Trainer brutzelt im Champions-League-Outfit / Fohlen heißt jetzt „Sören“ / Niebuhrs Ehefrau nagelt Schuhe an Baum

Feiner Zwirn und eine Eselei

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Ein Bild für die Fußball-Götter: Barums Co-Trainer Burkhard Schorling coacht die Mannschaft in Champions-League-Manier im Sakko, während alle anderen in T-Shirts und kurzen Hosen in der prallen Sonne brutzeln.

kl/am Uelzen/Landkreis. Fußballer sind hart im Nehmen.

Bei Bullenhitze im Anzug coachen, Kilometer um Kilometer zum Spielort im Auto abspulen, im gehobenen Alter noch mal in der Bezirksliga mitkicken oder die eigenen Schuhe an einen Balken nageln lassen – alles kein Ding, wie die brandfrische Folge des „AZ-Nachschusses“ zum Saisonabschluss feststellt.

Da staunten Barums Fußballerinnen nicht schlecht. Co-Trainer Burkhard Schorling erschien zu seinem Abschied und letzten Punktspiel in schwarzem Anzug und trug dazu bei hochsommerlichen Temperaturen eine Krawatte. „Ich wollte mir etwas Besonderes einfallen lassen und die Mannschaft überraschen“, lachte Schorling noch lange nach Spielende über sein feines Outfit.

Während die Zuschauer in kurzen Klamotten und Flip-Flops an der Seitenlinie schwitzten, brutzelte Schorling in seinem Sakko, das an europäischen Spitzenfußball erinnerte. „Wie in der Champions League“, staunte Schorling über sich selbst und schlüpfte zum Abschluss in die Rolle des Cheftrainers, während sich Coach Björn Schwichtenberg beim 9:0-Sieg über den VfB Fallersleben zurücklehnte.

Schick, schick! Rosches „weißes Ballett“ löste am Freitag die beim AZ-Presse-Cup gewonnene Brauerei-Besichtigung ein und hatte am Sonnabend ein paar Orientierungsprobleme beim Gastspiel gegen Vizemeister VfL Lüneburg (0:5).

Einen Tag vor dem Gastspiel beim VfL Lüneburg löste der SV Rosche seinen Gutschein für eine Wittinger-Brauereibesichtigung ein, den der Bezirksligist beim AZ-Presse-Cup Anfang des Jahres gewonnen hatte. „So haben wir in der ersten Halbzeit dann auch gespielt“, sah Trainer Pascal Kläden das Unheil auf sein Team zurollen. Zur Pause lagen die Roscher bereits mit 0:4 zurück und verloren mit 0:5.

Am Ende durfte auch noch Konstantin Balkowski zeigen, was er drauf hat. Der Trainer des VfL Suderburg lief beim 6:2-Erfolg gegen Wendisch Evern von Beginn in der Abwehr auf, weil der Bezirksligist nur einen Auswechselspieler hatte. Halt, nicht ganz! Der zweite Reservespieler war Co-Trainer Michael Leue. Und der 51-Jährige wurde nach 87 Minuten tatsächlich noch eingewechselt. „Er spielt ja im Training noch mit“, war Spielertrainer und Keeper Jaroslav Detko nicht bange. Balkowski zeigte, dass er das Fußballspielen auch nach siebenjähriger Pause nicht verlernt hat. Er strahlte Ruhe am Ball aus, spielte clever mit Übersicht.

Besondere Beziehung: Patrick Cohrs (oben 2. v.l.) freut sich mit den Suderburgern über den Sieg in Wendisch Evern. Die in dem VfL-Team gelebte Inklusion ist eine Besonderheit im Fußball.

Auch Suderburgs liebster Fan Patrick Cohrs fieberte mit dem VfL beim Bezirksligaspiel in Wendisch Evern mit. Er hatte wieder sein T-Shirt mit der Aufschrift „Inklusion schaffen wir“ angezogen. Nach dem Tor zum 1:0 für den VfL lief die gesamte Mannschaft geschlossen zur Auswechselbank, um mit Patrick, der vor Freude auch seine Sitzbank verließ, das Tor zu feiern und begrub ihn fast unter der Spielertraube. „Tolle Aktion“, sagte Vater Harald Cohrs.

Und noch ein Trainer durfte von Beginn an mitkicken. Viktor Worster vom Bezirksligisten SC 09 Uelzen kam nach 61 Minuten in Ochtmissen zum Einsatz und war heiß wie eh und je. „Bum-Bum-Worster“ – so der Spitzname – war sofort in seinem Element, fightete und wollte unbedingt ein Tor erzielen. „,Wiki’ ist ein Vollblut-Spieler und reißt alle mit. Er ist irgendwie noch immer eher der Spieler als Trainer“, berichtete Coach Harald Voigts, der Worsters ungebrochene Lust auf Fußball trotz mehrerer Kreuzbandrisse und etlichen anderen Verletzungen bewundert. „Ein Stehauf-Männchen.“

Molzens Kreisliga-Torwart Maik Harneid hat diese Saison für sein Hobby etliche Kilometer „gefressen“. Auf dem Platz im Radius eher eingeschränkt, fährt der in Gardelegen wohnhafte Keeper rund 80 Kilometer zu jedem Heimspiel nach Molzen. Die Auswärtspartien an den Kreisgrenzen sind dann schon eine harte Nummer, die er auf sich nimmt. „Die langen Fahrten sind ihm aber nie anzumerken. Er hat diese Saison so manchen ,Unhaltbaren’ und uns oft im Spiel gehalten. Dank ihm haben wir so manchen Punkt auf der Habenseite“, lobt Co-Trainer Kai Liebner. Zu einigen Spielen reiste Harneid sogar aus Leipzig, Ingolstadt und Duisburg an, wo er beruflich tätig war.

