Das große Interview nach der Vertragsverlängerung:

Uelzener LSK-Trainer Qendrim Xhafolli: Herausforderung bei Teutonia war ein Glücksfall

Spieler des LSK und Trainer Qendrim Xhafolli  jubeln euphorisch nach dem Tor zum 2:1; Lüneburger SK Hansa - HSC
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Ein fordernder Trainer, aber auch ein Kumpeltyp: Qendrim Xhafolli (Zweiter von rechts) kommt beim Lüneburger SK Hansa gut an. Der Uelzener verlängerte seinen Vertrag bei dem Viertligisten bis zum 30. Juni 2023.
  • Bernd Klingebiel
    VonBernd Klingebiel
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Seine erfolglose Zeit bei Teutonia Uelzen bezeichnet Qendrim Xhafolli im Nachhinein als Glücksfall. Ohne sie wäre er nicht beim Lüneburger SK gelandet, sagt der junge Chefcoach des Fußball-Viertligisten im großen Interview mit az-online.de.

Uelzen/Lüneburg – Er ist genauso alt wie der künftige Bayern-Coach Julian Nagelsmann, gehört mit 33 Jahren zu der Garde junger und erfolgreicher Fußballtrainer. Der Uelzener Qendrim Xhafolli hat seinen Vertrag als Cheftrainer von Regionalligist Lüneburger SK Hansa verlängert.

Als Teutonia Qendrim Xhafolli im Sommer 2015 als Trainer für die Oberligamannschaft aus dem Hut zauberte, staunte Fußball-Uelzen über diese Nachfolge-Lösung für Torben Tutas. Ein ehemaliger Spieler, erst 27 Jahre alt, ohne Trainererfahrung im Herrenbereich, Coach bei den Junioren des FC St. Pauli. Xhafolli stellte sich der Herausforderung, er verstand sie als große Chance und Aufgabe. Es war auch eine Herzenssache: „Ich bin Uelzener durch und durch!“

Xhafolli führte Teutonia mit zwei Erfolgen ins Viertelfinale des Niedersachsenpokals, blieb in 15 Oberligaspielen jedoch glück- und sieglos. Er musste schon im Dezember seinen Posten wieder räumen. „Es war eine sehr lehrreiche Zeit, aus der ich viel mitgenommen habe“, blickt der jetzige Chef-Coach des Viertligisten Lüneburger SK Hansa zurück.

Über Juniorenaufgaben beim FC Oldenstadt und dem Trainerposten beim A-Jugend-Regionalligisten MTV Treubund Lüneburg führte ihn sein weiterer Weg zum 1. Juli 2017 zum LSK. Ab 2018 dann als Co-Trainer des neu installierten Rainer Zobel (72), seit dem Sommer 2019 als Chefcoach neben dem Teamchef Zobel, dem gebürtigen Wrestedter und Ex-Bayern-Profi.

Als Xhafolli 2017 beim LSK als Trainer einstieg, beendete der A-Schein-Inhaber seine aktive Karriere – er habe nicht beidem gerecht werden können. Zuletzt hatte er für den Sportclub Uelzen gekickt. Auch Teutonia, SV Rosche und der Hamburger Oberliga-Klub Kosova zählen zu seinen Stationen.

Beim Regionalligisten Lüneburger SK Hansa hat der Familienmensch Xhafolli, der gemeinsam mit seinem Bruder in Uelzen ein eigenes Unternehmen in der Immobilienbranche führt, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bis zum 30. Juni 2023 verlängert.

„Ja, es hat sehr lange gedauert, bis wir uns einig geworden sind“, verriet LSK-Schatzmeister Henning Constien nach den Verhandlungen. Im großen Interview mit az-online.de und auf der LSK-Homepage erklärt Xhafolli die Hintergründe seiner Bedenkzeit, spricht über die Rolle des ihm längst zum guten Freund gewordenen Rainer Zobel und verrät, was er von Nagelmanns Wechsel zum Rekordmeister hält.

Beim späteren Oberligaabsteiger Teutonia Uelzen blieb Qendrim Xhafolli glücklos. „Ich bin froh, dass ich früh in meiner Karriere mit einer solch herausfordernden Aufgabe konfrontiert wurde“, erklärt er rückblickend im AZ-Interview.

Herr Xhafolli, wieso dauerte es so lange, bis der Vertrag beim LSK verlängert war?

Qendrim Xhafolli: Ich hatte zwei sehr interessante Angebote und musste lange überlegen, wie es bei mir weitergeht. Namen möchte ich nicht nennen, aber es war ein Verein aus der Regionalliga und eine Anfrage aus dem höherklassigen Jugendfußball.

Letztlich blieb’s beim LSK. Wieso?

Die Gespräche mit LSK-Präsident Sebastian Becker und Schatzmeister Henning Constien waren sehr gut. Rainer Zobel hat sich auch stark für meine Vertragsverlängerung eingesetzt. Das waren wichtige Faktoren. Außerdem kann ich in diesem Verein mitgestalten und Einfluss nehmen. Meine Arbeit wird wertgeschätzt, ich spüre Vertrauen und kann mich gut entwickeln. Beim LSK muss man als junger Trainer nicht ständig befürchten, beim ersten Fehler gleich unter Druck zu geraten.

Die Wertschätzung, die mir jetzt beim LSK und in der Fußballbranche entgegengebracht wird, habe ich mir erarbeitet.

Qendrim Xhafolli

Ihre erste Trainerstation im Herrenfußball führte Sie auf Anhieb in die Oberliga zu Teutonia Uelzen und endete für Sie glücklos. Was haben Sie für sich aus dieser Zeit mitgenommen?

