„Fan-Potenzial sehen wir nicht“

Sie jubelten nur einen Sommer: Die Gruppe „Wild-Boyz“ sorgte in der Oberliga-Relegationsrunde und zum Punktspielauftakt gegen den VfB Oldenburg für eine prächtige Stimmung im Sportpark und unterstützte die Mannschaft – die lautstarken Fans blieben in den letzten Partien jedoch weg.

Uelzen - Von Bernd Klingebiel. Tabellenplatz 19, sieben Niederlagen in Folge, vier Punkte – Teutonia Uelzen steht nach zwölf Spieltagen in der Fußball-Oberliga mit dem Rücken zur Wand. Ohne einen möglichst schnellen Sieg, der Hoffnung gibt und Kräfte freisetzen kann, droht den Blau-Gelben eine aussichtslose und zermürbende Saison. Im Umfeld des Aufsteigers bleibt es aber auch vor dem Heimspiel am kommenden Sonntag, 14 Uhr, gegen den VSK Osterholz/Scharmbeck ruhig – zu ruhig?

Die begeisternde Stimmung im Sportpark, die die Mannschaft zum Aufstieg und am 1. Spieltag zu einem 2:2-Unentschieden gegen Topfavorit VfB Oldenburg trug, ist verflogen. Im Verein gibt es aber auch keinerlei sichtbaren Anstrengungen, dies zu ändern. Während andere Klubs auf diesem Liganiveau in ähnlichen Situationen und vor wichtigen Spielen die Fans auch schon mal mit Flugblatt-Aktionen in Fußgänerzonen mobilisieren, Jugendliche mit freiem Eintritt ins Stadion locken oder ein Rahmenprogramm bieten, wird der Uelzener Fünftligist die Partie gegen den VSK so wie immer angehen – business as usual.

Vorsitzender Lutz Börngen nimmt die Anregungen zwar auf, erklärt jedoch: „Das ist kein Thema, wir haben über so etwas noch nicht groß nachgedacht.“ Er verweist darauf, dass Teutonias Nachwuchs-Fußballer zu den Heimspielen bereits freien Eintritt erhalten – mit sehr mäßigem Zuspruch. Gefordert ist in dieser Situation ohnehin ganz Fußball-Uelzen, wenn auch in der nächsten Saison im Sportpark hochklassiger Fünftliga-Sport mit Mannschaften aus Oldenburg und Emden statt aus Landesliga-Orten wie Etelsen und Moisburg geboten werden soll.

Den Zuschauerschnitt bezeichnet Börngen zwar als zufriedenstellend, die Begeisterungsfähigkeit jedoch enttäusche. Selbst nach dem 1:2-Anschlusstreffer der Teutonen im Derby gegen den FC Hansa Lüneburg vor insgesamt fast 900 Zuschauern herrschte im Uelzener Block Eiszeit – worüber sich selbst Hansa-Präsident Dietrich Conrad verwundert zeigte. Der Teutonia-Vorsitzende: „Ein Fan-Potenzial sehen wir nicht.“

Zumal die Gruppierung der „Wild Boyz“, die die Blau-Gelben erstmals im Aufstiegsspiel in Wolfenbüttel lautstark und kreativ unterstützte, zuletzt im Stadion mit Abwesenheit glänzte – obwohl der Verein sie durchaus umwarb. Viele dieser Schlachtenbummler, so heißt es, müssten sonntags selber kicken. Und Sonnabend-Heimspiele hat Teutonia in dieser Saison nicht durchsetzen können – bis auf eine Ausnahme am 14. Mai gegen den SV Meppen.

Und so ist eine trügerische Selbstzufriedenheit eingezogen. Börngen stuft die momentane Lage denn auch „nicht als sportliche Krise“ ein. Nach dem Aufstieg über leistungsmäßig quasi „zwei oder anderthalb Klassen“ sei man sich von vornherein darüber im Klaren gewesen, „dass es schwierig werden wird“. Die Mannschaft „hält eigentlich ganz gut mit“, ihr fehle zurzeit in entscheidenden Situationen einfach das nötige Glück im Kampf um den Klassenerhalt. Börngen: „Entweder wir schaffen das mit dem Kader, oder nicht. Wir machen das mit unseren Leuten samt Trainer – sie sind das Beste, was wir in der Region haben.“

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