Sport wird zur „Sehnsucht“

Ein Jahr Corona-Wettkampfpause für Handballer des TV Uelzen

Handballer im Sprungwurf
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TVU-Kapitän Marius Eder (links) sieht seine Mannschaft trotz der fast einjährigen Punktspielpause gut gerüstet: „Wir halten uns fit so gut es geht.“
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
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Männerhandball-Landesligist TV Uelzen hat in Kürze Jahrestag. Am 7. März 2020 trug er sein letztes Punktspiel aus.

Uelzen - Der Handball-Verband Niedersachsen (HVN) will mit seinen Regionalverbänden in den nächsten Tagen entscheiden, ob die Saison 2020/21 wegen der Corona-Pandemie abgebrochen werden muss oder ein Restart realistisch sein kann. Eines steht so oder so fest: Männer-Landesligist TV Uelzen hat in Kürze Jahrestag. Am 7. März 2020 trug er sein letztes Punktspiel aus.

Um den skurril anmutenden Feiertag werden die Black Owls nicht herumkommen, auch falls sich der HVN auf die Saison 20/21 doch noch einlassen sollte. Denn bis zum Ende des vorerst auf den 7. März befristeten harten Lockdowns in Deutschland läuft auch im Handball gar nichts. Aber auch danach erscheint ein schneller Restart fraglich.

Der 7. März hat für die TVU-Handballer damit gleich doppelte Bedeutung. An jenem Sonnabend vor einem Jahr standen sie letztmals wettkampfmäßig auf der Platte. Sie bezogen eine 22:29-Heimpleite gegen den TuS Bergen. Dann kam das pandemieverursachte Saison-Aus im niedersächsischen Handball. Im Sommer folgte für die Uelzener eine lange Vorbereitungsphase mit ein paar Testpartien – und vor dem für den 31. Oktober angesetzten ersten Punktspiel der Landesliga-Saison 20/21 ereilte sie der erneute Corona-Cut.

Persönlich lerne ich gerade sehr zu schätzen, was einem der Handball sonst so gibt.

TVU-Torwart Dominic Sommerburg

In einem Doppelinterview mit der AZ sprechen TVU-Mannschaftskapitän Marius Eder und Torwart Dominik Sommerburg, wie sie das Jahr ohne Wettkampfsport erlebt haben, wie sie den Schalter wieder umlegen und wie sich der Handball nach Corona im Landkreis Uelzen aufstellen könnte.

TVU-Torwart Dominic Sommerburg (Mitte) hofft sehnsüchtig darauf, schon bald wieder gegnerische Mannschaften zu begrüßen

Meine Herren, am 7. März ist Jahrestag. Sie wissen, was wir meinen?

Marius Eder: Ehrlich gesagt, nicht...

Dominik Sommerburg: Ich, ehrlich gesagt, weiß es auch nicht.

Ein Jahr ohne Pflichtspiel! Gratulieren müssen wir dazu wohl nicht, oder?

Eder: Hui, das war mir gar nicht so bewusst! Mittlerweile habe ich mich persönlich mit der Situation abgefunden und mache das Beste draus – mich selbst fit halten.

Sommerburg: Nein, danke, absolut nicht! Es ist ja mehr ein Trauertag. Mir war es auch nicht bewusst, dass es schon ein Jahr ist. Man kann nur das Beste daraus machen, sich persönlich fit zu halten und die Jungs virtuell zu treffen.

Wie haben Sie sich körperlich und mental denn in Form gehalten in den letzten Monaten?

Eder: Wir haben immer wieder Aufgaben von unserem Coach Maurice erhalten. Laufen, Workouts – und das alles immer unter einem gewissen Wettkampf- beziehungsweise Challenge-Charakter. Ansonsten war ich viel laufen.

Sommerburg: Körperlich hält uns der Trainer fit, der ist da sehr kreativ. Erst die Laufchallenge und nun kommen Workouts. Wenn ich mich motivieren kann, nehme ich auch mal die Hantel zu Hause in die Hand. Mental setzt langsam ein Corona-Blues ein, da helfen sportliche und berufliche Herausforderungen sowie virtuelle Treffen mit Freunden und Familie.

Merken Sie an sich selber Veränderungen in Ihrer Einstellung zum Handball?

Eder: Eigentlich gar nicht. Bis auf die Tatsache, dass ich mich freue, hoffentlich bald wieder mit meinen Freunden in der Halle oder dem Fußballplatz stehen zu können.

Sommerburg: Vor Corona war es Alltag, nichts Besonderes. Jetzt ist es eine Sehnsucht. Persönlich lerne ich gerade sehr zu schätzen, was einem der Handball sonst so gibt.

Wie wollen Sie den Schalter vom Dauer-Lockdown in den Wettkampfbetrieb umlegen?

Eder: Darüber mache ich mir mittlerweile keine Gedanken mehr. Der HVN wird, sobald es die Situation hergibt, schon ein plausibles Konzept ausarbeiten. Wir halten uns fit so gut es geht. Die Mannschaft ist gut. Da habe ich keinen Bammel, wenn es plötzlich wieder losgehen sollte.

