Rot gegen falschen Spieler, Attacke gegen Weltmeister?

„So etwas habe ich noch nicht erlebt“

Teutonias Kai Salewski am Boden, Dennis Flügge versucht, vor dem Osterholzer Isaac Kofi Donyina an den Ball zu kommen. Fotos: B. Klingebiel

Uelzen. Die geballte Erfahrung aus 547 Partien in der 1. Fußball-Bundesliga stand gestern Nachmittag im Sportpark an der Seitenlinie. Der eine: Weltmeister von 1990. Der andere: U20-Weltmeister von 1981. Sie haben alles mitgemacht im Fußball.

Doch an dieses Landesligaspiel zwischen Teutonia Uelzen und dem VSK Osterholz/Scharnebeck werden sich Ralf Sievers und Günter Hermann noch lange erinnern.

Die Ex-Profis und jetzigen Trainer sahen eine Begegnung, die Kurioses bot und fast im Tumult endete. VSK-Coch Hermann: „So etwas habe ich noch nicht erlebt! Ich bin nach dem Spiel von einem Teutonia-Spieler mit dem Ellenbogen auf die Brust geschlagen worden.“ Schon die 90 Minuten zuvor hatten für viel Gesprächsstoff, Aufregung und diverse Rudelbildungen gesorgt.

Mit dem 1:4 (0:2) kassierte Teutonia die erste Heimniederlage dieser Saison und die erste Heimpleite seit dem 2:3 gegen TuS Celle FC am 9. April letzten Jahres. Die Blau-Gelben können sich doppelt ärgern, den Abstand auf Spitzenreiter TB Uphusen nicht verkürzt zu haben. Der verlor gestern ebenfalls überraschend.

Verloren haben die Blau-Gelben aber auch Stephan Blödorn. Schiedsrichter Benjamin Lindner, der die relevante Szene nach eigenem Bekunden nicht sah, zeigte dem Uelzener Rot. Begründung: Tätlichkeit gegen den Osterholzer Peewee (43.).

Lindners Assistent in der anderen Spielhälfte, Rene Denis, hatte plötzlich die Fahne geschwenkt. Die Unparteiischen berieten. Ergebnis: Lindner stellte Blödorn wegen eines Ellenbogenchecks gegen Peewee im Strafraum vom Platz und gab konsequenterweise Strafstoß. Die Teutonen protestierten vehement: Kein Foul, der falsche Spieler! Rätselraten im Stadion, und auch auf der Osterholzer Bank ließen sich keine Erklärungen für diese Vorgänge auftreiben.

Sören Oldag, den viele als Sünder enttarnt zu haben meinten, wies alle Schuld von sich. „Peewee ist von hinten in meine Hacken gelaufen, ich habe nichts gemacht. Und Stephan Blödorn war nicht in der Nähe.“ Selbst ein Gespräch der Beteiligten nach der Partie in der Schiedsrichterkabine brachte keine Klarheit. Lindner: „Wir kamen nicht zusammen.“ Trainer Hermann hingegen erklärte gegenüber der AZ, dass drei seiner Spieler tatsächlich die Tätlichkeit von Blödorn gesehen haben wollen.

Yasin Bilgin jedenfalls ließ sich die Strafstoßchance nicht entgehen und erhöhte gegen Till Marks im Teutonia-Tor zum 0:2. Stammtorhüter Moritz Niebuhr fehlte verletzt, ebenso wie Mannschaftsführer Thomas Nowak. Feldspieler Marks übernahm beide Jobs, zog Torwarthandschuhe und als Stellvertreter auch die Käpitänsbinde über. „Natürlich fehlte uns Till auf der linken Seite“, räumte Trainer Sievers ein. Doch alle Bemühungen um einen Ersatzmann für Niebuhr waren fehlgeschlagen. Aus der Not heraus fiel die Wahl am Sonntagmittag dann auf Marks. Der Linksfuß war an allen Gegentreffern schuldlos, auch wenn das 0:1 von Bilgin aus knapp 40 Metern zustande kam. Dennis Flügge hatte den Ball verloren, Marks stand in dieser Spielaufbauphase üblicher- und korrekterweise weit vor seinem Tor. Bilgin schaltete sofort, verwandelte per Flugball.

Nach einer zerfahrenen und chancenarmen ersten Halbzeit stemmten sich die Platzherren nach dem Seitenwechsel in Unterzahl gegen die drohende Pleite. Doch erst ein Lapsus von VSK-Torwart Marc-Philip Reck – dem Sohn von Ex-Werder-Keeper Oliver Reck – ebnete den Weg zum Anschlusstreffer. Reck trat beim Abschlag deutlich über. Handspiel. Freistoß an der Strafraumlinie. Kunstschütze Andris Kuvsinovs verwandelte direkt zum 1:2.

In Teutonias druckvollster Phase – nach den Einwechslungen von Lukas Burghardt und Reno Schellin auch mit höchstmöglicher Offensivkraft – hatte der Lette dann sogar den Ausgleich vor Augen. Nach einem zweifelhaften Elfmeterpfiff trat Kuvsinovs zum Strafstoß an (84.). Er schnippelte das Leder aber am Tor vorbei. Sievers: „Ich mache ihm keinen Vorwurf. Er ist jemand, der so besondere Dinge macht, damit muss man dann auch mal leben.“ Das Ende vom Lied: Der VSK konterte zum 1:4.

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Von Bernd Klingebiel

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