Handball – Jahreshauptversammlung des VfL Wittingen: Witzke übt Kritik/ Schmidt für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt

Zuschauer sorgen für Unverständnis

Die Geehrten und der Vorstand der Wittinger Handball-Sparte (v. l.): Harry Schmidt, Jan Schmidt, Tatjana Sablottny, Frank Hallmann, Christian Bölter, Sebastian Schulze, Tim Schmidt, Kai Schüttenberg, Marion Eschert, Jens König, Julia Bohne, Denise Schulze. Foto: Arens

Wittingen. „Ich habe eigentlich mit Patte gerechnet“, sagte Harry Schmidt, Urgestein der Handballsparte des VfL Wittingen, als ihm ein neues Trikot seines Vereins mit der Rückennummer 70 übergeben wurde.

Damit hatte er die Lacher bei der Jahreshauptversammlung der Wittinger Handball-Sparte auf seiner Seite. Mit dem Jersey ehrte der VfL um Spartenleiter Kai Schüttenberg und Stellvertreterin Tatjana Sablottny Schmidt für seine 70-jährige Vereinszugehörigkeit. Die Stimmung bei den Mitgliedern war an diesem Abend jedoch nicht nur gelöst. So äußerte der neue Verantwortliche für die zweite Herrenmannschaft, Andreas Witzke, grundsätzliche Kritik am Umfeld in Wittingen.

„Quo Vadis VfL-Herrenhandball?“, unter dieser Überschrift thematisierte Witzke die Aggressionen auf den Zuschauerrängen, aber auch Schwierigkeiten innerhalb des Vereins. Für einige Spieler des eigenen Oberliga-Teams sei die Gelbe Halle in Wittingen „wirklich die Gelbe Hölle“. Beschimpfungen und Beleidigungen von den eigenen Anhängern seien mittlerweile an der Tagesordnung. Die Ansprüche seit dem Aufstieg in die Oberliga sind bei den VfL-Fans offenbar so sehr gewachsen, dass die Mannschaft sie nicht mehr erfüllen kann.

In diesem Zusammenhang machte Witzke auch auf die finanzielle Situation in der Halbprofi-Liga aufmerksam. Die Brauereistädter können und wollen – das betonte Schüttenberg – nicht mit den Ausgaben der Kontrahenten konkurrieren. „Die Erwartungshaltung, die bei einigen Zuschauern herrscht, ist für mich sehr erschreckend“, erklärte Witzke, der den Klassenerhalt der Wittinger in der Oberliga unter den finanziellen Voraussetzungen für „erstaunlich“ hält. Gleichzeitig werde den Spielern vorgeworfen, sich nicht mit dem Verein zu identifizieren.

Nicht nur die Anhängerschaft („Die Kommentare sind immer bösartiger geworden“), auch gewisse Vorgänge innerhalb des Vereins sind Witzke ein Dorn im Auge. So kritisierte er die Kommunikation zwischen Mannschaften und Vorstand. Schüttenberg und seine Gremiumskollegen verstanden das als „Arbeitsauftrag“. Der Spartenleiter kündigte an, die offenen Fragen in einer gemeinsamen und ehrlichen Diskussion zu erörtern. Schon in seinem Bericht war Schüttenberg, darauf eingegangen, dass die Kommunikation von beiden Seiten besser werden müsse. Witzke schloss mit den Worten: „Mich macht das Geschehen traurig. Ich wünsche mir einen respektvollen Umgang und Wertschätzung von den Zuschauerrängen.“

Witzkes Vortrag wurde von den Anwesenden mit donnerndem Applaus bedacht und ermutigte am Ende der Versammlung offenbar ein weiteres Mitglied, seine Stimme zu erheben. Daniel Knop gab seinen Rücktritt als Schiedsrichter im Handball-Verband Niedersachsen (HVN) bekannt, wo er zusammen mit Jan Schmidt bislang hochklassig gepfiffen hatte. „Was in den Hallen Niedersachsens passiert, ist eigentlich nicht mehr tragbar“, machte auch Knop eine wachsende Aggression von den Zuschauerrängen aus. Schiedsrichter müssten teilweise unter Polizeischutz aus den Hallen begleitet werden. Als persönliches „Highlight“ berichtete der (Ex-)Schiedsrichter: „Nach einem Spiel hat man versucht, mich zu überfahren.“ Das möchte Knop sich ab sofort nicht mehr antun.

Neben den, durchaus ungewöhnlichen, kritischen Worten nahmen die VfL-Handballer bei der Jahreshauptversammlung aber auch ihre obligatorischen Pflichten wahr. Nach den Berichten der einzelnen Mannschaften von Schüttenberg (Senioren), Volker Schneemelcher (JSG Wittingen/Stöcken) und Kassenwartin Denise Schulze standen die Wahlen an. Tatjana Sablottny (stellvertretende Spartenleiterin), Tim Schmidt (Geschäftsführer), Denise Schulze (Kassenwartin) und Svenja Eschert (stellvertretende Kassenwartin) wurden in ihren Ämtern bestätigt. Lena Zergiebel wurde in Alexander Busch ein zweiter Kassenprüfer zur Seite gestellt.

Und dann hatte Schmidt seinen großen Auftritt, Neben ihm wurden noch zwei (abwesende) Mitglieder für ihre 70-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Für einen Überblick über alle Jubilare siehe Infokasten.

Von Andreas Arens

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