Ex-Union-Kicker spielt nun in Kanada Fußball

Hauke Tippe: Der einzige deutsche Kicker bei den Rino’s

Die Rino’s Fury trainieren zwei Mal pro Woche. Das Leistungsniveau der Liga stuft Hauke Tippe im Vergleich zu Uelzener Mannschaften „irgendwo zwischen guter Kreisliga und mittelmäßiger Bezirksliga“ ein. Fotos (3): Privat
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Die Rino’s Fury trainieren zwei Mal pro Woche. Das Leistungsniveau der Liga stuft Hauke Tippe im Vergleich zu Uelzener Mannschaften „irgendwo zwischen guter Kreisliga und mittelmäßiger Bezirksliga“ ein. Fotos (3): Privat

Der Plan war ein anderer. Weihnachten, Silvester und seinen 22. Geburtstag wollte Hauke Tippe bei seiner Familie und mit Freunden in Bad Bevensen feiern. Die Corona-Pandemie zieht ihm einen dicken Strich durch die Rechnung.

Der ehemalige Union-Fußballer muss über die Festtage in Kanada bleiben.

VON BERND KLINGEBIEL

Vancouver/Bad Bevensen – „Ich könnte zwar kommen, aber dann nicht wieder einreisen“, erklärt er. Tippe ist seit seiner Ankunft in Vancouver, der Metropole an der kanadischen Westküste, nicht mehr zurück in Deutschland gewesen – fast 17 Monate!

Die Feiertage verlaufen dennoch traditionell. „Es ist an sich das Gleiche wie in Deutschland. Außer, dass hier Geschenke am 25. morgens ausgepackt werden und nicht an Heiligabend“, weiß Tippe. „Ich werde Weihnachten einfach bei mir daheim verbringen und noch zur Familie meiner Freundin Cait fahren.“ Er hat seine Liebe in Vancouver kennengelernt.

Der ehemalige Kapitän des Heide-Wendland-Ligisten Union Bevensen zog im Juli 2019 nach Kanada und kickt dort für die Furys im Rino’s Vancouver Soccer Club. „Irgendwo zwischen guter Kreisliga und mittelmäßiger Bezirksliga“, siedelt Hauke Tippe das fußballerische Niveau in der 1. Division der Vancouver Metro Soccer League (VMSL) an im Vergleich zu Uelzener Mannschaften.

Nach seiner Ausbildung in einer Bad Bevenser Dachdeckerei bewarb sich der Kurstädter bei einer Agentur um eine Auslandsbeschäftigung, so etwas habe er schon immer tun wollen. Dass es Kanada wurde, ist reiner Zufall und nicht etwa das eine erklärte Wunschziel von Hauke Tippe. Später soll es dann gern auch noch mal ein Dachdecker-Job in Australien sein. „Pläne können sich ändern. Aber ich habe nicht vor, wieder in meiner alten Heimat zu leben“, hat ihn die weite Welt, die Größe Vancouvers gepackt.

So hält Tippe selbst ein fernes Comeback bei Union Bevensen, für die er nach einem Vereinswechsel aus der U19 des VfL Suderburg seit 2016 spielte, für unwahrscheinlich. Der Uelzener Fußball ist ihm sogar schon etwas auf Distanz geraten. Tippe: „Ich schaue noch ab und zu auf die aktuellen Tabellen, aber nicht mehr so intensiv.“

„Es juckte in den Füßen“

Vielmehr bemüht er sich um ein nahtlos anschließendes zweites Visum, um weiterhin in Kanada als Dachdecker-Geselle arbeiten zu können. Handwerkliche Umstellungen gab es für ihn in Übersee nicht: „Dach ist Dach!“

In seiner neuen Stadt ist der 21-Jährige bereits fünf Mal umgezogen. Nun lebt er in einem Haus seines Chefs, gemeinsam mit Arbeitskollegen und Cait.

Nach der Ankunft in der kanadischen Provinz British Columbia „wollte ich ein Jahr Pause machen mit dem Fußball“, erzählt Tippe. In einem Park in Vancouver sah er dann aber der Mannschaft der Rino’s Fury zu, die ein Testspiel bestritt. „Es juckte in den Füßen“, sagt er.

Der Kontakt war schnell geknüpft. Hauke Tippe schloss sich der international besetzten Mannschaft an. „Wir haben nur einen Kanadier im Team. Dazu Engländer, Iren, einen Koreaner und Neuseeländer. Ich bin der einzige Deutsche im Verein und von meinen neuen Mitspielern sehr gut aufgenommen worden“, erzählt er.

Im Team ist der etatmäßige Sechser aus Bad Bevensen eine Position nach hinten in die Innenverteidigung gerutscht. Einen Treffer hat er bisher erzielt für seinen Klub. Gecoacht wird die Elf von einem früheren Jugendtrainer des FC Middlesbrough, Andrew Norton.

Trotz Corona Training und Testspiele

Corona hat auch im Ursprungsland des Eishockeys den Amateur-Fußball massiv eingeschränkt. Wie in Deutschland ist die laufende Saison aktuell unterbrochen. „Wir dürfen aber noch trainieren und Freundschaftsspiele innerhalb unseres Stadtteils austragen“, sagt Tippe.

In der Regel wird bei den Rino’s Fury zweimal pro Woche geübt, dazu kommen die Punktspiele – ganz wie früher bei Union Bevensen. In Vancouver wird allerdings ausschließlich auf Kunstrasenplätzen gekickt. Die Anfahrten zu den Auswärtspartien halten sich im Rahmen, führen aber oft durch den Dschungel des Großstadtverkehrs und dauern dann auch schon mal eine Stunde, sagt Tippe.

Die Pandemie wirkt sich in der Vancouver Metro Soccer League auch auf den Spielmodus aus. Eine normale Saison mit Hin- und Rückspielen ist auch dort nicht mehr machbar. Nun wird im Turniermodus über die Meisterschaft entschieden.

Tippe: „Es gibt drei Gruppen mit je vier Mannschaften. Wir sind mit zwei Niederlagen schwach gestartet, wurden dann aber immer besser.“ Als bester Gruppenzweiter gelang seiner Elf der Sprung ins Halbfinale, das frühestens Anfang 2021 ausgetragen werden kann.

Zumindest der zünftige kanadische Winter dürfte in der Olympia-Stadt von 2010 dann nicht für eine witterungsbedingte Spielverlegung sorgen. Wenn schon, dann wohl eher der Regen. „Wir sind an der Westküste, da gibt es nicht so viel Schnee“, weiß Tippe. Und bitterkalt wird es in Vancouver selbst zur Weihnacht eher selten, weil die Coast Mountains die Eisschrankluft aus dem Osten fernhalten.

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