„Alles Mögliche versuchen“

Das Städteduell zwischen Teutonia (rechts Tom Wilhelms) und dem MTV Treubund Lüneburg (Thore Jacobs), so wie hier beim Uelzener Heim-2:3 im letzten Oktober, würde es in der nächsten Saison nicht geben, sollten die Salzstädter mit ihrem Antrag die Mehrheit finden und in die Oberliga aufsteigen können. Foto: B. Klingebiel

Abbruch mit Auf- und ohne Absteiger. Der Umgang mit der ausgesetzten Saison 2019/20 ist vorgezeichnet. Die große Mehrheit der niedersächsischen Fußballvereine unterstützt dieses Modell, das der NFV-Verbandsvorstand als Antrag formuliert hat.

Doch mindestens fünf Klubs wollen ein anderes Ende der Saison, zwei davon kommen aus dem Fußballkreis Heide-Wendland. Sie haben ihrerseits fristgerecht Anträge gestellt, die Folgen für alle haben würden.

Uelzen/Landkreis – Was mit der seit dem 12. März ausgesetzten Saison von der Oberliga abwärts tatsächlich passieren wird, entscheidet sich am Sonnabend, 27. Juni, auf dem außerordentlichen Verbandstag des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV). Dessen Vorstand wird beantragen, die Saison abzubrechen, die Aufsteiger anhand der Quotientenwertung zu ermitteln und auf sportliche Absteiger zu verzichten.

Das gefällt nicht allen Vereinen im Lande. Widerstand formiert sich in Lüneburg. Sowohl der MTV Treubund als auch der FC Dynamo wollen Änderungen an dem Vorstands-Vorschlag. Dazu kommen weitere Anträge vom SSV Kästorf, FC Germania Parsau und VfL Oldenburg. Eines ist ihnen gemein: Sie sind getragen in erster Linie von Eigeninteresse.

MTV Tb: Aufstieg für den Herbstmeister

Der MTV Treubund rangiert mit seiner 1. Herrenmannschaft auf Rang zwei der Landesliga-Tabelle. Das Team verpasst damit den angestrebten Oberligaaufstieg, falls der NFV-Verbandstag den erwarteten Beschluss fassen würde.

So fordern die Salzstädter eine Ergänzung der Aufstiegsregelung: Sollte der nach der Quotientenregelung ermittelte Aufsteiger (Rotenburger SV) nicht identisch sein mit dem Tabellenersten nach der Hinrunde, so steigt auch zusätzlich der Herbstmeister auf – und heißt in dieser Liga: MTV Treubund Lüneburg!

Unter anderem begründet der Verein dies damit, dass bei dem für die Saisonwertung maßgeblichen Beginn der Corona-Pause bereits einige Spieltage der Rückrunde absolviert waren und die Mannschaften dabei jeweils gegen Teams unterschiedlicher Leistungsstärke spielten. Dem gegenüber stelle das Tabellenbild zum Hinrundenende ein faires, sportliches Ergebnis dar, denn jeder habe einmal gegen die anderen gespielt. MTV-Teammanager Manfred Martens stuft die Erfolgsaussichten des Antrages zwar als „sehr gering“ ein, doch er betont: „Die Mannschaft will sehen, dass wir alles Mögliche versuchen.“

Um mehr Fairness geht es auch dem FC Dynamo Lüneburg. Der Kreisklassenklub beantragt, die Saison abzubrechen, sie anschließend aber zu annullieren. Ein Abbruch mit willkürlicher Wertung sei ein „großer rechtlicher Einschnitt“ und „ohne Legitimation der Satzung“, zudem sportlich nicht fair, betont Jens Niemann gegenüber der AZ. Der Dynamo-Vorsitzende: „Gleichbehandlung gibt es nur bei einer Annullierung.“

Weitere Anträge kommen aus anderen Regionen des Fußball-Landes. Vom Oberligisten VfL Oldenburg stammt die Forderung, zusätzlich zu den per Quotient ermittelten Aufsteigern VfV Borussia 06 Hildesheim und Atlas Delmenhorst auch deren Ligarivalen in die 4. Liga hochzulassen, die eine Regionalliga-Lizenz erhalten haben. Das sind der 1. FC Germania Egestorf/Langreder und natürlich der VfL Oldenburg selbst.

Final Four um den Auf- und Abstieg

Auf eigene Interessen schielt auch der Braunschweiger Landesligist SSV Kästorf. Der Verein aus dem Gifhorner Vorort beantragt, die Hinrundentabelle zu werten – dann würde der SSV aufsteigen, der aktuell mit fünf Punkten Rückstand und zwei Spielen weniger hinter dem Spitzenreiter und designierten Oberligisten SVG Göttingen Dritter ist.

Mit dem FC Germania Parsau aus der 1. Kreisklasse grätscht ein weiterer Klub aus dem Landkreis Gifhorn dazwischen. In Final-Four-Turnieren der jeweils ersten und letzten vier Teams einer Liga solle auf neutralen Sportplätzen über die Auf- und Absteiger sportlich entschieden werden, beantragt die Germania.

VON BERND KLINGEBIEL

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