Wimbledon: Petzschner lässt Brands allein - Strafe für Eklat

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“Ich hab mich nicht beeindrucken lassen“, sagte Brands

London - Den deutschen Tennisprofis fehlte in Wimbledon wieder einmal das Quäntchen Glück. Als Einziger kam Debütant Daniel Brands in einem Skandalspiel weiter.

Auf dem Center Court für Philipp Petzschner in seinem größten und wichtigsten Match bei einem Grand-Slam-Turnier gegen den Weltranglistenersten Rafael Nadal - und auf Court eins für Philipp Kohlschreiber, der gegen Andy Roddick den Drittrundensieg schaffen wollte, der ihm im Vorjahr gegen Roger Federer versagt geblieben war. Am Ende standen die beiden gesetzten deutschen Vorzeige-Tennisspieler wieder mit leeren Händen da. Sie ließen Debütant Daniel Brands allein im Achtelfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych zurück und mussten sich wie Petzschner mit viel Lob und der Erkenntnis trösten, dass “ich auch solche Leute schlagen kann“.

Der nur in den ersten Minuten nervöse Petzschner hätte am heißen Samstagnachmittag wahrlich mehr verdient gehabt, als die nach 3:45 Stunden kassierte 4:6, 6:4, 7:6 (7:5), 2:6, 3:6-Niederlage. Gestützt auf einen großartigen Aufschlag setzte er seinen Matchplan geschickt um und brachte den Topfavoriten mehr als einmal ins Straucheln. Auch Kohlschreiber kratzte am Image des Favoriten. Dass ihm das 5:7, 7:6 (7:5), 3:6, 3:6 am Freitagabend nicht erspart blieb, lag an den paar wichtigen Bällen, bei denen ihm Nervenstärke, Entschlossenheit und Cleverness fehlte. Ein Manko, das Kohlschreiber, Petzschner & Co. immer wieder stoppt, wenn die Sensation schon zum Greifen nahe ist.

Weil auch der Lübecker Qualifikant Tobias Kamke durch ein 1:6, 4:6, 6:7 (1:7) gegen den Franzosen Jo-Wilfried Tsonga ausschied, muss ein Spieler aus der zweiten Reihe des 18 Profis starken deutschen Aufgebots die Last des Alleinunterhalters tragen. Der lange Daniel Brands aus Deggendorf, der sich mit stoischer Ruhe und starkem Tennis auch gegen den explosiven Victor Hanescu durchsetzte, obwohl er nach zwei unglücklich verlorenen Tiebreaks schon vor dem Aus stand. Dann aber kämpfte sich der Weltranglisten-98. zurück ins Match und blieb auch dann noch cool, als sich der Rumäne zunächst behandeln ließ, sich dann über freche Zuschauer echauffierte und schließlich nach abgeschenktem Aufschlag-Spiel zum 0:3 im 5. Satz verabschiedete.

“Ich hab mich davon nicht beeindrucken lassen“, sagte Brands, der gleich bei seiner Premiere auf dem Heiligen Rasen in die zweite Woche stürmte. “Von dem Eklat habe ich eigentlich nichts mitbekommen.“ Hanescu wurde für sein unflätiges Benehmen - er spuckte in Richtung der offenbar angetrunkenen Besucher - vom All England Club mit einer Strafe von 12 100 Euro belegt - und weiteren 12 100 Euro dafür, dass er sich nicht genügend angestrengt hatte. Am Sonntag entschuldigte sich der 28-Jährige: “Ich habe kurz die Kontrolle verloren. Ich habe einen Fehler gemacht, das tut mir leid.“

Petzschners Fehler war, dass er sich nach seiner klasse herausgespielten 2:1-Satzführung aus dem Rhythmus bringen ließ. “Das war clever von Rafael“, sagte der 26-Jährige diplomatisch. Erstaunlich diplomatisch angesichts der unverständlich langen Behandlungspausen. Erst tat Nadal der linke Arm weh, dann war es das rechte Bein. Auf jeden Fall dauerte es minutenlang - und Petzschner verlor Spannung und Souveränität. “Ich weiß nicht, ob er was hatte. Auf jeden Fall kam es für mich zum ungünstigsten Zeitpunkt. Sehr clever von ihm.“

Statt Petzschner, der sich vom Hallodri zum spielstarken Muster- Tennisprofi entwickelt hat, steht nun Nadal im Achtelfinale gegen den Franzosen Paul-Henri Mathieu. Die vierte Runde hat auch Lokalmatador Andy Murray erreicht. So wie Rekord-Champion Federer, der im Viertelfinale auf Brands treffen könnte, die Williams- Schwestern, Halle-Sieger Lleyton Hewitt, Maria Scharapowa und die belgischen Rückkehrerinnen Kim Clijsters und Justine Henin. Die Favoriten zeigen sich bisher fehlerlos auf der großen Bühne.

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