Das IK hat sich bei den Trainern umgehört

XXL-Winterpause im NFV-Kreis Gifhorn: Einige Klubs äußern ihren Unmut, andere zeigen Verständnis

Das runde Leder ist erst einmal in weite Ferne gerückt für die Amateurfußballer aus dem NFV-Kreis Gifhorn. Während der SV BW Rühen (l. Christopher Ramolla) darüber schimpft, zeigt der SV Groß Oesingen (Eike Heers) Verständnis.
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Das runde Leder ist erst einmal in weite Ferne gerückt für die Amateurfußballer aus dem NFV-Kreis Gifhorn. Während der SV BW Rühen (l. Christopher Ramolla) darüber schimpft, zeigt der SV Groß Oesingen (Eike Heers) Verständnis.
  • VonMarvin Scholz
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Satte sechs Monate ohne den geliebten Fußball! Alle Herren-Spielklassen im NFV-Kreis Gifhorn befinden sich, mit Ausnahme vereinzelter Nachholspiele, bereits in der XXL-Winterpause. Sportlicher Stillstand, der bei vielen Vereinen respektive Trainern Unmut hervorruft. Andere zeigen indes Verständnis für die Kicker-Kurzarbeit. Das IK hat sich mit neun Klubs von der Kreisliga bis zur 2. Kreisklasse über den fußballerischen Lockdown unterhalten. Ein Meinungsbild.

Wittingens Fetahu und der Pokal-Vorschlag

„Ich habe im Moment keinen Plan, wie wir mit dem Stillstand umgehen soll“, rätselt Naim Fetahu, Coach des Kreisligisten VfL Wittingen/S. In seinen Augen sei die extrem lange Auszeit aufgrund der kleinen Staffeln „schwachsinnig. Wie willst du denn die Jungs jetzt motivieren!?“, fragt Fetahu ratlos. Der VfL wird nur noch Training auf freiwilliger Basis anbieten. Von Lauf-Challenges etwa hält er nichts: „Wir können die Jungs jetzt bis Mallorca oder Athen laufen lassen. Aber warum sollten wir das tun?“ Fetahu will sich Gedanken machen, wie es mit der Trainingsgestaltung weitergehen soll – und hält eine spontane Alternative parat: „Wir könnten doch einen Pokal austragen. Die erste spielt gegen die zweite Staffel. Das Ganze mit einem Hin- und Rückspiel.“

SV BW Rühen und FC Ohretal üben Kritik

Der SV BW Rühen (Kreisliga) und der FC Ohretal (1. Kreisklasse) sehen die Situation ähnlich kritisch. „Ich finde es nicht gut und es ist sehr schwierig. Die Frage ist jetzt: Was machst du das halbe Jahr?“, zuckt Rühens Coach Jörg Jennerich mit den Schultern. Ein weiterer Aspekt ist die mannschaftliche Geschlossenheit: Bei den Blau-Weißen bestehen viele Freundschaften abseits des Platzes. Ein möglicherweise angeknackstes Verhältnis nach der langen Pause sieht Jennerich aber nicht kommen: „Das bereitet mir keine Sorgen. Wir werden Mannschaftsabende machen.“ Grundsätzlich sei die Rast „nicht so schlecht, aber zu lang“, meint Jennerich. Der Übungsleiter wünscht sich, wieder mit einer vollwertigen Staffel zu spielen. „Ich bin unglücklich. Der Spaß kann dadurch verloren gehen.“

Wir können die Jungs bis nach Mallorca oder Athen laufen lassen. Aber warum sollten wir das machen!?

