Winokurow löst geteiltes Echo aus

+
Alexander Winokurow nutzt seine zweite Chance.

Lüttich - Alexander Winokurow gewinnt, die Fans pfeifen, die Medien zweifeln, die Fahrerkollegen nehmen es ergeben hin: Die Rückkehr des Kasachen auf die große Radsport-Bühne sorgt für Fraktionsbildung.

Drei Träume hat Alexander Winokurow zuletzt formuliert. Er wollte Lüttich-Bastogne-Lüttich zum zweiten Mal nach 2005 gewinnen. Er möchte seinem Astana-Kapitän Alberto Contador zum Triumph bei der Tour de France verhelfen. Und bei Fans und Medien will er verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen. Den ersten Traum hat sich der Kasache in eindrucksvoller Manier am Sonntag erfüllt. Der zweite Wunsch ist mit diesem Sieg seiner Erfüllung ein Stück näher gerückt. Immerhin gewann Winokurow ein Rennen, das vom Tour-Veranstalter ASO ausgerichtet wird.

Der Zorn, den sein Dopingfall mit anschließender Demission des gesamten Astana- Teams während der Tour 2007 bei den Funktionären ausgelöst hatte, ist inzwischen auf Zimmertemperatur abgekühlt. “Winokurow hat einen Fehler begangen und dafür bezahlt. Auch im normalen Leben wird jedem eine zweite Chance gegeben“, meinte Tour- Direktor Christian Prudhomme. Der Belgier Philippe Gilbert, dem Winokurow mit seiner Attacke den heiß ersehnten Heimsieg verwehrte, schloss sich Prudhomme an. “Er hat seine Strafe abgesessen. Jetzt hat er verdient gewonnen“, sagte Gilbert. Die Aussichten, dass Winokurow auch bei der Tour wohlgelitten sein wird, steigen merklich an.

Zweifel konnte er nicht zerstreuen

Von der Realisierung seines dritten Traumes ist der 36-Jährige am weitesten entfernt. Die Zuschauer pfiffen, als er im Lütticher Vorort Ans auf die Zielgerade einbog. Bei der Pressekonferenz glaubte er, dass sein Sieg allein schon beweise, er könne Rennen sauber gewinnen. Die Zweifel, die sich an seinem hohen Leistungs-Niveau kurz nach der Zwangspause ergaben, konnte er mit der Standard-Antwort “Ich trainiere hart“ aber nicht zerstreuen. Seinen Trainingsaufenthalt in Teneriffa - dort praktiziert der einstige Skandal-Doktor Eufemiano Fuentes - begründete er mit schönen Bergen, gutem Essen und exzellenten Massagen. “Neben mir waren doch 20 bis 25 andere Fahrer auf Teneriffa.

Das ganze Hotel war voll. Sie alle wollten von den Vorteilen profitieren“, erzählte er und konnte partout nicht verstehen, warum man nur ihm diese Fragen stellte. Die größte Verblüffung löste Winokurow mit dem Bekenntnis aus: “Ich wollte meine Rennen immer sauber gewinnen“. Den Widerspruch, den diese Aussage mit seiner Sperre wegen Blutdopings bildet, wollte er nicht auflösen. “Das ist Vergangenheit. Darüber rede ich jetzt nicht“, sagte er.

Das tat er dann einen Tag später in einem vom Astana-Team am Montagabend verbreiteten Brief. “Ich verstehe die Verfolgung gegen meine Person nicht“, beklagte sich Winokurow und fügte hinzu, er habe “nichts zu verbergen“. Seit seinem Comeback habe er mehr als 30 Dopingtests über sich ergehen lassen, “alle negativ“, betonte Winokurow. Er habe alle Anforderungen erfüllt. “Mehr kann ich nicht tun, um meine Ehrlichkeit nachzuweisen“, ergänzte der Radprofi. Aber wenn Winokurow wirklich Vertrauen zurückgewinnen will, muss er die Ereignisse des Juli 2007 aufklären. Ansonsten bleibt sein dritter Traum ein Hirngespinst.

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare