US Open

Kohlschreiber zeigt Zverev die Grenzen auf - Kerber zwischen Enttäuschung und Stolz

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Philipp Kohlschreiber (l.) gibt nach seinem Sieg Alexander Zverev die Hand.

Alexander Zverev bekommt in New York von Philipp Kohlschreiber die Grenzen aufgezeigt und erlebt die nächste Grand-Slam-Pleite. Auch Wimbledonsiegerin Angelique Kerber fliegt überraschend früh raus.

New York - Alexander Zverev fiel es schwer, eine Erklärung für seine nächste Grand-Slam-Pleite zu finden. Wimbledonsiegerin Angelique Kerber fand dagegen nach ihrem US-Open-Aus die passenden Worte, derer es eigentlich nicht bedurft hätte. Ihre traurigen Augen sprachen für sich. Die beiden hochgehandelten deutschen Tennisprofis haben sich bereits nach der dritten Runde aus New York verabschiedet. Übrig blieb Routinier Philipp Kohlschreiber, der Jungstar Zverev die Grenzen aufgezeigt hatte.

So ratlos Zverev (21) beim 7:6 (7:1), 4:6, 1:6, 3:6 auf dem Platz bisweilen hinterhergelaufen war, so überfordert tappte er anschließend auch durch die öffentliche Analyse. Mal lobte er Kohlschreiber für dessen schlaues Spiel, mal machte er seine eigene Fehlerquote für das Drittrunden-Aus verantwortlich. Die kühleren Bedingungen am Abend hätten zudem eine Rolle gespielt. Und auch sein Schläger sei ein wenig zu hart bespannt gewesen.

In Wahrheit hatte Kohlschreiber (34) das Match mit seinem Slice, seinem Topspin und dem Winkelspiel diktiert, oder wie er es ausdrückte: "Vielleicht habe ich Sascha und seinem Team gezeigt, wo er noch nicht weltklasse ist." Weil Jan-Lennard Struff gegen den Belgier David Goffin beim 4:6, 1:6, 6:7 (4:7) weitgehend chancenlos war, zog Kohlschreiber in New York als einziger Deutscher ins Achtelfinale ein, bereits zum fünften Mal in seiner Karriere. Dort will er am Montag gegen Kei Nishikori (Japan) erstmals die Runde der besten Acht erreichen.

Kerber beendet Grand-Slam-Jahr mit Enttäuschung

Angelique Kerber (30) beendete dagegen ihr bis dato herausragendes Grand-Slam-Jahr mit einer Enttäuschung. Nach dem 6:3, 3:6, 3:6 gegen die frühere Top-5-Spielerin Dominika Cibulkova (Slowakei) überwog aber dennoch der Stolz auf das Erreichte. "Meinen Sieg in Wimbledon", sagte Kerber, "kann mir immer noch niemand nehmen".

So trotzig das zunächst klang, war es gar nicht gemeint. Nach ihrem Krisenjahr 2017, erklärte Kerber, "hatte doch niemand gedacht, dass ich jemals wieder so eine Saison spielen kann. Ich bin stolz, dass ich unter die Top 5 zurückgekommen bin. Dass irgendwann ein kleines Loch kommen wird, war doch klar."

Das kleine Loch tat sich 49 Tage nach ihrem Wimbledonsieg auf. Nach dem ersten Satz gegen Cibulkova, um genau zu sein. Gerade hatte Kerber das Match noch unter Kontrolle, im nächsten Moment lief sie mit wachsender Verzweiflung einem Rückstand hinterher.

„Wer weiß, was Paris mit mir macht“

"Ich habe alles probiert, aber sie war mutiger und hat das Spiel in die Hand genommen", analysierte die Kielerin treffend und blickte bereits nach vorne. Nur noch der Sieg bei den French Open fehlt in ihrer Grand-Slam-Kollektion. Zwar sei Sand "die größte Herausforderung", "aber wer weiß, was Paris 2019 mit mir macht."

Zverev muss sich dagegen an die Arbeit machen. Erneut erfüllte er die hohen Erwartungen, die er selbst an sich stellt, nicht einmal im Ansatz. Gemeinsam mit Ivan Lendl, den er wenige Tage vor dem Turnierbeginn als seinen neuen Coach vorgestellt hatte, will und muss er Lösungen finden, um auch endlich bei den Grand Slams zu überzeugen. "Dafür habe ich ihn verpflichtet", sagte Zverev.

Lendl habe ihn schon vor dem ersten Match in Flushing Meadows gewarnt. Es sei ein langer Weg, "ein Prozess", bis man bei den vier wichtigsten Turnieren der Welt sein bestes Tennis abrufe. "Hoffentlich spielst du gut bei den US Open, aber wir schauen mehr auf die kommenden Jahre", habe Lendl gesagt. Trotzdem wollte Zverev im Hier und Jetzt weit kommen. "Aber Wünsche", sagte er, "werden nicht immer wahr". Vor allem nicht, wenn "der alte Mann" Kohlschreiber auf der anderen Seite solch einen Tag erwischt.

sid

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