Wittingen-Coach Naim Fetahu süffisant über den Sinn von jetziger Trainingsbelastung

Sein Ohretaler Trainer-Kollege Sebastian Sommer und seine Kicker werden die Zeit nutzen, „um ein bisschen runterzufahren. Wir werden parallel draußen und in der Halle Training machen. Aber nur wenn wir mindestens zehn Leute sind“, kündigt der Coach an. Als „sehr grenzwertig“ empfindet er die Ruhezeit. Der FCO wird seine Akteure mit Freundschaftsspielen warm halten. Sommer wagt sogar einen perspektivischen Blick in die Zukunft: „Keiner weiß, was in sechs Monaten passiert. Vielleicht können unsere Gegner in dieser Zeit personell stärker oder schwächer werden.“ Er sieht noch ein ganz anderes Problem aufziehen: „Darunter leidet ja auch die Nachwuchsförderung. Junge Spieler müssen spielen, um sich weiterzuentwickeln.“

Groß Oesingens König zeigt Verständnis

Verständnis für das Saison-Modell gibt es indes aus dem Lager des SV Groß Oesingen. „Es wurde da alles richtig gemacht. Wir hätten auch eine normale Saison spielen können, aber die Coronazahlen steigen auch wieder“, sagt Trainer Torben König. Der SVGO habe es auch selbst verpasst, sich das ein oder andere Bonusspiel im Pokal zu beschaffen. Aktuell herrscht Fußball-Stop. „Die Motivation ist aktuell nicht so hoch. Es macht auch keinen Sinn durchzutrainieren“, meint König. Für eine Mini-Überbrückung wird der Chefcoach aber sorgen. „Bis Ende Februar machen wir gar nichts, dann werden ein paar Lauf-Challenges stattfinden.“

Politisch gesehen ist das alles so okay. Wir hätten auch eine normale Saison spielen können, aber die Corona-Zahlen steigen auch wieder.

Oesingen-Trainer Torben König über die lange Pause

HSV: Asmus wünscht sich Spiele im März

Der SV Hankensbüttel hingegen will weiterhin aktiv bleiben, „aber auch etwas herunterfahren“, erklärte Trainer Dirk Asmus. Ein bis zwei Einheiten pro Woche sind angedacht, erst draußen, später drinnen. Ganz ungelegen kommt dem Primus der 1. Kreisklasse B der Stop aber nicht: „Unsere verletzten Spieler können wiederkommen.“ Die Wahl der kleinen Staffeln bewertet er nach wie vor als richtig – „angesichts der Pandemie war es alternativlos“. Verwunderlich sei es für ihn, dass der Spielplan nicht ausgedehnt wird: „Ich würde mir wünschen, dass ein oder zwei Spiele schon im März stattfinden. Da die Termine aber erst wieder im April sind, wird die Belastung hinten raus sehr hoch. Warum ist also das Zeitfenster so kurz?“ Den Pokal-Vorschlag von Fetahu erachtet der HSV-Dirigent als „zu hohe Belastung“.

Fingerzeig zur neuen Idee: Dirk Asmus, Trainer des SV Hankensbüttel, würde gerne schon im März wieder spielen, um das Programm zu entzerren.

Parsau-Coach Henke: „Völliger Blödsinn“

Klare Worte gibt es aus Parsau. Es sei „Blödsinn, in kleineren Staffeln zu spielen“, moniert FC-Coach Sören Henke. Um nicht ganz einzurosten, schlägt er ein Vorbereitungsturnier im Februar vor, welches „einen Anreiz geben würde“. Langeweile wird beim Kreisklassisten nicht einkehren: „Wir werden zunächst regulär weitertrainieren. Wenn der Platz dann gefroren ist, machen wir eine Pause. Dann kommt unser Germanen-Cup und dann startet die Vorbereitung“, blickt Henke voraus. Dann sollen auch andere Sportarten auf der Agenda stehen: „Wir werden Workouts absolvieren, Biathlon betreiben, auch mal in die Sauna gehen und uns im Kampfsport ausprobieren.“

SVL-Trainer Horvath zeigt sich zwiespältig

„Die Pause ist wirklich lange. Es ist zwar nicht schön, aber man hat sich damit arrangiert“, nimmt Sven Horvath vom SV Langwedel die Fußball-Flaute gelassen hin. Dennoch werden seine Jungs weiter trainieren. „Zwei Mal die Woche. Wir sind aber auch eine tolle Gemeinschaft und spielen auch im Vereinsheim FIFA und Tischtennis“, verriet Horvath. Insgesamt erachtet er die Staffel-Struktur als okay aufgrund der Pandemie, betont aber auch: „Es ist schwierig, weil man aus der Taktik kommt. Die Automatismen müssen sich dann wieder einspielen.“

