Fußballkreis Uelzen rührt vor Vereinsvertretern die Werbetrommel für Fusion mit Lüneburg und Lüchow-Dannenberg

„Dann kommt an uns keiner mehr vorbei“

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2017 könnte der verbindliche Beschluss zur Fusion der drei Fußballkreise Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg fallen.

Uelzen/Landkreis. Die Europameisterschaft in Frankreich läuft, Fußball-Begeisterung herrscht in Deutschland. Doch an der Basis bröckelt es. Auch im Fußballkreis Uelzen. Immer weniger Einwohner, immer weniger Kicker.

Schon jetzt gibt es Alters- und Spielklassen, die Uelzen allein mit Mannschaften nicht mehr so bestücken kann, dass ein vernünftiger Spielbetrieb möglich ist.

Im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg ist die Situation noch dramatischer. Selbst Lüneburg klagt auf einem immerhin noch hohen Niveau. Aber auch dort ertönte in den letzten Jahren für jedes achte Team der endgültige Abpfiff.

„Wenn wir jetzt selbst nichts verändern, dann werden wir verändert“ - diese Botschaft hatte Fußballkreisvorsitzender Gerd Lüdtke (Union Bevensen) am Sonnabend für die Vertreter aus allen Uelzener Klubs mitgebracht, die zu einer Infoveranstaltung in das Vereinsheim der SV Teutonia eingeladen waren. Einziger Tagesordnungspunkt: ein Zwischenbericht zur geplanten Fusion zwischen Uelzen, Lüneburg und Lüchow-Dannenberg zu einem großen Fußballkreis.

Gerd Lüdtke

Beschlossen ist noch nichts. Entscheiden werden letztlich die drei Fußballkreise für sich. „Wir haben noch nicht fusioniert, wir wollen heute informieren“, betonte der Kreisspielausschussvorsitzende Hartmut Jäkel (TuS Ebstorf). Denn noch ist es Zeit, die Zukunft des Fußballs in Nordostniedersachsen nach eigenen Vorstellungen auszugestalten und freiwillig neu zu strukturieren. Beim schon ungeduldig gewordenen Landesverband in Barsinghausen pfeifen es die Spatzen nämlich längst von den Dächern, dass ansonsten in ein paar Jahren ein Zusammenschluss von oben übergestülpt werden würde. Doch erst im Vorjahr ist eine Kooperation zwischen Uelzen und Lüchow-Dannenberg gescheitert, als die Vereine des östlichen Nachbarn mehrheitlich ablehnten und Uelzen erst gar nicht zur Abstimmung kam. Nun geht es um die große, um die Dreierlösung.

Weite Auswärtsfahrten, steigende Kosten und schrumpfende Zuschauerzahlen waren am Sonnabend die meistgenannten Bedenken und Befürchtungen der Vereinsvertreter an eine fusionierte Fußballregion. Das war bei zwei in Lüneburg bereits erfolgten Infoveranstaltungen nicht anders. Die Lüchow-Dannenberger Vereine wurden ebenfalls am Sonnabend im Anschluss an die Uelzener Zusammenkunft auf den Stand der Dinge gebracht.

Jörg Beismann vom Landessportbund, der die Fusionspläne als unabhängiger Experte moderierend begleitet, sammelte in Uelzen die Stimmen der Delegierten: „Ihr seid alle wichtig. Wir brauchen euch“, hielt er den Befürchtungen entgegen, dass kleine Vereine bei einer Fusion benachteiligt werden könnten – Beismann warb für „Gespräche auf Augenhöhe“.

Das Argument der weiten Anfahrten zu Auswärtsspielen entkräftete Hartmut Jäkel: Für fast alle Vereine würden die Touren sogar kürzer werden. Nämlich dann, falls ein Spielbetriebs-Modell umgesetzt wird, in dem die Mannschaften in den neuen jeweils dreizügigen Leistungsklassen B bis D nach regionalen Gesichtspunkten über die politischen Kreisgrenzen hinweg eingeteilt werden. Gekniffen seien höchstens mal die Klubs an den äußersten Enden der Kreise, wie etwa der TuS Bodenteich oder TSV Lüder.

Anders sähe es in der Leistungsklasse A aus. Laut dem Modell spielen die drei bestehenden Kreisligen nach einer Qualifizierungssaison 2018/19 mit 18 Teams (je sieben aus Uelzen und Lüneburg sowie vier aus Lüchow-Dannenberg) anschließend mit 16 Mannschaften in einem kreisübergreifenden Regelbetrieb. De facto ist dies die vor Jahren abgeschaffte Bezirksklasse, über der weiterhin die Bezirksliga-Staffel 1 thronen würde. Ein vergleichbares Modell schlug Jäkel für den Spielbetrieb bei den Junioren vor, wobei die U7 bis U11 weiterhin in den regionalen Kreisen aktiv sein würden.

Der Ball liegt nunmehr bei den Vereinen. Auf der Arbeitstagung am 9. Juli in Ebstorf erhofft sich der Kreisverband das Mandat, die Gespräche in Richtung Fusion weiterzuführen. Erhält der Vorstand diesen Auftrag nicht, ist Uelzen raus aus dem Boot. In Lüneburg wird bereits übermorgen darüber abgestimmt, ob der Kreis fortfahren soll; in Lüchow-Dannenberg wird am 8. Juli entschieden.

Von Bernd Klingebiel

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