AZ-Serie Aufmarsch der Hundertjährigen

100 Jahre SV Emmendorf: Erst Turnen, nun ganz im Zeichen des Fußballs

Der Mannschaftskapitän nimmt im Kreise seiner Mitspieler Glückwünsche auf dem Spielfeld entgegen.
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Legendärer Aufstieg: Emmendorfs Fußballer (rechts Kapitän Steffen Silbermann) werden 2006/07 Kreisligameister mit 30 Siegen aus 30 Spielen.

1920/21 gründen sich 17 Uelzener Sportvereine. In der AZ-Serie „Aufmarsch der Hundertjährigen“ blicken wir auf Klubhistorien zurück. Beim SV Emmendorf drehte sich lange alles ums Turnen. Doch längst ist Fußball die Nummer eins.

Emmendorf – Im Jahre 1920 wurde der Verein unter dem Vorsitz von Willi Harms gegründet. Schriftführer war Heinrich Niebuhr, als Kassierer fungierte Wilhelm Schröder. Der Verein trug übrigens nicht den Namen SV Emmendorf, sondern hieß TSV Emmendorf. Grund für die Benennung als Turn- und Sportvereinigung war sicherlich die Tatsache, dass der Turnsport zu dieser Zeit im Vordergrund stand.

Schon bald wurde eine Fußballmannschaft unter Walter Haase ins Leben gerufen. Vor dem Zweiten Weltkrieg nahmen drei Herrenmannschaften am Spielbetrieb teil. Die I. Herren in der Bezirksklasse, was zur damaligen Zeit eine herausragende Leistung war. Die Sportstätte war in Walmstorf am Molzer Weg, wo sich heute der Elbe-Seitenkanal befindet.

Drei Stundenlöhne für ein Sportfest

Die herausragenden Ereignisse in den 20er, 30er und den Anfängen der 40er Jahre waren die Sportfeste mit Pokalturnieren und Leichtathletikwettkämpfen. Fast drei Stundenlöhne musste der männliche Zuschauer berappen (1,50 Reichsmark), Damen zahlten 70 Pfennig. Zum Trost zahlte man für sieben Bier nur eine Reichsmark.

In den 30er Jahren übernahm Bernhard Schulz das Amt des 1. Vorsitzenden. Unter dem Vorsitz von Otto Mennerich wurde nach dem Krieg 1949 der Spielbetrieb wieder aufgenommen.

Mannschaftsfoto der 1. Emmendorfer Herren um das Jahr 1940 herum vor einem Fußballspiel gegen den SC Kirch/-Westerweyhe.

Neue Vereinsära

1951 verabschiedete sich der Verein wegen Personalmangels für zwölf (!) Jahre in den Ruhestand und tauchte erst 1963 aus der Versenkung wieder auf. Wolfgang Harms übernahm den Vereinsvorsitz. Der Verein hieß fortan SV Emmendorf. Vorboten für die Wiederaufnahme des Vereinslebens waren die Tischtennisspieler, die 1960 Vorgespräche geführt hatten. Die Initiatoren: Dieter Teschke und Hermann Perau.

Die Neugründung begann mit einem Paukenschlag: Ein Sportfest in Barum wurde dem SVE zum Verhängnis. Alle noch nicht spielberechtigten Spieler wurden zusammengetrommelt, um eine Mannschaft zu haben. Wolfgang Harms wurden daraufhin alle Rechte auf Lebenszeit entzogen, einen Verein zu führen. Die zu zahlende Strafe wurde von Gönnern übernommen.

Topadresse im Uelzener Fußball

1964/65 nahm die 1. Herrenmannschaft in der 2. Kreisklasse Nord am Spielbetrieb teil. Die 2. Herren spielte in einer Reservestaffel. Fußball entwickelte sich zum Aushängeschild. Einzig Tischtennis konnte bis Mitte der 80er Jahre in die Phalanx der Fußballer einbrechen und mit Erfolgen auf Verbandsebene aufwarten (Damen-Team um Gunda Otte, Heike Clasen und Dorit Schulze).

Seit der erneuten Auflösung der Tischtennisabteilung 1987 liegt der Fokus im Mannschaftssport im Grunde bis zum heutigen Tage beim Fußball. Die Emmendorfer zählen seit vielen Jahren zu Uelzens Top-Adressen. Sie stiegen zwischenzeitlich sogar in die Landesliga auf und lösten für kurze Zeit Teutonia Uelzen als Nummer eins ab.

Ohne eine eigene Sporthalle, die insbesondere in der heutigen Zeiten überhaupt nicht mehr zu realisieren ist, wird man auch in Zukunft vermutlich keine weitere Mannschaftssportart anbieten/etablieren können, glauben die Emmendorfer.

Zweites großes Standbein ist wie schon zu Gründungszeiten der Turn- und Gymnastiksport: Hier die Powerdance-Gruppe von 2018/19.

Zweites großes Standbein ist wie schon zu Gründungszeiten der Turn- und Gymnastiksport, der seit vielen Jahrzehnten nahezu ausschließlich von den weiblichen Mitgliedern und Kindern ausgeübt wird. Seit einigen Jahren rückt der Rehasport mehr und mehr in den Fokus.

Das Ende der Volksfeste

Sportfeste prägten über viele Dekaden das Bild – nicht nur in Emmendorf waren diese Veranstaltungen ein Zuschauer- und Teilnehmermagnet. Drei Tage Volksfeststimmung, die mit Auf- und Abbau fast eine ganze Woche dauerten und das halbe Dorf war involviert. Vor allem in den 80ern und frühen 90ern waren die Sportfeste das Highlight. Der demografische Wandel und die allgemeine Einstellung zum Vereinsleben führten dazu, dass diese Art der Veranstaltungsform an Popularität verlor. Auch frühere Selbstläufer wie die gesellige Fahrradtour, der Trimm-Trab oder auch das legendäre Altherrendorffest gehören inzwischen längst der Geschichte an. bs

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