Mit Fantasie und gesplitteten Staffeln

Ein langer Marsch mit bis zu 38 Spieltagen droht den Mannschaften (links MTV Römstedt mit dem VfL Suderburg) in der Bezirksliga-Staffel 1, falls sie mit möglichen 20 Teams eine Saison mit Hin- und Rückrunde spielen würden. In den Spielausschüssen werden deshalb Varianten für einen weniger stressigen Spielbetrieb diskutiert, zumal niemand weiß, ab wann tatsächlich wieder um Punkte gekickt werden darf. 
+
Ein langer Marsch mit bis zu 38 Spieltagen droht den Mannschaften (links MTV Römstedt mit dem VfL Suderburg) in der Bezirksliga-Staffel 1, falls sie mit möglichen 20 Teams eine Saison mit Hin- und Rückrunde spielen würden. In den Spielausschüssen werden deshalb Varianten für einen weniger stressigen Spielbetrieb diskutiert, zumal niemand weiß, ab wann tatsächlich wieder um Punkte gekickt werden darf.

Oha! Drei Aufsteiger, keine Absteiger, vermutlich zwei freiwillige Rückzieher aus der Landesliga – vier Teams mehr als bisher! Was sich für die Fans in der Fußball-Bezirksliga nach einer attraktiven Saison mit reichlich Heimspiel-Stoff anhört, ruft die Spielplangestalter auf den Plan.

Fantasie für den Spielmodus ist in allen Ligen gefragt angesichts aufgeblähter Staffeln und eines zeitlich ungewissen Starts in die Saison 2020/21.

Uelzen/Landkreis – Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) wird es so beantragen: Abbruch der Saison 2019/20 mit Aufstieg und ohne Abstieg. Die Zustimmung der Delegierten auf dem außerordentlichen Verbandstag am 27. Juni für diesen Plan gilt als sicher.

Es wird künftig keine 4. Kreisklasse mehr geben. Das ist einfach die Entwicklung.

Zur nächsten Spielzeit werden sich damit einige Ligen im heimischen Fußball stark vergrößern. Sie werden überfrachtet sein mit Mannschaften, sodass aus dem gewohnten Modus aus Hin- und Rückrunde bis zu 42 Spieltage erwachsen, wie in der Regionalliga Nord. Erschwerend kommt hinzu, dass noch niemand sagen kann, ab wann überhaupt wieder um Punkte gekickt werden wird. Deshalb werden in den Spielausschüssen weniger stressige Saisonvarianten diskutiert. Zumal bei den Amateuren auch das erhöhte Verletzungsrisiko durch ein derart strammes Pensum zu beachten ist. Insbesondere in einem Zeitraum, der angesichts der corona-bedingten Einschränkungen noch kürzer als aktuell angenommen ausfallen könnte.

Bis zu 20 Teams in der Bezirksliga

Die Landesliga Lüneburg mit Teutonia Uelzen schwillt vorbehaltlich der NFV-Saisonabbruchs-Variante beim Restart durch vier Neulinge auf 19 Teams an. 16 sind der Regelfall. Dorthin soll die Reise bis spätestens zur Saison 2023/24 durch eine erhöhte Abstiegsquote auch wieder hinführen. Dass die veränderte Situation die Mannschaften zusätzlich unter Druck setzen wird, liegt auf der Hand.

Zweigleisigkeit in überfüllten Staffeln?

Noch problematischer stellt sich die Situation in der Bezirksliga-Staffel 1 mit ihren künftig sieben Uelzener Vertretern dar. Denn von oben rutscht freiwillig der SV Emmendorf eine Etage hinunter. Und auch die SV Eintracht Lüneburg erwägt nach einem personellen Aderlass den Rückzug in die Bezirksliga. 20 Mannschaften stünden damit in den Startblöcken, 38 Spieltage!

Kurze Winterpause und Spiele bis 27. Juni

Eine Saison mit Hin- und Rückrunde wäre Stress pur. Es gibt Entwürfe für einen solchen Rahmenspielplan. Startet die Saison, wie erhofft, ab dem 6. September, würde sie in einer 20er-Staffel bis zum 13. Dezember durchlaufen und schon am 7. Februar wieder aus der Winterpause gehen. Gekickt werden müsste anschließend an fast allen Feiertagen, zudem an einem Mittwochabend im Juni. Schluss wäre am 27. Juni. Der Plan enthält nur drei Nachholspieltage und passt also nur, falls auch das Wetter im Herbst und Frühjahr einigermaßen mitspielt.

„Von Sommer zu Sommer spielen“

Im Norddeutschen Fußballverband, der wie die Niedersachsen nur noch den formellen Beschluss für einen Abbruch ohne Absteiger benötigt, werden zwei Szenarien zur Entzerrung diskutiert: eine einfache Runde, in der jede Mannschaft nur einmal gegen jeden Gegner antritt. Oder eine Aufteilung in zwei Elfer-Staffeln. Es könnten sich jeweils Play-offs für die Auf- und Abstiegsentscheidungen anschließen.

Zweigleisigkeit ist auch ein Zauberwort für die Landes-, besonders aber für die Bezirksliga. Der Spielausschussvorsitzende des Fußballkreises Heide-Wendland (HWK), Thore Lohmann, betont jedoch, „dass überhaupt noch keine generellen Entscheidungen über den Spielbetrieb“ getroffen seien. Wichtig sei es, wieder dorthin zu kommen, dass „von Sommer zu Sommer gespielt wird“. Das funktioniere nur, „wenn eine Saison verkürzt wird“. Veränderungen würden auf Kreisebene aber nur „in Absprache mit den Vereinen“ getroffen, versichert Lohmann.

Mehr Aufsteiger in die 2. Kreisklasse?

Im Spielbetrieb des HWK wird die Zeit nach Corona aber definitiv Spuren hinterlassen. „Es wird künftig keine 4. Kreisklasse mehr geben. Das ist einfach die Entwicklung“, bestätigt Lohmann gegenüber der AZ.

Die bisher drei Staffeln mit aktuell 28 Teams verlieren durch die mutmaßliche Abbruchssvariante weiter an Substanz – mindestens die sechs Aufsteiger. In der untersten Klasse aber sei den Hobbykickern eine Saison in dann nur noch zwei Staffeln mit weiten Auswärtsfahrten durch den Heide-Wendland-Kreis nicht zuzumuten. Da stehst du sonntags ganz schnell mit deutlich weniger als elf Mann auf dem Platz.

Entsprechend sollen die Staffeln der 3. Kreisklassen mit den Mannschaften aus der Vierten aufgestockt werden. Mit den Vereinen stünden deshalb Beratungen an, ob es zusätzliche Aufsteiger in die 2. Kreisklasse geben soll, sagt Lohmann.

VON BERND KLINGEBIEL

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare