17. Kreisfußballtag: Thomas sieht einige Baustellen / Ebeling geehrt

Im Zweikampf mit der Politik

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Heinz-Dieter Ebeling (r.) ist erstes Ehrenmitglied.

Wahrenholz – Wenngleich das Rednerpult im Gasthaus Schönecke einer Karnevals-Kanzel glich, wie er selbst augenzwinkernd anmerkte, so feuerte Ralf Thomas am Freitagabend keineswegs nur Lachsalven ab.

Der wiedergewählte Vorsitzende des NFV-Kreises Gifhorn (das IK berichtete) legte beim 17. ordentlichen Kreisfußballtag in Wahrenholz auch den Finger in einige Wunden und sagte der Politik gewissermaßen den Zweikampf an. Denn wenngleich sein Verband im Vergleich noch ganz gut dasteht, so gibt es auch hierzulande einige Baustellen.

Buchstäblich, was die Infra-Struktur im Kreis betrifft. Thomas „ärgert es immens, dass unser Landrat (Dr. Andreas Ebel, Anm. der Redaktion) kein Herz für den Fußball hat“. Der Frontmann vermisst die gebührende Unterstützung für die schönste Nebensache der Welt. Vereinsheime mit kaputten Duschen oder andere Missstände würden keine neuen Mitglieder auf den Platz bringen. Thomas nannte ein weiteres signifikantes Beispiel: „Wir sind der einzige Landkreis im Bezirk, der keinen Kunstrasenplatz besitzt. Und ich sehe keinen politischen Willen, das zu korrigieren.“ Daher hat der NFV-Kreis einen neuen Ansatz gewählt und setzt sich mit den einzelnen Samtgemeinden ins Gebet. „Um zusammen dezidiert auszuarbeiten, wo es fehlt“, pointierte Thomas.

Der Gifhorner Fußball-Chef werde auch weiterhin, das betonte er mehrfach, penibel darauf achten, dass die zugesagten Gelder von DFB (mittels der VW-Kooperation) und Landessportbund auch an der Basis ankommen würden.

Der neugewählte Vorstand des NFV-Kreises Gifhorn um den Vorsitzenden Ralf Thomas (v. r.) und NFV-Präsident Günter Distelrath: Timo Teichert, Dennis Laeseke, Hans-Dieter Smilowski, Christian Benecke, Jürgen Fricke, Sven Stuhlemmer, Wilhelm Wilke, Henning Grußendorf und Sven Bärensprung.

Auch der Knackpunkt Ehrenamt liegt Thomas am Herzen, wie die Tagung in Wahrenholz versinnbildlichte. Die „Idealvorstellung“ wäre ein Ehrenamtsbeauftragter in jedem einzelnen Verein, „der sich um die Nachwuchsgewinnung kümmert“. Denn ohne gute Seelen kein vernünftiger Spielbetrieb, keine Innovationen, um den Fußball zu stärken. Thomas’ Botschaft: „Wir müssen uns einen Plan machen!“ Der Kreisvorstand stehe den Clubs dabei jederzeit mit Rat und Tat zur Seite, um auch weiterhin Menschen mit Herzblut hervorzubringen.

Einen wie Heinz-Dieter Ebeling. Oder kurz gesagt „Pepe“ – so kennt ihn jeder im Kreis. Der frühere Kreisjugendobmann wurde für seine besonderen Verdienste am Freitagabend zum allerersten Ehrenmitglied im NFV-Kreis Gifhorn ernannt. Und widmete diesen Titel umgehend allen Weggefährten im Saal. „Was wäre ich ohne euch gewesen auf dieser langen Strecke. Die Ehrenmitgliedschaft ist auch in eurem Sinne und für euch“, erklärte Ebeling und löste damit regen Beifall aus.

Aber noch einmal zurück zu den Baustellen. Auch im Hinblick auf die schwindende Zahl von Schiedsrichtern (siehe Text links) forderte Thomas – genauso wie NFV-Präsident Günter Distelrath als Ehrengast – mehr Respekt und Fairplay untereinander auf dem Fußballplatz ein. Distelrath bezog sich dabei auf eine repräsentative Umfrage einer westdeutschen Zeitung unter Kreiskickern. Als größtes Problem nannten 30 Prozent Gewalt. In Gifhorn sicherlich noch ein kaum spürbares Problem bislang. Dennoch werde eine sinkende Toleranzschwelle bei Anfeindungen, meist gegen die Schiris, registriert. Das sei „demotivierend“ für die Hobby-Referees, mahnte Thomas.

Distelrath wies auch darauf hin, dass der Fußball in Zeiten des demografischen Wandels neue Wege beschreiten müssen. „Wir müssen die Kinder noch früher abholen. Fußball muss bereits in den Kitas präsent sein.“

VON INGO BARRENSCHEEN

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