreten. Trainer André Kobus: „Da das Risiko für mich nicht überschaubar ist, setzen wir das Mannschaftstraining ebenfalls bis 23. März aus. Weil wir in der Vorbereitung sehr hart gearbeitet haben und die Mannschaft richtig fit ist, bekommen die Jungs individuelle Trainingspläne.“ Die Hausaufgaben: Laufeinheiten, Kraft-/Dehnübungen.

Der Sportclub Uelzen hat für alle Teams einen Trainingsbann verhängt. Anton Weinberger, Coach des Reserveteams: „Bei uns herrscht jetzt mindestens bis zum 23. März Sportplatzverbot! Jeder muss sich also selber fit halten, wenn möglich.“

Beim SV Molzen ist der Trainingsbetrieb in Absprache mit dem Vorstand und dem Betreuerteam sofort für die kommenden zwei Wochen eingestellt, erklärt Timo Schulze. Der Coach der „Kleeblätter“ fordert von seinen Kreisklassen-Kickern, sich selbstständig fit halten. Spezielle Vorgaben hat er nicht erteilt, zumal der SVM in den letzten Wochen bei jeder Einheit mit 15 bis 20 Spielern trainiert habe. Schulze: „Wir warten gespannt auf die Neubewertung des NFV. Sollte die positiv ausfallen, nehmen wir das Training sofort wieder auf. Die Gesundheit geht dem Hobby vor, und hier zählt jeder Einzelne.“

„Schade, aber keinesfalls schlimm“

Das Kreisklassenteam des TSV Wriedel hat sein letztes Pflichtspiel am 1. Dezember bestritten, nun wird das ewige Warten noch vom Trainingsstopp des Vereins begleitet. Coach Mathias Grabs: „Ich persönlich äußere mich dazu nicht. Wir wollen am Montag beratschlagen, wie wir uns weiter fithalten.“

Bei Germania Ripdorf hat der Shutdown noch eine andere Facette: „Gerade weil wir viele Spieler haben, die auswärts studieren oder arbeiten, möchten wir ihnen den Weg mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ersparen“, sagt Coach Florian Damm. Die Kicker des Kreisklassisten sollen versuchen, sich individuell mit Laufeinheiten fit zu halten. Damm: „Es ist nur vernünftig, den Virus zu verlangsamen, auch wenn die Welt dadurch entschleunigt wird. Der Ausfall des Spielbetriebs, der Feiern oder verschiedener Veranstaltungen ist schade, aber keineswegs schlimm.“

Beim TSV Jastorf spürt Coach Malte Weber die Lust seiner Spieler auf Fußball. „Natürlich wollen sie trainieren und wir natürlich auch. Jedoch haben wir auch eine gewisse Verantwortung. Dementsprechend folgen wir der Empfehlung des NFV.“ Weber befürchtet, dass die Zwangspause wohl noch länger als geplant dauern werde. Der TSV-Coach: „Im Moment kriegen die Jungs Läufe, um sich fit zu halten. Wir sind gespannt, was die Zukunft bringt und müssen uns was einfallen lassen, um sie bei Laune zu halten.“

Quittenbaum: „Wir sind keine Virologen“

Felix Quittenbaum vom MTV Himbergen sieht für sein Team aus der 2. Kreisklasse ebenfalls keine andere Wahl, als das Training einzustellen: „Wir sind keine Virologen und folgen den Empfehlungen der Fachleute. Wir müssen Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen.“ Mit welchem Programm die MTV-Kicker fit bleiben sollen, „wissen wir noch nicht“. Quittenbaum: „Das ist bitter für uns, da wir in der zweiten Januarwoche mit der Vorbereitung begonnen und die Jungs sehr gut mitgezogen haben.“

TSV Lehmkes Betreuer Arne Scheele sieht die Zwangspause pragmatisch: „Die Vorbereitung war sehr gut, sodass die Jungs alle fit genug sind, um ‘ne Woche ohne Training zu überstehen.“

VON BERND KLINGEBIEL

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