Saisonfortsetzung oder Abbruch?

Corona-Lockdown im Uelzener Fußball: Anlauffrist bis Ostern

Fußballtor auf einer blühenden Wiese
+
Der B-Platz des SC Weste wird schon seit Jahren nicht mehr genutzt, Gras wächst drüber. Doch auch überall anders ruht seit Anfang November der Trainings- und Spielbetrieb. Wann es wieder losgeht, ist weiterhin ungewiss.
  • Bernd Klingebiel
    vonBernd Klingebiel
    schließen

Der Abbruch der Fußballsaison 2020/21 ist wieder ein Stück nähergerückt. Nach den neuesten Beratungen von Bund und Ländern muss der Amateur- und Breitensport bis mindestens 7. März im harten Corona-Lockdown verharren.

Uelzen/Landkreis – Wann es danach zurück auf den Platz geht, ist weiterhin nicht abzusehen. „Es wird eng. Sehr eng“, sagt der Spielausschussvorsitzende des Fußballbezirkes Lüneburg, Jürgen Stebani. Und setzt erstmals eine Frist.

„Sehr grob gesagt: Ostern!“ Falls der Fußball in den Amateurligen also bis Anfang April immer noch nicht rollt, dürfte der Verband um einen Saisonabbruch nicht herumkommen, befürchtet Stebani. Gewertet werden soll dann nach der Quotientenregelung, die Teams sortieren sich nach ihren pro Spiel verbuchten Punkten in der Tabelle ein. Erklärtes Ziel sei jedoch die sportliche Wertung. Stebani: „Bei denen, die auf Abbruch oder Annullierung drängen, muss man doch nur auf den Tabellenstand schauen.“

Uelzens Fußball unter Druck: „Es schiebt sich alles zusammen“


Allerdings wird die Zeit für eine Fortsetzung der seit dem November ausgesetzten Spielzeit immer knapper. Trainings- und Wettkampfbetrieb ruhen mindestens bis Mitte, vielleicht Ende März. „Es schiebt sich alles zusammen und bleibt schwierig“, sagt Stebani. Nach den Konferenz-Beschlüssen herrsche „keine Klarheit“, bedauert der Melbecker Funktionär und Staffelleiter.

„Wir können im Moment nur weiter abwarten und erst reagieren, wenn wir wissen, wann es weitergeht“, bestätigt der kommissarische Vorsitzende des Fußballkreises Heide-Wendland, Hartmut Jäkel (Ebstorf).

Die Lage bleibt vage, der Stillstand im Sport wahrscheinlich auch noch nach Ablauf des erneut verlängerten Lockdowns bestehen. Weitere Öffnungsschritte nach dem 7. März sollen dem Beschluss vom Mittwoch zufolge jedenfalls erst bei einer Inzidenz von höchstens 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb einer Woche erfolgen. Für den Sport und andere Bereiche werde eine Arbeitsgruppe die weiteren Schritte bei möglichen Lockerungen der Kontaktbeschränkungen erarbeiten. Damit sollen „Planungsperspektiven“ geschaffen werden, heißt es.

Englische Wochen im Amateurbereich würden meist bedeuten, mittwochabends sieben gegen sieben.

Sascha Hartig, Trainer des SVG Oetzen/Stöcken

Zusätzlich kommt für die Fußballer zeitlich dann noch eine Vorbereitungsphase oben drauf. Die ist nach Ansicht vieler Kicker und Trainer mit nur zwei Wochen vom Verband viel zu kurz bemessen. Nicht verhandelbar, sagt Stebani: „Aus dieser Nummer kommen wir nicht heraus.“

Uelzener Fußballtrainer sind geteilter Meinung

Bei den Fußballern schwindet entsprechend die Hoffnung auf ein zumindest ansatzweise geordnetes Saisonende. Sascha Hartig, Trainer des Tabellensiebten der 1. Kreisklasse Süd, SVG Oetzen/Stöcken: „Wie soll die Fortsetzung im Herrenbereich aussehen? Englische Wochen im Amateurbereich würden meist bedeuten, mittwochabends sieben gegen sieben.“ Der SVG-Coach: „Ich hoffe einfach, dass man im Juli mit einer Vorbereitung für eine neue Saison starten kann und es dann am ersten August-Wochenende mit den Pokalspielen losgeht.“

Carsten Behnke wünscht sich weiterhin, dass die Hängepartie rechtzeitig in dieser Saison endet. Der Trainer des Tabellendritten der 1. Kreisklasse Süd, SC Kirch-/Westerweyhe: „Der Fußball fehlt einem schon. Die Gemeinschaft, der Wettkampf und auch die Bewegung im Allgemeinen. Ich bin immer noch für eine sportliche Lösung. Nur eine Hinrunde mit folgenden Auf- und Abstiegs-Play-offs, damit nicht alles umsonst war.“

Olaf Bode trainiert den Rangneunten der 2. Kreisklasse Süd, SV Ostedt. Er plädiert auf Saisonabbruch und Annullierung, weil man überhaupt gar nicht wisse, wann und ob die Mannschaften wegen der Pandemie und auch der Schneefälle überhaupt werden wieder starten können. Bode: „Ich bin wirklich davon überzeugt, dass die 14-tägige Vorbereitungszeit für Amateurspieler viel zu wenig ist.“ Nach dieser langen Pause „ist das Verletzungsrisiko aus meiner Sicht extrem hoch“. Der SVO-Trainer: „Den ganzen Konditions- und Muskulaturaufbau, die ganzen fußballerischen Grundlagen wiederherzustellen, ist für mich sehr grenzwertig.“

„Im Jugendfußball schlimmere Folgen“

Oetzens Coach Sascha Hartig stellt sich zudem „die moralische Frage, ob wir jammern dürfen, wenn man sich die wirtschaftlichen Folgen für die kleinen Betriebe anschaut. Aber klar, der Fußball fehlt uns allen!“ Er sieht wegen des anhaltenden Lockdowns vor allem ein Riesenproblem im Fußball-Jugendbereich. Hartig: „Da fehlt ein gesamtes Jahr Entwicklung mit Kreisauswahl, Stützpunkt und Vereinsleben. Hier finde ich die Folgen schlimmer als im Herrenbereich!“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare