Aufatmen nach monatelangem Lockdown:

Corona-Lockerungen: Outdoor-Training mit 30 Aktiven im Uelzener Fußball und Mannschaftssport möglich

Zwei Juniorenfußballer im Zweikampf um den Ball
+
Vorsichtige Schritte in Richtung Normalität auch im Amateursport: Der künftige U18-Landesligist SV Holdenstedt (links Armaan Dokhani) will mit dem Re-Start aber „definitiv noch abwarten“, sagt Trainer Andreas Ebermann.
  • Arek Marud
    vonArek Marud
    schließen
  • Bernd Klingebiel
    Bernd Klingebiel
    schließen

„Draußen ist sicherer als drinnen“ – dieser Grundsatz im Kampf gegen die Pandemie gilt auch im Sport. In Niedersachsen sollen ab Montag, 10. Mai, für Kreise und kreisfreie Städte mit einer stabilen Corona-Inzidenz von unter 100, wie in Uelzen, gelockerte Regeln gelten. Sogar Fußballspiele wären dann wieder möglich. Uelzener Fußballtrainer reagieren abwartend, sind aber optimistisch.

Uelzen/Landkreis – Vor allem die Nachwuchs-Teamsportler atmen auf. „Kinder und Jugendliche brauchen auch den Mannschaftssport. Noch dringender als Erwachsene“, ist die Landesregierung überzeugt.

Deshalb will sie ab Montag draußen auch Kontaktsport mit maximal 30 Aktiven im Alter bis zu 18 Jahren ermöglichen – damit sind sogar Fußballspiele zweier Mannschaften gegeneinander wieder gestattet. Betreuerinnen und Betreuer benötigen negative Testnachweise.

Uelzens Kreissportbund-Vorsitzender Mario Miklis teilt diese Meinung: „Das ist schon ein gewaltiger Sprung in die richtige Richtung. Die Jugend musste so viele Abstriche machen und hatte große Nachteile. Wenn du den Teamgedanken verlierst und permanent an der Konsole oder am Handy sitzt, verlierst du die Verbindung zum Sportverein.“

Mannschaftssport für Erwachsene: Erwachsene: Getestet und kontaktfrei

Begründet wird die geplante Lockerung damit, dass Kinder für den Schulbesuch ohnehin mindestens zweimal wöchentlich auf das Coronavirus getestet werden. Im Uelzener Herzog-Ernst-Gymnasium gilt in den nächsten drei Wochen sogar die Empfehlung auf eine zusätzliche, freiwillige tägliche Testung der Schüler.

Erwachsene können laut dem niedersächsischen Stufenplan ab sofort kontaktfrei draußen zusammen Sport treiben. Sie müssen dabei aber mindestens zwei Meter Abstand voneinander in alle Richtungen halten sowie allesamt negativ getestet, geimpft oder genesen sein.

„Verantwortungsvoll mit der Situation umgehen“

Zurückhaltend, verantwortungsbewusst und optimistisch gestimmt reagieren Fußballtrainer Uelzener Nachwuchsmannschaften auf die ab dem kommenden Montag geplanten Lockerungen. Andreas Ebermann, Coach des U17-Landesligisten SV Holdenstedt: „Wir werden definitiv nächste Woche noch abwarten, denn der Verein muss das erst einmal durchdenken. Wir haben so viele Jugendmannschaften, da können wir nicht einfach wie vor dem Lockdown das Training wieder starten.“

Stefan Laakmann aus dem Trainerteam des U16-Landesligisten JSG Aue Wrestedt will ebenfalls nichts überstürzen: „Voraussichtlich beginnen wir an Himmelfahrt. Wir arbeiten aktuell einen Plan aus, wie und mit welcher Intensität wir starten werden. Uns ist klar, dass die Jungs heiß sind. Dennoch werden wir verantwortungsvoll mit der Situation umgehen, sowohl was die Belastung nach einer so langen Pause angeht als auch das Infektionsgeschehen.“

Teutonia Uelzens U17-Bezirksliga-Kicker wagen sich bereits am morgigen Freitag mit leichtem, coronakonformem Training aus dem Lockdown. Coach Axel Feige: „Im Vordergrund steht eher das lang erhoffte Wiedersehen. Danach werden wir uns nach und nach steigern.“ Die lange Vorbereitungszeit sei seinem bis zum Saisonabbruch erfolgreichen Team „schon in 2020 zugutegekommen“. Feige: „Die Planung kann natürlich erst erfolgen, wenn der Regelbetrieb wieder startet. Wie schnell der zu Ende gehen kann, haben wir schmerzlich im Herbst erfahren.“

Die Holdenstedter möchten den Ball flach halten. Ebermann: „Training ja, wenn möglich – mehr nicht! Sich einfach als Gruppe mal wieder sehen und ein bisschen kicken, das reicht völlig. Die Gesundheit aller ist uns wichtiger als Fußball.“ Diese Erfahrung habe er auch in seinen Funktionen als Trainer in den Fußballschulen von Hannover 96 und des VfL Wolfsburg gewonnen, in denen er durchgehend seit Januar unter Corona-Bestimmungen im Einzel- und Kleingruppentraining den Ball laufen lassen konnte. „Die Kinder wollen einfach nur Spaß haben.“ An Freundschaftsspiele sei bei den Lila-Weißen trotz der neuen Möglichkeiten in absehbarer Zeit nicht zu denken. Ebermann: „Die Saison ist gelaufen. Warum sollten wir jetzt schon gleich wieder voll durchstarten?“

Doch auch hier hofft Miklis auf weitere Lockerungen. „Ich kann verstehen, dass man nicht alles auf einmal macht. Dennoch muss auch eine Perspektive für Erwachsene da sein.“ Miklis plädiert dafür, dass sich die älteren Sportler am Tag des Trainings oder unmittelbar davor testen lassen, um ebenfalls Kontaktsport ausüben zu dürfen.

Im Innenbereich gelten die gleichen Kontaktbeschränkungen, die auch sonst bei privaten Treffen gelten: ein Haushalt plus zwei Personen eines anderen Haushalts. Neu ist nun, dass Erwachsene ebenso sowie Trainer oder Betreuer beim Sport im Innenbereich negativ getestet, genesen oder geimpft sein müssen.

Sobald die Inzidenz die 100er-Marke wieder übersteigt, greift die Bundes-Notbremse. Dann ist Sport grundsätzlich nur allein, zu zweit oder mit Personen des eigenen Haushalts erlaubt.

Für die Uelzener Sportvereine, die im Vorjahr mehr als vier Prozent ihrer Mitglieder verloren haben, wäre eine dauerhafte Inzidenz jenseits der 100 ein herber Rückschlag, hofft Miklis auf niedrige Inzidenzzahlen. „Das ist überlebenswichtig. Ein Verein besteht aus einer Gemeinschaft.“

Der KSB-Vorsitzende setzt darauf, dass mit der Rückkehr der ersten Outdoor-Sportangebote bisher vereinslose Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 14 Jahren schon bald in die Sportvereine eintreten. Diese Gruppe machte rund zwei Prozent des Mitgliederschwundes im Vorjahr aus. Bei den Älteren werde es schwieriger. „Da wage ich keine Prognose. Ich befürchte aber, dass sie nicht in dem Maße zurückkehren, wie sie zuvor ausgetreten sind.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare