„Getting Tough“: Uelzener Clemens Simon übersteht Extrem-Hindernislauf

Bloß nicht aufgeben!

Geschafft! Nach 3:27 Stunden überquert Clemens Simon als 232. der Gesamtwertung die Ziellinie.

kl Rudolstadt/Uelzen. Je schwerer die Bedingungen, desto größer die Herausforderung: „Getting Tough – The Race“ hat mehr als 750 Extrem-Hindernisläufer in das thüringische Rudolstadt gelockt. Unter denen, die ihre Leidensfähigkeit bewiesen, war auch der Uelzener Clemens Simon.

Im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern genossen es die Extremläufer, dass gerade rechtzeitig die Temperaturen unter den Gefrierpunkt gesunken waren. So war denn auch das Ziel des Veranstalters, dass mindestens die Hälfte der Teilnehmer auf der Strecke schlappmacht. Er liefert sich mit dem Organisator der „Braveheartbattle“ einen Wettstreit darum, wer das härteste Rennen Deutschlands austrägt.

Diese noch sehr junge Sportart umgibt ein besonderer Geist von Gemeinschaft, Respekt und gegenseitiger Hilfe. Aber so hart es auch ist, so humorvoll nehmen viele Akteure die Sache: Viele gehen mit Tarnschminke im Gesicht ins Rennen, manche tragen Perücken. Vor dem Startschuss wird gebetet. Im Anschluss spielen die Veranstalter Ennio Morricones Mundharmonika-Motiv aus „Spiel mir das Lied vom Tod“. Simon: „Bunte Nebelkerzen in Schwarz-Rot-Gold geben der Startszene dann etwas Surreales.“ Der Uelzener: „Für die große Mehrheit der Läufer ist es nicht wichtig, in welcher Zeit und mit welcher Platzierung sie ins Ziel kommen, sondern das besondere Erlebnis und der Stolz nicht aufgegeben zu haben.“

Direkt nach dem Start war die Gemeinschaft bereits das erste Mal gefordert: Nach einem langen Kriech-Hindernis ging es in einen etwa 2,20 Meter tiefen Wassergraben, der zur Hälfte gefüllt und so steil war, dass niemand allein wieder herauskam. In Windeseile sorgten viele Hände durch Schieben und Ziehen dafür, dass das ganze Feld zwar durchnässt aber ohne Verluste auf die 22 Kilometer lange Strecke ging. Auf dieser galt es, 870 Höhenmeter bis zur Schneegrenze zu überwinden – teilweise mit Autoreifen im Gepäck. Der Uelzener: „Auf den letzten 2000 Metern, als die Oberschenkel brannten, warteten das Freibad, eine ehemalige NVA-Sturmbahn und die Bleichwiese mit etwa 50 verschiedenen Hindernissen.“

Im Freibad gab es die meisten Ausfälle, als es galt, bei fünf Grad Wassertemperatur unter sechs Holzbalken hindurch zu tauchen. Simon: „Der Schmerz wurde von Balken zu Balken größer, und auch ich hatte einen kurzen Moment Zweifel, ob ich durchkommen würde.“

Zusätzlich hatte die übersäuerte Muskulatur bei dem Kälteschock sofort blockiert, so dass viele Teilnehmer bei den folgenden Kletterhindernissen unter Krämpfen litten. Beim Sprung durchs Feuer wurde ihnen zwar kurzzeitig wieder warm, das legte sich aber sofort beim nächsten Wasserhindernis.

Nach einer Platzrunde mit einem 25 Kilogramm schweren Sandsack ging es zum Finale auf die Bleichwiese. Dort warteten etliche Betonhindernisse zum Durchkriechen, wassergefüllte Baucontainer, Palisaden, Reifenstapel, Autowracks, ein überdimensionales Spinnennetz, ein beladener Holzlaster und sogar drei Panzer. Wer ins Ziel kam, war erschöpft aber glücklich und wurde von zahlreichen Zuschauern gefeiert.

Mit 150 Aussteigern lag die Quote deutlich unter den angestrebten 50 Prozent. Simon: „Das sprach für die Kondition der Läufer, verleitete den Veranstalter aber zu der ,Drohung’, beim nächsten Mal den Schwierigkeitsgrad weiter zu erhöhen.“

Während der Sieger mit 15 Minuten Vorsprung und einer Zeit von 1:51 Stunden förmlich über den Parcours geflogen war, benötigte Clemens Simon 3:27 Stunden und belegte mit Rang 232 eine Platzierung im ersten Drittel der Konkurrenz.

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