SERIENSTART AZ-ARCHIVPERLEN Schnee von gestern in die Gegenwart geschippt

Fußball, egal bei welchem Wetter

Meterhoch türmen sich am 25. Februar 1979 Schneeberge rund um den SC-Sportplatz am Fischerhof, auf dem der gastgebende Bezirksligist den zwei Klassen höher spielenden MTV Gifhorn vor 173 zahlenden Zuschauern mit 4:1 Toren besiegt. Archivfotos: F. Klingebiel, Fotorecherche: Immo de la Porte
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Meterhoch türmen sich am 25. Februar 1979 Schneeberge rund um den SC-Sportplatz am Fischerhof, auf dem der gastgebende Bezirksligist den zwei Klassen höher spielenden MTV Gifhorn vor 173 zahlenden Zuschauern mit 4:1 Toren besiegt. Archivfotos: F. Klingebiel, Fotorecherche: Immo de la Porte

Früher war alles besser. Sagt der Volksmund. Zumindest war früher alles anders. Sagt ein Blick auf die Perlen des AZ-Fotoarchivs der 70er- und 80-Jahre.

Zum Start der neuen Sport-Serie: Einige hartgesottene Kicker treten im Jahrhundertwinter 1978/79 tatsächlich inmitten von weißen Massen gegen das runde Leder. Heutzutage so nicht mehr vorstellbar.

VON BERND KLINGEBIEL

Uelzen/Landkreis – Schnee von gestern in die Gegenwart geschippt: Am 25. Februar 1979 stehen sich Bezirksligist SC 09 Uelzen und der zwei Klassen höher angesiedelte MTV Gifhorn in einem Freundschaftsspiel am Fischerhof gegenüber. Dass Norddeutschland inmitten einer zweiten Schneekatastrophe eines Jahrhundertwinters steckte, juckt die Verantwortlichen herzlich wenig: Sie lassen dank eines Vereinsmäzens den Sportplatz mit schwerem Gerät freiräumen. Rundherum türmen sich teils meterhohe Schneeberge, dahinter und darauf tummeln sich 173 Zuschauer.

Wenn hingegen in der Neuzeit gefühlt nur ein etwas heftigerer Schauer niedergeht, riecht es häufig gleich nach Spielabsage. Allerdings haben die Kicker damals auf den oftmals sowieso ramponierten und ausgedünnten Rasenflächen nicht viel kaputtmachen können.

Die Fischerhöfler besiegen den Landesligisten nach Treffern von Wolfgang Fleske (2), Rainer Montag und Bernd Idziak mit 4:1 (2:1) Toren. Den zwischenzeitlichen Ausgleich markiert Hans-Heinrich „Heiner“ Pahl, der nach der Saison zu Eintracht Braunschweig wechselt und für die Löwen unter anderem 101 Bundesligaspiele absolviert.

Die Gifhorner Gäste haben wenig Motivation mitgebracht, wollen eigentlich gar nicht antreten, verrät MTV-Torwart Gäde der AZ. Aber nicht etwa wegen der heute unvorstellbaren äußeren Bedingungen in einem Winter mit Blitz-Temperatursturz von über 30 Grad Celsius, heftigen Schneefällen, Sturmfronten und Katastrophenalarm in mehreren Regionen. Sondern weil die Mannschaft am Tag zuvor auf einer Karnevalsveranstaltung hart gefeiert hat.

Das Schlagwort damals heißt wie zu heutigen Corona-Zeiten in den Arenen nicht Geister-Kulisse. Sondern geeiste Kulisse. Uelzens Doppeltorschütze Wolfgang Fleske genoss es, auf schneebedeckten Plätzen zu spielen: „Ich empfand diese Bedingungen immer als absolut super“, sagt er rückblickend. Das glatte Geläuf, der rutschende Ball – das liegt dem leichtfüßigen SC-Linksfuß, der auch beim Lüneburger SK in der Oberliga kickte. Der heute 69-Jährige und ehemalige Trainer von Teutonia Uelzen und TuS Bodenteich erinnert sich an Zeitgeist: „Wir hatten Lust auf Fußball, egal bei welchem Wetter!“

Auch anderenorts rollt der Ball im Februar ‘79 an jenem denkwürdigen Sonntag vor schneereicher Cool-lisse. Verbandsligist TuS Bodenteich gewinnt ein Testspiel beim Bezirksklassenvertreter TSV Groß Hesebeck/Röbbel mit 4:0. TuS Wierens A-Jugend deklassiert die Männer des SV Molzen (2. Kreisklasse) mit 10:1. Helge Münk gelingen fünf Tore. Die Uelzener Sportclub-Reserve (1. Kreisklasse) fährt ein 3:0 gegen Bezirksklassenvertreter TSV Niendorf/Halligdorf ein. Und in einem Kreisklassen-Duell trennen sich TSV Bienenbüttel und SV Barnstedt mit 1:1.

Schneeplatz-Liebhaber Wolfgang Fleske (Zweiter von rechts) springt ins Leere, der spätere Braunschweiger Bundesligaspieler „Heiner“ Pahl (Mitte) erzielt mit einem schönen Kopfballtor den 1:1-Ausgleich für den MTV Gifhorn.
Ganz in seinem Element: Der heute 69-jährige Wolfgang Fleske genoss es zu seiner aktiven Zeit, auf schneebedeckten Plätzen zu kicken.
Matsch nach dem Match: Bei einsetzendem Tauwetter...
...ist der SC-Platz dann aber tatsächlich unbespielbar.

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