Ich bin froh, dass ich früh in meiner Karriere mit einer solch herausfordernden Aufgabe konfrontiert wurde. Das hat mich als Trainer schnell reifen lassen und auf die späteren Aufgaben vorbereitet. Ohne diese Zeit bei Teutonia wäre ich nicht beim LSK gelandet.

Empfinden Sie so etwas wie Genugtuung, dass Sie Ihren damaligen Kritikern in Uelzen jetzt als gewertschätzter Regionalliga-Trainer gegenüberstehen?

Nein, kein bisschen! Warum auch? Die Kritik war gerechtfertigt, wir haben keinen sportlichen Erfolg gehabt, da darf auch Kritik ausgeübt werden. Ich bin trotzdem meinen Weg weitergegangen und habe die Kritik, solange diese sachlich war, angenommen und für mich verarbeitet. Die Wertschätzung, die mir jetzt beim LSK und in der Fußballbranche entgegengebracht wird, habe ich mir erarbeitet und motiviert mich natürlich, noch mehr Gas zu geben.

Ich finde zum Beispiel Jeremy Fritz, Henrik Tutas oder auch Constantin Jordanov extrem interessant.

Qendrim Xhafolli über Uelzener Fußballtalente

Wie schätzen Sie den Stellenwert ein, den der LSK als einziger Viertligist weit und breit für die Fußballfans im Landkreis Uelzen einnimmt?

Welchen Stellenwert der LSK für unsere Region hat, merke ich durch die vielen Uelzener Zuschauer, die bei unseren Spielen sind. Dann haben wir mit Rainer Zobel jemanden, der für viele Uelzener ein Grund ist, sich für den LSK zu interessieren. In der aktuellen Mannschaft spielen mit Alessandro Otte, Malte Meyer und auch Paolo Rieckmann drei Uelzener, die auch ein gewisses Interesse im Landkreis Uelzen wecken. Wir als LSK möchten auch in Uelzen und der Lüneburger Heide einen gewissen Stellenwert haben. Daher machen wir hier auch Freundschaftsspiele oder auch Trainingslager, da wir uns als Teil dieser Region sehen.

Sie kennen sich bestens aus im Juniorenfußball, auch auf höchster Ebene. Haben Sie Talente aus dem Uelzener Fußball für den LSK auf dem Zettel?

Ich verfolge den Uelzener Fußball auf allen Ebenen, vor allem die jungen Spieler. Der Landkreis hat immer einige Spieler, die auch wir auf dem Schirm haben. Ich finde zum Beispiel Jeremy Fritz, Henrik Tutas oder auch Constantin Jordanov extrem interessant. Dass wir Spielern auch eine echte Chance geben, bei uns zu spielen, obwohl sie nicht aus der U19-Bundesliga kommen, sehen wir an Malte Meyer.

Welchen Stellenwert der LSK für unsere Region hat, merke ich durch die vielen Uelzener Zuschauer, die bei unseren Spielen sind.

Qendrim Xhafolli

Mit Athletikcoach Gregor Trowitzsch und Torwarttrainer Mario Drewes gehören noch zwei Stadt-Uelzener zum LSK-Funktionsteam. In wessen Wohnzimmer bereiten Sie denn gemeinsam die Trainingsinhalte vor?

Bei Mario natürlich, da werden wir immer bestens verkostet! Spaß bei Seite, Mario und Gregor sind wahnsinnig gut, in dem, was sie machen. Mir macht es sehr viel Spaß, mit beiden zusammenzuarbeiten. Sie sind ein Mehrwert für den LSK und vor allem für die Spieler, die sie trainieren. Gregor ist als Athletiktrainer grandios! Was er jetzt in der Corona-Zeit leistet, ist außergewöhnlich. Von seinem Online-Training sind unsere Spieler hellauf begeistert. Und Mario ist als Torwarttrainer eine Spitzenkraft. Es spricht für ihn, dass Torwarte wie Ole Springer, Maxi Wulf, Haris Zlomusica und unsere jetzige Nummer 1, Roman Birjukov, sich so toll entwickelt haben. Außerdem ist Mario auch als Mensch überragend. Immer lächelnd, immer positiv. Er ist die gute Seele des Teams.

Leipzigs Julian Nagelsmann ist einer aus der modernen jungen Trainer-Generation, genau wie Sie! 25 Millionen Euro Ablöse für den Wechsel zum FC Bayern, ist das Wahnsinn oder Wertschätzung?

Die Summen, die beim Fußball gezahlt werden, sind wahnsinnig, das ist kein Mensch wert! Julian Nagelsmann ist jedoch in meinen Augen einer der besten Trainer der Welt. Die Art, wie er Fußball spielen lässt, ist beeindruckend, diese Variabilität in seinem Spiel hat aktuell noch nicht mal Bayern München.

Auch Sie selbst wollen im Fußball noch höher hinaus. Wie weit ist Ihr Vorhaben, die DFB-Fußballlehrer-Lizenz zu erwerben?

Die formalen Voraussetzungen erfülle ich mittlerweile alle. Ich habe den A-Schein, bin lange genug Cheftrainer im höherklassigen Fußball. Der Lehrgang 2021 fällt leider wegen Corona aus. Aber im Herbst werde ich mich für den Lehrgang 2022 bewerben.

Das wird bestimmt happig! Wie lässt sich das alles miteinander vereinbaren?

Die Ausbildung an der Sporthochschule Köln dauert zehn Monate, plus zwei Praktikums- und Prüfungsmonate. Also werde ich ein Jahr zwischen dem LSK und Köln hin- und herpendeln. Das hat mir der LSK in den Vertragsverhandlungen zugestanden, das war ein wichtiges Kriterium für meine Vertragsverlängerung. Außerdem kommt mir und dem Verein dann wieder zugute, dass wir ein Trainerduo sind und Rainer das Training unter der Woche leiten kann.

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