Medaillen: Deutschland bleibt Winter-Großmacht

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Thomas Bach und Bernhard Schwank

Vancouver - Die deutsche Wintersportnation bleibt eine Großmacht auf Eis und Schnee, darf aber die neuen olympischen Trends nicht verschlafen.

“Hut ab, Chapeau! Es ist ein fantastisches Ergebnis gegen eine viel stärkere Konkurrenz“, bilanzierte Chef de Mission Bernhard Schwank nach 84 von 86 Entscheidungen der XXI. Olympischen Winterspiele in Vancouver. Der Spitzenplatz von Turin ging zwar verloren, obwohl mit 29 Medaillen genauso viele Medaillen wie 2006 gewonnen werden konnten. “Wir können stolz auf unsere Mannschaft sein und haben herausragende Olympische Spiele erlebt“, sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). “Die Athleten waren nicht nur erfolgreich, sondern auch glanzvolle Botschafter unseres Landes.“

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Besonders stark trumpfte das “schwache Geschlecht“ im deutschen Team auf. 19 der 29 Medaillen gingen auf das Konto der Frauen, die zudem acht der zehn Gold-Stücke gewannen und damit Deutschland auf einen Toprang hievten. Von Platz eins im Medaillenspiegel war Gastgeber Kanada mit 25 Edelplaketten (13/7/5) nicht mehr zu verdrängen. Die USA lagen mit 36 Medaillen (9/14/13) an dritter Stelle. “Deutschland ist im Leistungssport ein Frauensportland“, meinte Bach und forderte die Männer bis Sotschi 2014 zur Emanzipation auf: “Ich hoffe, dass die männliche Seite sich das zum Vorbild nimmt und Gleichberechtigung schafft.“

Hausaufgaben muss aber auch der DOSB machen, der in den Trendsportarten Shorttrack, Snowboard und Freestyle nichts Zählbares erreichte. “Die Analyse hat schon begonnen, da brauchen wir ein Umdenken“, erklärte Bach. Immerhin gibt es in in diesen modernen Disziplinen 60 Medaillen zu gewinnen. Die deutsche Wintersport- Kultur ist aber eher klassisch und konservativ geprägt. “Es ist noch nicht so, dass eine Pistenkultur angekommen ist, wie es sie in den USA oder Kanada gibt“, weiß Bach. “Wir Deutsche sind eher geneigt, Jugendlichen zu sagen, die sollen erstmal ordentlich Langlauf und Schneepflug lernen, bevor sie so verrückte Dinge machen.“

Zustimmung erhält er von Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Skiverbandes (DSV). “Wie wollen wir im Medaillenspiegel 2014 und 2018 unter den Top drei bleiben, wenn wir diese Dinge nicht mit abdecken“, sagte er. “Zumal die Luft in den klassischen Disziplinen immer dünner wird.“ Dies spürte der DSV generell bei den Vancouver-Spielen, wo die Medaillen-Rechnung von 15 plus X mit 14 Podestplätzen knapp verfehlt wurde. Ein “großes Ausrufezeichen“ waren für ihn die drei alpinen Olympiasiege von Maria Riesch (Kombination/Slalom) und Viktoria Rebensburg (Riesenslalom) sowie zweimal Gold durch Biathlon-“Königin“ Magdalena Neuner und dem siegreichen Langlauf-Duo Evi Sachenbacher-Stehle/Claudia Nystad.

Dagegen bleiben nach dem Debakel der Biathlon-Männer, der Pleite der Eishockey-Spieler und dem schwachen Abschneiden der Nordischen Kombinierer große Fragezeichen. “Die Biathlon-Männer sind die großen Verlierer in unserem Verband“, stellte DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller fest. Keine gute Werbung war auch der schlechteste Olympia- Auftritt der sieg- und punktlosen Puckjäger vor der anstehenden Weltmeisterschaft in Deutschland. “Ein olympisches Turnier ohne Sieg, da freut man sich nicht“, meinte Schwank. “Es wird jetzt die Kunst des Trainers sein, dieses Ergebnis umzukehren und es so zu nutzen, dass wir bei der Heim-WM eine erfolgreichere Rolle spielen.“

Einmal mehr lenkten die Bob-Fahrer und Rodler ihre Kufen-Geräte in die Erfolgsspur. Mit zwei Olympiasiegen und weiteren drei Medaillen ist Deutschland erneut die Nummer eins in der Rodel-Welt. Bob-Pilot André Lange avancierte mit seinem vierten Olympia-Gold (plus Silber) zu einer der größten deutschen Wintersportler.

Nachdem von den 153 deutschen Athleten 53 an Medaillen-Gewinnen in zehn der 15 Sportarten beteiligt waren, muss der DOSB nach den Spielen in einem anderen Wettbewerb weiterkämpfen: Denn ein Sieg Münchens bei der Bewerbung um Olympia 2018 würde dem deutschen Sport einen großen Schub geben. “Unser Ziel war, einen guten Eindruck zu vermitteln. Ich glaube, dass wir die Chance genutzt haben“, resümierte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper nach intensiver Lobby- Arbeit beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Um am 6. Juli 2011 bei der Wahl in Durban zu gewinnen, braucht es weitere Anstrengungen. “Der Käse ist natürlich längst nicht gegessen. Uns ist hier viel Sympathie entgegengebracht worden“, sagte Vesper. “Gute Stimmungen sind noch nicht gute Stimmen. Dafür müssen wir in den kommenden Monaten noch viel arbeiten.“

dpa

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