Kage befürwortet Celler Modell

„Wir werden noch ein Mal die Woche trainieren.“ Trainer Uwe Kage vom SV Steinhorst will die Maschinerie nicht ganz herunterfahren. „Es wird auch noch zu Einzelgesprächen kommen und wir werden an taktischen Aspekten arbeiten“, erklärt er. Das solle dann die Gemeinschaft und den Spaß fördern. Für den Übungsleiter ist die Mini-Saison einerseits nachvollziehbar, andererseits hätte sich der Coach aber mehr Mut gewünscht, um die Spielzeit noch etwas am Köcheln zu halten. „Für die Trainingsplanung ist das eine anstrengende Situation. Aber gegen diese Staffel-Strategie kann ich wenig sagen“, so Kage. Einen Lösungsvorschlag hatte der SVS-Trainer aber in petto: „Wieso nicht wie in Celle!? Man könnte jetzt schon mit der Rückrunde beginnen und zum Ende Kreuzspiele austragen lassen.“

Stroka befürchtet überschüssige Pfunde...

Unvorteilhaft gestaltet sich das Start-Programm 2021 derweil für den SV Teutonia Tiddische. Am 10. April ein Pokalspiel, dann wieder ein Monat nichts bis zum Rückrunden-Auftakt gegen Wesendorf II. Aktuell trainiert das Team nicht, ab Ende November dann einmal die Woche. Im März beginnt schließlich die Vorbereitung. Aus Sicht von Übungsleiter Robert Stroka sei die Pause „unfassbar lang“. Er frotzelt: . Ich habe die Befürchtung, dass die Jungs die Lust am Fußball verlieren – oder sie werden fett...“ Die Teutonen wollen möglichst Testspiele vereinbaren, um in Tritt zu bleiben. Und andere Sportarten testen. Stroka: „Wir probieren Zumba, Jumping Fitness und Fußball in der Reithalle aus. Da ist der Boden tief und es ist extrem anstrengend.“ Auch Tiddisches Frontmann hat sich eine Alternative ausgemalt: „Warum keine Freundschaftsliga, die im Umkreis liegt. Vier bis fünf Mannschaften mit einer Hin- und Rückrunde. Ansonsten könnte man sich auch über vier statt drei Staffeln unterhalten.“

Gifhorns Spielausschuss-Chef Teichert verteidigt das Saison-Modell

Viele Trainer im NFV-Kreis Gifhorn stören sich an der extrem langen Winterpause. Der Spielausschuss-Vorsitzende Timo Teichert verteidigt das gewählte Saison-Modell vehement: „Wir mussten uns bis zum Juni entscheiden. Zu dem Zeitpunkt war es noch unklar, wie es mit Corona weitergeht. Die Saison wollten wir aber durchkriegen.“ Zumal bewusst Puffer in den Spielplan eingebaut wurden: „Wenn eine Mannschaft in Quarantäne muss, dann dauert das 14 Tage. Anschließend müssen die Mannschaften dann auch erstmal wieder trainieren“, führt Teichert ein weiteres Argument an. Der NFV-Kreis Gifhorn wählte letztlich bewusst und einstimmig im Vorstand die sichere Variante. Was vor gut einem halben Jahr auch noch auf Zuspruch an der Basis stieß. „Die Idee wurde als hervorragend tituliert, weil wir vorsichtig gehandelt haben“, so Teichert. Über etwaige Alternativen hatten sich die Verantwortlichen wohlgemerkt auch Gedanken gemacht: „So wie in der Jugend. Erst die Hinrunde. Dann würde die obere Tabellenhälfte um den Aufstieg spielen. Und die untere um den Abstieg“, erörterte Teichert. Aktuell gibt es keine Planungen für ein zukünftiges Modell. Es würde noch keinen Sinn ergeben, weil die Perspektive noch zu unklar ist. Das zeigt auch das Beispiel in Sachsen: Dort ist die Saison, aufgrund der vierten Corona-Welle, wieder komplett zum Erliegen gekommen. Eines verdeutlichte Teichert aber auch: „Wenn wir eine Saison durchspielen können, gibt es wieder größere Staffeln.“

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