Rainer Zobel verknüpft sein persönliches Traumtor eng mit einem kecken Interview im ZDF-Sportstudio

„Cäsar wird schon tot gewesen sein“

Eines von insgesamt 23 Bundesliga-Toren von Rainer Zobel (rechts): Der gebürtige Wrestedter überwindet Eintracht Frankfurts Schlussmann Dr. Peter Kunter und erzielt am 32. Spieltag der Saison 71/72 beim 6:3-Heimsieg der Bayern den Treffer zum 1:0. Fotos: imago

Sie landen als Schlenzer im Winkel, werden über den Schlussmann gelupft oder donnern als Direktabnahme ins Netz: Traumtore.

An allen Spieltagen auf Uelzener Sportplätzen fallen sie, doch jeder Fußballer hat in seiner Karriere sein ganz persönliches Exemplar – ob extrem schön, extrem wichtig oder extrem kurios. In dieser AZ-Serie verraten sie es. Heute: Rainer Zobel.

Von Bernd Klingebiel

Uelzen/Braunschweig. Acht Jahre lang spielte er in 1. Liga für Hannover 96 und den FC Bayern München auf höchstem Niveau. Rainer Zobel absolvierte 244 Partien im Oberhaus des Fußballs und traf dabei 23 Mal voll ins Schwarze. Sein erstes Liga-Tor für Hannover gelingt ihm am 30. Oktober 1968 bei der 1:2-Niederlage bei Hertha BSC. Ungezählt aber sind Zobels Treffer aus seiner sportlichen Jugendzeit beim TSV Wrestedt/Stederdorf, bei Sportclub und Teutonia Uelzen. Ein Tor ist dem heute 64-jährigen gebürtigen Wrestedter unvergessen – vor allem wegen eines Interviews 17 Jahre später.

14. September 1974. Im Münchener Olympiastadion sehen 36 000 Zuschauer das Bundesliga-Duell des FCB gegen den 1. FC Köln. Dieter Müller bringt die Gäste in einer erregenden Partie schon nach wenigen Sekunden gegen Keeper Sepp Maier in Führung. Zehn Minuten später hat Zobel seinen Auftritt. „Ich war ja nicht dafür bekannt, aus der Distanz zu treffen“, erklärt der Uelzener. Diesmal aber fasst er sich ein Herz. Wie ein Strich zischt die Kugel aus 28 Metern Entfernung vorbei an FC-Schlussmann Harald „Toni“ Schumacher vorbei ins obere rechte Dreieck. Eine Granate! Die Bayern geraten anschließend sogar mit 1:3 in Rückstand, doch Klaus Wunder, Franz Beckenbauer, Jupp Kapellmann, Gerd Müller und Karl-Heinz Rummenige drehen das Ergebnis zum 6:3-Endstand.

Als Zobel 1991 die Stuttgarter Kickers als Trainer im dritten Relegationsspiel mit einem 3:1-Sieg über den FC St. Pauli in die 1. Liga führt, ist er nur wenige Stunden später zu Gast im ZDF-Sportstudio. Kein leichter Gang für das Feierbiest, denn bereits auf der Rückfahrt aus dem Stadion „wackelte der Mannschaftsbus“, erinnert sich Zobel noch heute. Moderator Günther Jauch kramt vor dem Live-Publikum im Sportstudio und an den Fernsehgeräten im Archiv. Er präsentiert dem Wrestedter das 17 Jahre alte Traumtor. Zobel kann sich aber nicht mehr so ganz dran erinnern, hat nur den Aufstieg im Kopf. „Sie haben doch Geld dafür gekriegt“, hakt Jauch nach. „Das habe ich aber nicht mehr“, kontert der beschwingte Zobel. Auch wann er dieses Tor erzielt hatte, will ihm partout nicht einfallen. „Cäsar wird schon tot gewesen sein“, antwortet er dem Moderator keck. Zobel denkt gern an das legendäre Interview zurück: „Das ganze Publikum im Sportstudio stand auf meiner Seite. Jauch allerdings nicht mehr.“

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