Kreissportbund Uelzen veröffentlicht Mitgliederstatistik aus 2020

Corona-Jahr 2020: Uelzener Sportvereine verlieren 1383 Mitglieder

Turnerinnen machen auf dem Rasen einen Handstand.
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Beunruhigende Zahlen in einer verkehrten Sportwelt: Die Uelzener Sportvereine (hier die TVU-Gerätturnerinnen) haben im abgelaufenen Jahr aufgrund von Corona 4,21 Prozent ihrer Mitglieder verloren.
  • Arek Marud
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Corona und die Folgen: Uelzens Sportvereine verlieren 2020 laut einer Bestandserhebung des Kreissportbundes Uelzen 4,21 Prozent ihrer Mitglieder. das sind 1383 Mitglieder. 

Uelzen/Landkreis – 1383 Sportler haben Uelzens Sportvereine im Vorjahr verloren, wie aus der vom Kreissportbund Uelzen veröffentlichten Statistik hervorgeht. Der Mitgliederschwund von 4,21 Prozent liegt leicht über dem niedersächasischen Landestrend (3,7 Prozent). „Das ist nicht schön, aber aufgrund der Situation zu akzeptieren. Meine Befürchtung waren fünf Prozent“, erklärt Mario Miklis, Vorsitzender des KSB Uelzen.

Die Zahl der Gesamtmitglieder sank von 32 807 (2019) auf 31 424 (2020). Ein signifikanter Rückgang ist bei Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 14 Jahren zu beobachten. In der M/W 6 lag er bei 23,5 Prozent, darüber bei 7,5 Prozent. Allein hier büßten die Vereine zwei Prozent ein. Ins Kontor schlagen fehlende Neumitgliedschaften. Miklis macht Mut: „Sie wären eingetreten, wenn es Sportangebote gegeben hätte. Es ist ein Versatz. Die Kinder werden später dazustoßen.“ Anders sehe es bei den übrigen zwei Prozent älterer Bevölkerungsschichten aus. „Es wird unwahrscheinlich schwer, sie zurückzuholen“, glaubt Miklis.

Neue Verluste drohen auch 2021

Ohne Corona wäre das Minus geringer ausgefallen, verweist der KSB-Vorsitzende auf den Trend der vergangenen drei Jahre, wo das Tal erreicht worden sei (200 bis 600 Austritte jährlich). Miklis: „Das wäre auch 2020 in die Richtung gelaufen. Die 4,2 Prozent sind ausschließlich wegen Corona entstanden.“

Aufgrund des Lockdowns drohen auch 2021 Verluste. Vieles hängt davon ab, wann Vereinssport im Freien erlaubt wird. Sollte es im September losgehen, geht Miklis von weiteren vier Prozent Minus aus. „Wir hatten gehofft, dass wir jetzt in der wärmeren Zeit draußen, zumindest kontaktfrei, starten können. Viele sind bereit, sich testen zu lassen, um Sport zu machen. Zum Sport gehört die Gemeinschaft. Die Parole ist deshalb: durchhalten und Konzepte entwickeln, wie man neue und alte Mitglieder in die Vereine bekommt. Das ist eine Herkulesaufgabe.“

Sportvereine: Appell an Politik

Der KSB und die größten Uelzener Vereine wollen zur nächsten Online-Sitzung hochrangige Uelzener Politiker einladen. Das war der einhellige Tenor der jüngsten virtuellen Sitzung zwischen dem KSB und den Sportvereinen mit über 1000 Mitgliedern (TV Uelzen, Post SV Uelzen, MTV Bad Bevensen, SV Holdenstedt, TuS Ebstorf, VfL Suderburg, TSV Bienenbüttel). „Unsere Forderung ist, dass wir draußen die Sportplätze nutzen können. Auch wenn es kontaktlos ist und mit Testung“, appelliert Miklis an die Politik.

Kirch-/Westerw. mit massiven Verlusten / RuF Bodenteich im Aufwind

Die meisten Sportler der mitgliederstärksten 50 Uelzener Sportvereine hat der SC Kirch-/Westerweyhe verloren. Der SCK verzeichnet laut KSB-Bestandserhebung ein Minus von 15 Prozent. Die Mitgliederzahl sank von 777 auf 662. Auch TuS Wieren (-10,5%) und die Sportjongleure (-11%) büßten in den Top 50 zweistellig ein. Den größten Aderlass bei Vereinen über 1000 Mitglieder verzeichnet der MTV Bad Bevensen mit -11,7 Prozent, gefolgt vom TSV Bienenbüttel (-7,7), dem Post SV Uelzen (-7,2) und TV Uelzen (-6,2).

Es gibt aber auch (wenige) erfreuliche Zahlen: Der SV Holdenstedt, Nummer fünf des kreisweiten Gesamtmitglieder-Rankings, erhöhte seine Mitgliederzahl von 1132 auf 1143 (+1,0 Prozent). Er ist einer von nur zwei Vereinen aus den Top 20, die ein Plus verzeichneten. Dazu gehört auch der SV Rosche (+1,3 Prozent).

Den größten Zuwachs in den Top 50 verbucht der Reit- und Fahrverein Bodenteich mit einem Plus von 8,9 Prozent. Das sind 18 Mitglieder mehr als 2019 (202/220).

Bei den kleineren Vereinen entwickelt sich das Herakliden-Team prächtig. 62 statt der zuletzt 30 Mitglieder bedeuten einen Zuwachs von 106,7 Prozent. Die Nummer eins im Kreis ist aber der Dartclub Flying Barum mit 113,3 Prozent. Ein Zuwachs von 17 auf 32 Gesamtmitglieder.

Einen unerwarteten Rückschlag gibt es für die Turner. Sie verloren 393 Mitglieder und nicht, wie kürzlich in der AZ vermeldet, lediglich 14. Der Fachverband (jetzt 8581 Mitglieder) hatte irrtümlich falsche Zahlen präsentiert. Beim Übertragen der Dateien habe sich ein Fehler eingeschlichen, gestand die Turnkreisvorsitzende Gudrun Garbe-Köhnecke ein. „Sehr schade, aber trotz allem liegen wir noch in ,der besseren Hälfte’ in Niedersachsen. Die großen städtischen Vereine, z. B. aus Hannover oder Oldenburg, haben sehr viel mehr zu kämpfen. Das macht Hoffnung! Immer noch“, sagt Garbe-Köhnecke.

Die Fußballer schrumpfen um 343 Mitglieder auf 8610 Kicker. Daran ist nicht nur Corona schuld, findet der KSB-Vorsitzende Mario Miklis, der darin einen „allgemeinen Trend der vergangenen Jahre“ sieht. am

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