Die neue Folge der „AZ-Archivperlen“:

Handballer des TSV Nettelkamp verpassen im Landespokal haarscharf eine Sensation

Handballmannschaft im Teamfoto
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Der TSV Nettelkamp sorgt 1986 für Furore und qualifiziert sich als krasser Außenseiter nach zahlreichen Siegen im Kreis- und Bezirkspokal für die 1. Runde des Landespokals. Dort scheitert die Mannschaft haarscharf an Groß Gellershausen. Der Gegner spielt sechs Klassen höher. Der TSV (hinten): Bernhard Scheidel, Ulrich Elbers, Thomas König, Detlef Gade, Werner Sauer, Friedhelm Oetzmann, Rolf Heuer; kniend: Hans-Hermann Moritz, Hans-Joachim Elbers, Fritz Kindervater, Martin Schrötke, Ralf Rudnick, Rainer Möller, Otto Nieschulze.
  • Arek Marud
    vonArek Marud
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Mitte der 80er Jahre setzt ein Underdog zum ungeahnten Höhenflug an. Die Handballer des TSV Nettelkamp eilen 1986 von Erfolg zu Erfolg und verpassen im Landespokal haarscharf eine Sensation. Als Aufsteiger in die 1. Kreisklasse, wohl gemerkt.

Wrestedt/Nettelkamp – Den 13. September 1986 hat Thomas König bis heute nicht vergessen. Der Linksaußen und Kreisläufer des TSV Nettelkamp empfängt mit seiner Mannschaft in Bad Bodenteich das Team aus Groß Gellershausen. Es ist der Höhepunkt einer langen, überaus erfolgreichen Pokalreise, durch die sich der krasse Außenseiter in den Monaten zuvor durchgebissen hat. Nettelkamp ist gerade erst aus der 2. in die 1. Kreisklasse aufgestiegen.

Nettelkamps Gegner spielt sechs Klassen höher

Der Gegner spielt sechs Klassen höher. Doch das hat Groß Gellershausens Coach seinen Spielern wohl verschwiegen, vermutet König. „Die wussten nicht, dass wir so tief spielen. Der Trainer hat es nicht erzählt.“

Die Halle ist wie gewohnt voll, die Stimmung ausgezeichnet. So wie eigentlich üblich. „Nettelkamp konnte stets mit vielen Zuschauern glänzen. Wir waren von Fanunterstützung immer gesegnet“, berichtet König.

Es entwickelt sich ein ausgeglichenes Spiel, das der Außenseiter bis zur letzten Minute offen hält und in dem er von einer Sensation träumen kann. Zwei Minuten vor Spielende liegt der TSV mit einem Tor zurück, verliert dann den Ball, kassiert das vorentscheidende Gegentor und unterliegt mit zwei Treffern Unterschied.

Groß Gellershausens Spieler staunen nicht schlecht, als sie hinterher beim gemeinsamen Umtrunk erfahren, dass sie nur knapp einer Blamage gegen einen Kreisklassenvertreter entgingen. „Das Spiel stand Spitz auf Knopf“, schildert König.

Nettelkamps kurioser Halbfinaleinzug

Es ist eines der erfolgreichsten Jahre der Nettelkamper Männer-Handballgeschichte. In der Saison 85/86 steigt die Mannschaft mit 31:1 Punkten ungeschlagen in die 1. Kreisklasse auf. Der Halbfinal-Einzug im Kreispokal reicht für die Bezirks-Pokal-Qualifikation. Dort schlägt der TSV die teils deutlich höher spielende Konkurrenz. Nach drei Siegen und einem Freilos steht das Team im Halbfinale.

Höhenflug in den Landespokal: Nettelkamps Thomas König in der Erfolgssaison 1986 bei einem Torwurf.

Kurioserweise haben sich dafür jedoch fünf Bewerber qualifiziert. Warum, weiß König nicht mehr. Nettelkamp muss eine Extrarunde drehen, schlägt Westercelle in einem Halbfinal-Qualispiel und löst das Landespokalticket. Vor allem der Auswärtssieg in Winsen/Aller mit 21:18 nach Verlängerung ist ein Husarenstück. „Die Halle war proppenvoll. Das war schon irre“, berichtet König, der heute Trainer der TSV-Männer und Sportwart ist. Nettelkamp erreicht 1986 auch die Endrunde im Uhlenschild-Wettbewerb und wird hinter dem Post SV Uelzen und TSV Hösseringen Dritter. Anekdote am Rande: Hösseringen profitiert damals von zahlreichen Suderburger Studenten.

Im Frühjahr 1987 steigt der Verein in die Kreisliga auf, wird Kreispokalsieger und spielt lange in der Spitze mit. Die herausragenden Spieler sind Rückraumtorschütze Hans-Joachim Elbers und Bernhard Scheidel. „Spielerisch waren wir nicht das beste Team, aber kämpferisch unwahrscheinlich stark. 13 der 14 Spieler kamen aus dem Kaff hier“, schwärmt König vom damaligen Zusammenhalt.

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