Bei der Saisonabschlussfeier der Bezirksliga-Männer des TuS Bodenteich kam auch Wehmut auf. Mit Moritz Niebuhr („Kracke“) und Julian Niebuhr („Juli“) verlassen zwei verdiente Stammspieler den Verein. Beide wurden mit herzlichen Worten und kleinen Präsenten vom TuS-Vorsitzenden Friedhelm Schulz und von der Mannschaft verabschiedet.

Julian Niebuhr, der nur in der A-Jugend nicht Blau-Weiß trug und beim LSK kickte, wechselt zum Landesligisten MTV Treubund Lüneburg. Moritz Niebuhr wohnt mit seiner Ehefrau mittlerweile in Hamburg und studiert auch dort. Er war zweieinhalb Jahre beim TuS und hatte wesentlichen Anteil am Aufstieg in die Landesliga 2016.

Nun ist die Karriere beendet: Ehefrau Victoria nagelt die Fußballschuhe von Bodenteichs Keeper Moritz Niebuhr an einen Baum.

Da er seine Fußballstiefel jetzt an den berühmten „Nagel“ hängt, nahm Ehefrau Victoria Niebuhr das wörtlich und nagelte seine Fußballstiefel mit tatkräftiger Unterstützung ihres Ehemannes und von Gino Bölter an einen kräftigen Baum vor der Terrasse des TuS-Vereinsheims an. Moritz hat aber zugesagt, dass er in Notfällen auch einmal beim TuS aushelfen würde. Sein Spielerpass bleibt erst einmal in Bad Bodenteich.

Übergabe: Stefan Buß gibt sein Traineramt beim TuS Bodenteich an Marcel Putz (links) und Lars Lettau (rechts) ab.

Auch bei der 2. Herren des TuS Bodenteich standen am Sonntag die Zeichen auf Abschied, und zwar von Trainer Stefan Buß, der die Mannschaft durch zwei schwierige Spielzeiten geführt hat und jetzt etwas kürzer treten möchte.

In der Saison 2017/18 wurden insgesamt 36 Spieler eingesetzt. Die TuS-Reserve war die beste Rückrundenmannschaft der 1. Kreisklasse und hätte fast noch den Aufstieg in die 1. Heide-Wendland-Kreisklasse geschafft.

Buß bekam herzliche Worten vom TuS-Vorsitzenden Friedhelm Schulz und Mannschaftsführer Jannis Schwerin mit auf den Weg. Als neue Trainer wurden Lars Lettau und Marcel Putz begrüßt.

Der Uelzener Fußballprofi Sören Bertram ist auf den Esel gekommen. Ein Fohlen trägt jetzt den Vornamen des dreifachen Torschützen für den FC Erzgebirge Aue im Rückspiel der erfolgreichen Zweitliga-Relegation gegen den Karlsruher SC (3:1). Im Auer Tierpark ist eine Namenswahl noch nie so eindeutig ausgefallen. „Sören“ gewann mit mehr als 80 Prozent der Einsendungen. Bertram hatte erlaubt, dass das Eselfohlen sein Namen tragen dürfe und er sich darüber freuen würde. Tierpfleger Sandro Uhlig und Tierparkleiterin Bärbel Schroller tauften den Amerikanischen Mini-Esels und strichen ihm mit Sektfingern über den Kopf. Paten-Profi Bertram weilt derweil im Urlaub.

Ausharren, bangen, hoffen. Nach dem eigenen 10:1-Sieg gegen FC Roddau musste sich Barums 2. Frauenmannschaft im Titelkampf der Bezirksliga in Geduld üben.

Der Böddenstedter Auswärtssieg in Laßrönne wurde Trainer Michael Struck durch Staffelleiter Joachim Weis kurz nach dem Abpfiff schon bestätigt. Weis, der eigentlich Laßrönne ehren wollte, setzte sich ins Auto und reiste die 50 Kilometer von Winsen/Luhe herunter nach Barum.

Hoch auf dem grünen Wagen: Meisterjubel bei Barums Bezirksliga-Kickerinnen nach der dramatischen Titelentscheidung.

Da das Bröckeler Auswärtsspiel bei der SG Este/Holvede aber mit 30 Minuten Verzögerung begonnen hatte, war nicht wirklich klar, ob Barums Torevorsprung ausreichen würde. Erst Estes scheidender Trainer Tobias Stegmann konnte dann telefonisch Auskunft über den Endstand geben, zugleich entluden sich im Waldstadion sämtliche Emotionen. Sekt- und Bierduschen wechselten sich ab, nach der Meisterehrung mit Medaillen- und Plakettenübergabe ging es dann zur Krönung noch mit Trecker und Anhänger durchs Dorf. Den Abend und die Nacht verbrachten die meisten Spielerinnen anschließend in Uelzener Lokalitäten.

Am Sonntagvormittag liefen die Telefone zwischen Barum und Böddenstedt heiß. „Wir werden uns nicht lumpen lassen und eine ordentliche Ladung Kaltgetränke beim VfL abliefern“, kündigte Struck an. „Wahnsinn, dass sie es noch möglich gemacht haben. Tausend Dank!“ drang es Richtung Böddenstedt. Der MTV triumphierte damit als Aufsteiger und machte den Durchmarsch in die Landesliga perfekt.

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