Serie über Uelzener Jubiläumsvereine

Aufmarsch der Hundertjährigen: MTV Gerdau startet mit 13 Männern und vier Kindern

Mannschaftsfoto von Fußballern.
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Viermal stieg Gerdau ins Oberhaus des Fußballkreises Uelzen auf. So wie 1997 (hinten von links): Matthias Brammer, Maik Demlang, Frank Dreyer, Heinrich Kleist, Jörg Brauer, Marc Peukert, Thorsten Meyerhoff, Olaf Placzek, Axel Meyer, Trainer Winfried Lüneborg, Till Denecke; vorne von links: Martin Fisahn, Jörg Rogge, Michael Cassier, Thomas Witt, Andre Placzek, Dirk Manning, Trainer Edwin Gotthardt.
  • Arek Marud
    VonArek Marud
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2020 bis 22 sind die Jahre mit den meisten Jubiläen im Uelzener Sport. 25 Klubs wurden vor 100 Jahren gegründet. 13 Vereine hat die AZ bereits vorgestellt. Diesmal blicken wir auf die Geschichte des MTV Gerdau zurück.

Gerdau – Das Heidegelände zwischen Bohlsen und Gerdau ist der erste Turnplatz, Erwachsene zahlen drei Mark und Zöglinge eine Mark Mitgliedsbeitrag: Am 9. September 1921 wird in Wellmanns Gasthaus in Gerdau der „Männer Turnverein Gerdau und Umgebung“ gegründet. 13 Erwachsene und vier Kinder beginnen mit dem Sporttreiben. Ab 1927 ist auch der Frauensport erlaubt. In der neuen Kinderturnabteilung wird aber strikt nach Mädchen und Jungen getrennt.

Das Vereinsleben pulsiert: Feste, Feiern, Familien- und Theaterabende, Himmelfahrtswanderungen. Sogar während des Krieges gibt es vereinzelte Sportaktivitäten.

Im April 1946 gibt’s den Restart mit 50 Neuaufnahmen. Als Bedingung wird eine aktive Teilnahme am Vereinsleben gestellt. Der MTV wächst, neue Sparten kommen dazu: Leichtathletik, Geräteturnen, Kinderturnen, Handball, Faustball, Tischtennis, Volkstanz, Mädchenturnen. Nach und nach wird das Vereinsleben in den Alltag der einzelnen Familien integriert. Das erste Sportfest findet nach dem Krieg am 24. August 1947 statt. 1947/48 wird sogar ein Sportplatz gebaut.

Zweijähriger Stillstand beim MTV Gerdau

Doch dann der Bruch. Aufgrund schwindender Mitgliederzahlen lässt der MTV Gerdau von 1951 bis 1953 seine Tätigkeit ruhen. Erst eine Unterschriftenaktion und der Eintritt vieler Turner beenden 1953 den Stillstand.

Gerdau legt wieder los. Zunächst aber nur mit Geräteturnen und Leichtathletik. 1953 wird eine Frauenriege eingeführt, da bis dahin wieder nur die Männer die Turnerlaubnis besitzen.

Vollkommen ungewöhnlich für die damalige Zeit: Während vielerorts schon vor dem Krieg Fußball gespielt wird, gründet sich in Gerdau erst 1957 eine Fußballabteilung, die bis heute eine große Tradition besitzt. Gerdau steigt mehrfach in das Oberhaus des Fußballkreises Uelzen auf (1966, 1978, 1997, 1999). Seit 2003 spielt die 1. Herren unterhalb der Kreisliga bzw. 1. Kreisklasse.

Video-Clip ermöglicht Vereinsheim-Neubau in Gerdau

1999 gewinnen acht Fußballer (Fabian Nicolaus, Frank Tessmann, Olaf Platzek, Wolfgang Sperling, Till Denecke, Jürgen Meinecke, Ralf Würker, Patrick Wöhling) bei Sat. 1 – Regional mit einem Video-Clip über den maroden Sportplatz einen Sponsoringvertrag von Toto-Lotto in Höhe von 25 000 Mark und ermöglichen den Neubau eines Vereinsheimes. Ein Meilenstein für den Erhalt der Fußballabteilung im MTV.

Auch bei den Schiedsrichtern machen sich einige einen überregionalen Namen. Am bekanntesten dürfte Gerd (Piefke) Boe sein, der Spiele bis zur Fußballbundesliga leitet und international dabei ist. 1986 wird er für die Leitung von 1500 Spielen geehrt. Ihm folgt 1989 Helmut Böttger mit 1000 geleiteten Spielen. Außerdem ist er Mitbegründer der Fußballabteilung und jahrzehntelang in verschiedenen Funktionen im Ehrenamt tätig.

Es dauert einige Jahre, bis weitere Sparten dazukommen. Tischtennis 1972, Leichtathletik 1977, Basketball 1978 und Volleyball 2000. 1975 beginnt der Bau eines Dorfgemeinschaftshauses, das eine Turnhalle enthält.

MTV Gerdaus Basketballerinnen sorgen für Furore

Seit 1988 sind Gerdaus Sportler auf einem neuen Sportplatz aktiv. In unmittelbarer Nähe zum Dorfgemeinschaftshaus stehen eine Laufbahn und eine Sprung- bzw. Wurfanlage zur Verfügung. Damit gewinnt der Stellenwert des Vereins an Bedeutung. Er entwickelt sich zum festen Bestandteil des Dorflebens. Schnell stellen sich sportliche Erfolge ein. Vor allem die Basketballabteilung floriert. Es gibt vier Mannschaften (U10, U12, U14, Damen). Zwischenzeitlich auch die U16 und U18.

Die Basketballerinnen sind lange das Aushängeschild des MTV Gerdau (stehend von links): Dörthe Wille, Beke Winter, Katharina Lucht, Kathrin Köster, Mareike Kolk, Sirte Brammer, Trainer Job Achilles; kniend: Ilka Meyer, Anne Klipp, Hanna Winter, Saskia Lange.

Die Frauen-Basketballerinnen sind dank Trainer Job Achilles lange das Aushängeschild des Vereins. Sie steigen 1996/96 in die eingleisige Regionalliga Nord auf. Nur knapp verpasst das kleine Gerdau die Sensation und den Zweitligaaufstieg. 2010 muss das Team aber wegen Nachwuchsproblemen und des Weggangs vieler Spielerinnen vom Spielbetrieb abgemeldet werden.

Meilenlauf begeistert

Der Renner unter den Events ist der Gerdauer Meilenlauf, der seit 2003 alle zwei Jahre von der Leichtathletiksparte mit Cheforganisator Holger Marwede durchgeführt wird. „Das ist unsere größte Veranstaltung mit einem großen Publikum“, ist MTV Gerdaus früherer 1. Vorsitzender Egbert Giese froh über dieses Angebot.

Ende 2020 verzeichnete der Verein 538 Mitglieder. „Darauf können wir stolz sein“, meint Giese, der den MTV von 2009 bis 2021 führte. Aktiver Sport wird in fünf Abteilungen angeboten. 151 Sportler gehören dem Turnen an, die anderen Mitglieder verteilen sich auf Fußball, Leichtathletik, Tischtennis und Badminton. eg/am

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