Von Ailton bis Schüttler: Sie können nicht aufhören

+
Ailton heuerte noch einmal im Fußballgeschäft an.

München - Sie können es nicht lassen: Ailton war im Fußball mal Torschützenkönig der ersten Liga, mittlerweile spielt er nur noch in der sechsten.

Evander Holyfield war fünfmal Weltmeister im Boxen, aber sein letzter Sieg ist schon zweieinhalb Jahre her. Und Rainer Schüttler stand 2003 im Finale der Australian Open. Jetzt ist er nur noch die Nummer 85 der Tennis-Welt. Die drei Sportler haben eines gemeinsam: Sie sind verhältnismäßig alt, haben den Zenit ihrer Karriere längst überschritten, aber sie können oder wollen einfach nicht aufhören. Sportler wie sie setzen “den eigenen Ruf aufs Spiel“, sagt der Sportwissenschaftler und langjährige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Helmut Digel.

Die Topverdiener im Sport 2009

Die Topverdiener im Sport 2009: Wo stehen Nowitzki und die Bayern-Profis?

Dieses Phänomen ist im Sport weit verbreitet. Auch der Stabhochspringer Tim Lobinger bestritt im Alter von 37 Jahren noch 26 Wettkämpfe in diesem Jahr. Seine Rekordhöhe (6,00 Meter) verfehlte er jedesmal um mindestens 30 Zentimeter. Für das Hinauszögern des Karriereendes gibt es unterschiedliche Motive. Manche Athleten treibt die pure Lust an ihrem Sport. Andere verfolgen noch immer unerbittlich ein bestimmtes Ziel. Und nicht wenige brauchen vor allem das Geld. Sie wüssten, dass “auch mit nachgeordneten Leistungen noch viel mehr zu verdienen ist als in allen übrigen Tätigkeiten, die einem nach Beendigung der Karriere offenstehen“, sagt Digel.

Der 36 Jahre alte Ailton ist so ein Fall. Er hat zwar bei Werder Bremen, Schalke 04 oder Besiktas Istanbul Millionen verdient, aber das Geld rann ihm zeitweise wie in einer Sanduhr durch die Finger. Mal fiel er auf die falschen Freunde herein. Mal unterstützte er sein halbes Heimatdorf. Der Brasilianer hat in 16 Jahren für 18 verschiedene Vereine gespielt, um nicht aufhören zu müssen. Anfang Dezember unterschrieb er beim KFC Uerdingen in der Niederrheinliga.

Holyfield muss elf Kinder von fünf verschiedenen Frauen ernähren, seine Villa hat 109 Zimmer. So ein Leben kostet Geld. Der Hauptgrund, warum er mit 47 Jahren noch immer in den Boxring steigt, ist aber sein Ehrgeiz: “Mein Ziel war immer, als Champion abzutreten. Das ist meine Bestimmung“, sagt er. Holyfield ist derart vernarrt darin, dass er eines übersieht: Er ist als mehrfacher Weltmeister und Bezwinger von Mike Tyson bereits eine Legende und nun auf dem besten Weg, diesen Ruf zu verspielen. Zuletzt verlor er gegen Gegner wie Larry Donald, für die er sich früher nicht einmal warm gemacht hätte.

Oma-Olympia: Höher, schneller und älter!

Oma-Olympia: Höher, schneller und älter!

Helmut Digel ist als Direktor des Institutes für Sportwissenschaft in Tübingen ein Experte für solche Fälle. Er weiß: “Viele Athleten haben sich daran gewöhnt, im Rampenlicht zu stehen, und sie befürchten, dass man nach Beendigung der Karriere von heute auf morgen in Vergessenheit gerät.“ Viele hätten sich auch völlig auf den Sport ausgerichtet und die Suche nach beruflichen Alternativen vernachlässigt. Der Sportsoziologe kritisiert, dass es “in Bezug auf die Karrieresteuerung leider so gut wie keine konsequente Begleitung der Athleten gibt“. Nur wenige Manager seien so verantwortungsvoll, “die Athleten auch über deren Karriere hinaus“ zu beraten. Für Rainer Schüttler käme das ohnehin zu früh. Der mit 33 Jahren älteste Profi auf der ATP-Tour möchte “gerne noch ein oder zwei Jahre spielen“. Was ihn angesichts ausbleibender Erfolge noch antreibe, wurde er in diesem Jahr gefragt, und er sagte: Den einen oder anderen zu ärgern und der Spaß. “Das ist mittlerweile das Wichtigste.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare