Basketball – 2. Regionalliga: AZ-Interview mit Leo Niebuhr, dem neuen Star-Spielertrainer der Knights

„Ebstorf hat sich einfach richtig angefühlt“

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Leo Niebuhr kehrt nach zwölf Jahren zu seinem Heimatverein zurück. Starallüren sind dem 29-Jährigen ein Fremdwort. Bei den Ebstorf Knights möchte der sympathische Ex-Profi und A2-Nationalspieler ein neues Feuer entfachen und die Fans aus der Region dauerhaft begeistern.

Ebstorf. Er ist zurück an dem Ort, wo alles angefangen hatte: Nach zwölf Jahren kehrt Basketballer Leo Niebuhr zu seinem Heimatverein nach Ebstorf zurück. Als ehemaliger Junioren- und A2-Nationalspieler, amtierender deutscher Pokalsieger und Bundesliga-Profi.

Im AZ-Interview spricht der 29-Jährige über seine neue Aufgabe, die Autogrammjäger, das gefährlichste Tandem der Liga, Dirty-Tricks im Basketball und die „perversen“ Ablösesummen im Fußball.

Herr Niebuhr, in Ebstorf ist ja nach Ihrer Zusage ein regelrechter Hype in der Basketballszene ausgebrochen. Wie viele Autogramme mussten Sie schon schreiben?

Aktuell keine. Das wäre auch ein bisschen komisch gewesen, ich gehöre ja jetzt zu ihnen. Als ich 19 Jahre alt war, hatte ich damals mit meinem Erstligaklub Braunschweig gegen ein tschechisches Team in Ebstorf gespielt. Die Halle war proppenvoll. Und da hatte ich in der Tat ein paar Autogramme gegeben.

Und, was hat sich in diesen zehn Jahren in Ebstorf verändert?

Eigentlich nicht so viel. Einige ältere Spieler haben aufgehört, Jüngere sind dazugekommen. Und Ebstorf spielt inzwischen schon in der 2. Regionalliga, was sehr beachtlich ist.

Vielleicht schon bald sogar in der 1. Regionalliga mit Ihnen als Ex-Basketballprofi.

Ich muss mir erst einmal einen Überblick verschaffen. Die Mannschaft hat viel Potenzial. Alles ist möglich. Ich weiß, das ist ein schlechter Spruch. Der Saisonanfang wird bestimmt etwas holprig. Aber wenn alle offen sind für Neues und wir in jeder Trainingseinheit voll konzentriert und hart an uns arbeiten, können wir eine sehr gute Rolle in der Liga spielen.

Ihr neuer Teamkollege Julian Heusermann schwärmt vom Ebstorfer Traum-Pärchen. Christopher Thompson als Top-Scorer der Liga und Sie als Ex-Profi. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Beiden jemand stoppen kann, sagt er.

Na, wenn er das sagt, dann würde ich ihm nicht widersprechen (Niebuhr lacht). Die Leute wollen vielleicht so etwas sehen. Aber mein Fokus liegt darin, dass bestimmte Dinge im Training sitzen. Erst dann werde ich mich auf mein Spiel konzentrieren. Ohne überheblich wirken zu wollen. Ich glaube nicht, dass ich Probleme haben werde, in dieser Liga mitzuhalten. Aber das Entscheidende ist, dass wir als Mannschaft schnell zusammen wachsen und guten Basketball spielen. Ob ich jetzt zwei Punkte oder 40 Punkte mache, ist für mich nicht so wichtig.

Was ist Ihnen sonst wichtig im Spiel, im Training?

Basketball ist ein Teamsport und so möchte ich auch spielen, das Team ist der Star! Ich wünsche mir, dass wir zu einer eingeschweißten Truppe werden und dass eine tolle Teamchemie unter uns herrscht. Grundsätzlich bin ich ein Fan der einfachen Dinge. Die aber von Anfang an mit dem richtigen Tempo und in perfekter Ausführung. Wenn das alles stimmt, werden wir schwer zu stoppen sein.

Ein guter Spieler ist noch lange kein guter Trainer. Können Sie beides?

Das ist eine tolle Herausforderung für mich. Entscheidend ist, nun den Spagat hinzubekommen. Ich war jahrelang Basketballprofi, das war mein Beruf, meine Arbeit. Ich darf also einerseits nicht zu viel von den Spielern verlangen, möchte sie aber gleichzeitig dafür begeistern, immer mehr zu geben und immer voll bei der Sache zu sein.

Im Umfeld ist diese Euphorie bereits spürbar. Wie wichtig ist es, Fans und Sponsoren auf diesem Weg mitzunehmen?

Ich wünsche mir, dass wir hier in Ebstorf ein richtiges Feuer entfachen. Ich möchte, dass die Leute aus der ganzen Region zu unseren Spielen kommen und sagen, so ein kleines Dort wie Ebstorf spielt gegen die großen Teams aus dem Hamburger Raum. Es wäre schön, wenn ein richtiges Wir-Gefühl entsteht, sodass die Leute sonnabends nicht nur ins Kino gehen, sondern lieber nach Ebstorf zum Basketball gucken, um dort ihre Action zu bekommen.

Taten Sie das denn in den vergangenen Jahren als ehemaliger Jugendspieler des TuS Ebstorf auch?

Ich habe das Ganze nur am Rande mitverfolgt, es aber aus Erzählungen meines Vaters, der sich in Ebstorf lange Zeit engagiert hatte, mitbekommen. Und der Kontakt ist nie abgebrochen. Ich habe zum Beispiel immer wieder die Basketball-Camps für Kinder in Ebstorf geleitet.

Sie wohnen in Bad Bevensen. War es nie Thema, sich dem Team Heide anzuschließen, das inzwischen nicht mehr unter dem Namen MTV Bad Bevensen Lüneburg antritt, sondern künftig als MTV Treubund agiert.

Ich kenne in Bad Bevensen einige, die mich das auch gefragt haben. Aber für mich hat sich Ebstorf einfach richtig angefühlt. Ich weiß, was man hier alles mit den Leuten auf die Beine stellen kann. Hier wird sehr viel für die Jugend getan. Das war mir wichtig und hat mich auch gereizt.

SG Braunschweig, BG Karlsruhe, Artland Dragons, Giants Nördlingen, Oettinger Rockets Gotha, EWE Baskets Oldenburg. Sie haben für einige namhafte Klubs gespielt, sind zuletzt deutscher Pokalsieger mit Oldenburg geworden. Welches war ihre schönste Station?

Aus sportlicher Sicht war es Gotha (Aufstieg in die ProA plus Klassenerhalt - Anm. d. red.), wo ich eine Führungsrolle hatte. Persönlich habe ich mich in Quakenbrück am wohlsten gefühlt, wo ich richtig gute Freunde kennengelernt habe. Das wird für immer bleiben.

Sie waren Junioren- und A2-Nationalspieler, gehörten den Kadern verschiedener deutscher Erstligateams an. Warum hat es nicht zum richtigen Nationalspieler gereicht?

Man muss immer etwas Glück haben. Mit 20 war ich ein halbes Jahr lang verletzt, habe eigentlich anderthalb Jahre verloren und dann kommt schon die nächste Generation nach. Vielleicht war ich nicht fleißig genug, obwohl ich sehr viel Extraschichten geschoben habe.

Kann man denn mit Basketball Geld verdienen?

Man kann als Basketballprofi sehr gut leben. Vielleicht nicht in diesen Dimensionen wie beim Fußball.

Was sagen Sie denn dazu, wenn Sie hören, dass für den Wolfsburger Kevin de Bruyne Manchester City 60, 70 oder vielleicht sogar 80 Millionen Euro bietet?

Das sind perverse Summen. Profisport ist auch gleichzeitig Geschäft. Man kann es nicht ändern, weil der Fußball boomt. Auf der Welt gibt es viele ganz andere Probleme. Aber so ist das leider in unserer Gesellschaft.

Zurück zu Ihrer Person. Als Profisportler lernt man sicherlich einige Tricks und Kniffe kennen. Es heißt nicht von ungefähr, dass solche Spieler „abgewixter“ sind.

Mag schon sein. Aber entscheidend ist, dass man lernwillig und fleißig ist. Dass die Spieler auch die Kleinigkeiten richtig und ordentlich ausführen. Wir wollen nicht mit irgendwelchen dreckigen Tricks gewinnen, sondern mit attraktivem, schnellem, teamorientiertem Basketball und viel Leidenschaft.

Aber gelernt haben Sie sicherlich trotzdem einiges von Ihren bisherigen Trainern.

Ich hatte das große Glück, dass ich mit vielen erfolgreichen Trainern, die sogar Nationalcoaches waren, zusammenarbeiten durfte. Von jedem habe ich versucht, ein Stück mitzunehmen, diese haben mich zu dem Basketballspieler oder Trainer gemacht, der ich jetzt bin.

Sie wussten auch ganz genau, was Sie taten, als Sie sich für Ebstorf entschieden. Ihre Familie hat da eine wesentliche Rolle gespielt?! Sind Sie ein richtiger Familienmensch?

Auf jeden Fall, um so älter ich wurde, desto wichtiger ist mir meine Familie geworden. Deshalb möchte ich mich auch an dieser Stelle ganz besonders bei meiner zukünftigen Frau Marlene für die letzten zehn Jahre bedanken. Umzüge, neue Vereine. Sie hat alles mitgemacht. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein.

Von Arek Marud

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