Kommentar

EM 2021: Drama um Christian Eriksen – Spielfortsetzung unverantwortlich

Für 42 Minuten ist es ein EM-Spiel wie jedes andere. Doch dann bricht Dänemarks Christian Eriksen zusammen. Das Spiel wird später fortgesetzt. Ein Kommentar.

Kopenhagen – Es ist der Moment, in dem auf einmal die ganze Fußball-Welt stillsteht. Die 43. Minute des Spiels zwischen Dänemark und Finnland bei der EM 2021. Auf dem Rasen in Kopenhagen sackt Christian Eriksen in sich zusammen*. Er kollabiert. Muss noch auf dem Feld reanimiert werden. Fans und Mitspieler im Stadion sind fassungs- und sprachlos. Auf den Tribünen sieht man Fans, bei denen Tränen fließen. Eriksen kommt ins Krankenhaus. Ist wach. Und das Spiel wird nach langer Pause fortgesetzt. Warum eigentlich? Es ist ein Unding!

Fußballturnier:UEFA EURO 2020 (wird 2021 ausgetragen)
Datum:Freitag, 11. Juni 2021 bis Sonntag, 11. Juli 2021
Teilnehmende Mannschaften:24 Teams
Titelverteidiger:Portugal

EM 2021: Zusammenruch von Dänen-Star Christian Eriksen – wie soll man sich da auf Fußball konzentrieren?

Nun mag mancher widersprechen: Das Spiel muss fortgesetzt werden. Schließlich wollten es die Teams. Und auch Eriksen. Die Dänen sollen via Facetime mit Christian Eriksen telefoniert haben. Er soll sie zum Weiterspielen geraten haben. Dass die Spieler ihrem Job nachgehen und für ihren Kumpel und Kapitän (weiter)spielen wollen – es ehrt sie. Irgendwie zumindest ist es ein schönes Zeichen von Kameradschaft und Teamspirit.

Aber wer einen Moment wie den aus der 43. Minute miterlebt, dem geht das an die Psyche. Der ist in den Augenblicken danach in der Denke nicht der Klarste.

Wenn auf dem Platz einer zusammenbricht, mit dem man über Jahre zusammenspielt, den man in der EM-Vorbereitung und während des Turniers täglich sieht, hat man anderes im Kopf. Auch als Fußball-Profi. Selbst, wer mit Millionen für sein Können bezahlt wird, ist keine Maschine ohne Gefühle.

Ein trauriges Bild: Die Spieler Dänemarks haben einen Sichtschutz um den zusammengebrochenen Christian Eriksen gebildet, Sanitäter eilen mit einer Trage heran.

Dass im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF*) weder Ex-Nationalspieler Per Mertesacker noch Experte Christoph Kramer (spielt sonst bei Borussia Mönchengladbach in der Ersten Bundesliga) sich vorstellen konnten, dass weitergespielt wird, spricht Bände. Er wisse nicht, wie er selbst in so einer Situation nach der Unterbrechung in Zweikämpfe gehen würde, sagt Kramer. Logisch.

Fußball mag zwar die schönste Nebensache der Welt sein und mancher verdient sein Geld damit – aber das Leben eines Menschen ist immer noch wichtiger als die Fortsetzung eines Spiels. Auch wenn es sich um ein EM-Spiel handelt.

EM 2021: Ein Moment, der an die Psyche geht – ist ein Fußballspiel wichtiger als Gesundheit?

Hätten hier der Dänische Verband oder die UEFA einschreiten müssen? Quasi für die unter Schock stehenden Spieler entscheiden müssen? Ja! Auch bei ihnen regiert sicher ein gewisser Schock. Doch es ist ein anderer.

Sie haben nicht auf dem Feld neben Eriksen gestanden. Sie haben einen klareren Kopf. Oder müssen ihn haben? In dem Sinne, dass sie wissen: Wir müssen weitermachen. Weil es sonst Probleme mit der UEFA gibt. Schließlich ist so eine EM eng getaktet. Ein Abbruch? Nicht vorgesehen.

Drama um Christian Eriksen bei EM 2021: Der Fußball steht offenbar über allem

Dennoch: Damit, dass die Mannschaften noch einmal aufs Feld zurückgekehrt sind, hat sich niemand einen Gefallen getan. Außer das Signal nach draußen zu senden: Der Fußball – und mit ihm letztlich die Geldmaschinerie, die sich dahinter befindet – steht über allem. Im Zweifelsfall auch über dem Zusammenbruch eines Menschen.

Dass es auch anders geht, hat dabei doch ausgerechnet ein UEFA-Wettbewerb gezeigt. Die Champions-League. Dort wurde im April 2017 nach einem Anschlag auf den Teambus von Borussia Dortmund das Spiel gegen AS Monaco abgesagt... * 24hamburg.de und kreiszeitung.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Ritzau Scanpix/imago images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare