AZ-Serie Uelzener Cup-Geschichten: Favoritenschreck aus der Provinz

Underdog und Überflieger: SC Weste sorgt 1979 im Kreispokal für Furore

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Der Kreispokal hatte in seiner 60-jährigen Geschichte einige Überraschungen zu bieten. Der Finaleinzug des SC Weste 1979 zählt zweifelsohne dazu. 

Der SC Weste erreichte 1979 das Kreispokal-Finale (von links): Achim Ritzer (jetziger 1. Vereinsvorsitzender), Heinrich Hohls, Bernhard Lerps, Joachim Strampe, Wolfram Reiske, Heino Hinrichs, Carsten Scheele, Heino Schulze, Dieter Will, Wilfried Jessel, Heinrich Schulze, Hans-Günther Menklein.

Weste - Sie waren der Favoritenschreck aus der Provinz und stürmten ins Finale. Doch nicht nur das Erreichen des Endspiels war eine famose Leistung. Das kleine Weste behauptete sich in den 70er Jahren trotz großer Konkurrenz meist in der Spitze der 1. Kreisklasse und spielte in der Saison 1972/73 sogar in der Kreisliga. Zu einer Zeit also, in der zwei, drei oder vier Herren-Mannschaften aus dem gleichen Verein keine Seltenheit waren – in Weste undenkbar. „Unser Einzugsgebiet war klein“, erzählt der frühere SCW-Torwart Bernhard Lerps. Die Spieler kamen aus den umliegenden Dörfern Testorf, Höver, Havekost, Masbrock, Schlagte, Oetzendorf und natürlich Weste-Bahnhof.

Nur 200 Fans sehen Finale am Fischerhof

Trotzdem kam Weste 1979 wie Phönix aus der Asche. Der Underdog aus der Provinz stürmte ins Kreispokalfinale gegen den TSV Bienenbüttel, das der Außenseiter aber mit 0:2 verlor. Das Endspiel lockte gerade einmal 200 Unentwegte an den Fischerhof. „Als Dorfverein waren wir wohl nicht interessant genug. Wir hatten selbst nicht allzu viele Fans. Meist 20 bis 30“, mutmaßt Lerps, der mit seinen Paraden den Finaleinzug ermöglicht hatte.

Im Halbfinale schaltete das kleine Weste den favorisierten SV Eddelstorf aus. Nach torlosen 90 Minuten plus Verlängerung hielt Lerps im Elfmeterschießen zwei Bälle. „Ich hatte da wohl einen guten Tag“, sagt der heute 71-Jährige.

Spielertrainer Lothar Främke fiebert in Hannover mit

Im Endspiel fehlten Lerps und Co. aber fußballerische Mittel gegen den Kreisligisten aus Bienenbüttel. „Sie waren spielerisch einfach zu stark.“ Ein Wester fieberte in Hannover mit. Spielertrainer Lothar Främke, der wegen eines viermonatigen Lehrgags verhindert war: „Wir hatten bei der Schulung mit 50 Mann gesessen, ich hatte aber nur an das Spiel gedacht.“ Främke hatte sogar überlegt, sich in Hannover kurzfristig loszueisen. Doch das Verletzungsrisiko war ihm vor dem beruflichen Hintergrund zu groß. Dabei hätte Weste Främke gut gebrauchen können. „Er war ein Typ wie Effenberg oder Kimmich, der gut von hinten heraus das Spiel eröffnet und die Bälle verteilt. Er hätte zwei bis drei Klassen höher spielen können“, lobt Lerps seinen früheren Mitspieler.

Nach dem Bienenbütteler Platzverweis übernahm Werner Niemann in der Schlussphase die Kapitänsbinde. Er trifft in dieser Szene zum entscheidenden 2:0.

Auch Lerps hatte Angebote von höherklassigen Vereinen aus Groß Hesebeck, Bevensen und Himbergen, wechselte aber nie den Verein. Spieler wie Wolfram und Ulrich Reiske, Günther Engel, Heinrich Hohls, Otto-August Brandes, Erich Schusdzarra und Wilfried Jessel hielten dem SC Weste ebenfalls über viele Jahre die Treue. „Wir hatten eine gute Kameradschaft. Das hat uns zusammengeschweißt“, erzählt Främke.

Der Bienenbütteler Pokalsieger von 1979 (oben von links): Manfred Gottfried (Betreuer), Trainer Bernd Ehlers, Horst Labait, Werner Niemann, Heiner Kahtmann, Andreas Blümke, Günther Ellenberg, Jürgen Eggers, Rainer Bodem, 1. Vorsitzender Horst Scheller; untere Reihe: Jürgen Meyer, Harry Mayer, Hans-Hinrich Harms, Wolfgang Erbuth, Peter Müller, Helmut Gottfried, Volker Ehrenberg, Ottfried Jahnke.

Bienenbüttels Kapitän Volker Ehrenberg: Erst Tor, dann Rote Karte

Zum ganz großen Wurf hatte es für den Favoritenschreck aus der Provinz nicht gereicht. Die Bienenbütteler Finaltreffer erzielten Kapitän Volker Ehrenberg, der nach 76 Minuten nach einer Tätlichkeit vom Platz flog, und Werner Niemann, der die Kapitänsbinde übernahm. „Nach dem Sieg wurden einige Stiefel Auerbacher getrunken! Es war ein sehr großer Zusammenhalt“, berichtet der damalige Bienenbütteler Spieler Andreas Blümke, der mit 19 Jahren zu den jungen Wilden zählte. Oldies und Antreiber waren Jürgen Meyer, Werner Niemann und Volker Ehrenberg. Trainiert wurde der TSV von Bernd Ehlers. Es war der einzige Bienenbütteler Pokalsieg.

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