Sommerburg: Motivieren müssen wir uns im Team nicht. Jeder ist heiß darauf, wieder in die Halle zu kommen, sei es auch erstmal ,nur’ für das Training. Der sportliche Ehrgeiz geht ja nicht verloren. Ich denke dennoch, dass wir ein paar Wochen handballspezifisches Training benötigen, um wieder an das Level anknüpfen zu können, welches wir vor dem Lockdown hatten. Das wäre eine geile Saison geworden.

Sie sind gestandene Handballer. Herr Eder, Sie auch Fußballer. Wo im Sport befürchten Sie schwerwiegende Corona-Spätfolgen?

Eder: Ich glaube, gerade Hallensportarten werden noch ein Weilchen länger mit der Situation konfrontiert sein. Da hat es der Fußball schon etwas leichter. Allerdings sehe ich generell ein großes Problem im Juniorenbereich. Das Risiko, Spieler zu verlieren, ist dort doch erheblich größer als im Seniorenbereich.

Die Mannschaft ist gut. Da habe ich keinen Bammel, wenn es plötzlich wieder losgehen sollte.

TVU-Kapitän Marius Eder

Sommerburg: Im Jugendbereich und das egal in welcher Sportart, aber gerade in den medial unterrepräsentierten Sportarten.

Wie wird sich der Handball, wie der Fußball nach der Pandemie im Landkreis Uelzen aufstellen?

Eder: Da wage ich keine Prognose...

Sommerburg: Ich glaube, viele Seniorenteams im Kreis sind gestandene Truppen, da wird es keine großen Veränderungen geben. Anders sieht es bei Mannschaften aus, deren Altersdurchschnitt sehr hoch war beziehungsweise ist, diese könnten sich vielleicht abmelden. Im Jugendbereich wird es auch schwierig, das Vor-Corona-Niveau zu halten. Soweit ich das mitbekomme, machen die Jugendtrainer und -trainerinnen beim TVU einen super Job und lassen sich viel einfallen, um die Jungs und Mädchen bei der Stange zu halten. Wir brauchen die Jugend und Jugendarbeit, um langfristig Landesliga-Handball in Uelzen anbieten zu können.

Trainer Maurice Maus: Schwarz gegen Weiß, Krafttraining und die Sorge, dass die neuen Trikots zu eng sein könnten

Maurice Maus stand im Spielerkader des Handball-Landesligisten TV Uelzen, ehe der Routinier nach dem Rücktritt von Detlef Wehrmann im Januar 2020 das Traineramt übernahm. Vor der jetzt fast einjährigen Corona-Punktspielpause war Maus sieben Mal für das Team verantwortlich, feierte vier Siege und stand vor einer ambitionierten Saison. Die AZ sprach mit dem Coach.

TVU-Coach Maurice Maus: „Der große Wunsch im Team ist, dass man zumindest als Mannschaft wieder trainieren kann.“

Herr Maus, haben Sie das Gefühl, dass sich die Spieler in der langen Pause verändert haben, sowohl körperlich als auch mental?

Maurice Maus: Die Jungs haben darauf gebrannt, die Saison zu spielen, sie haben die lange Vorbereitung stark durchgezogen und waren sehr gut drauf. Wir haben einige Testspiele gemacht und auch ernsthaft untereinander mit Testspielcharakter gespielt. Schwarz gegen Weiß ist seitdem schon ein richtiger Begriff im Team, da ging es kurz vor dem Lockdown noch richtig zur Sache. Daher ist in den Köpfen die baldige, tatsächliche Ein-Jahr-Punktspielpause noch nicht so präsent.

Natürlich schlägt die nun seit November bestehende Zwangspause auf das Gemüt, und ich als Trainer verstehe meine Aufgabe darin, mit den Jungs im ständigen Austausch zu stehen und verschiedene Trainingsaufgaben zu stellen.

Die Skepsis im Team besteht natürlich wie in allen anderen Lebensbereichen auch, wie und wann wird es in der Zukunft tatsächlich weitergehen? Der große Wunsch im Team ist, dass man zumindest als Mannschaft wieder trainieren kann.

Fest steht: Irgendwann geht es wieder los. Handball stellt sehr komplexe athletische Anforderungen. Was müssen Sie als Trainer beim Restart in Training und Wettkampf ganz besonders beachten?

Maus: Körperlich ist der Großteil auf einem sehr starken Level. Ich weiß von einer WhatsApp-Gruppe, in der die Jungs sich gegenseitig mit Beiträgen über ihre Leistungen anstacheln.

Die größte Sorge mache ich mir aber, dass die neuen Trikots für einige nun zu klein sein könnten, weil die Jungs soviel Krafttraining machen. Johannes Specht habe ich beim Einkaufen getroffen, da wurde der Gang plötzlich ziemlich schmal.

Einen tatsächlichen Wettkampf wird es in dieser Saison nicht geben, sodass wir Zeit haben werden, uns in Ruhe an die Bewegungsabläufe heranzutasten, da werden mit Sicherheit zunächst Bewegungsabläufe in geringer Intensität ohne Ball und Gegner dabei sein. Insbesondere die Bewegung in der Halle gilt es neu zu erarbeiten, um unnötige Verletzungen zu vermeiden.

Sollte es soweit sein, dass wir in die Halle können, werde ich mir sicher zu Beginn die Fachkompetenz von einem unserer Sponsoren, Athletik Uelzen, hinzuziehen.

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