Extremsportler Matthias Bölsche befindet sich mitten im Training zur WM im Triple Ultra Triathlon im Juli

„Warum tue ich mir das an...!?“

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Den Einhornlauf in Knesebeck baute Matthias Bölsche in die Vorbereitung auf das Triple im Juli mit ein. Für die zehn Kilometer brauchte der Ultra-Athlet 41:47 Minuten. 

Emmen. Das Streben nach dem Triple. Was der FC Bayern München im Profifußball anpeilt, wird für Matthias Bölsche bald Realität. Es scheint surreal, dass sich jemand freiwillig so quält, doch er tut es.

Schon ein einfacher Ironman-Wettbewerb lässt viele Extremsportler scheitern. Was Bölsche aus Emmen Ende Juli vorhat, geht aber noch weit darüber hinaus. Er wird bei der Weltmeisterschaft des Triple-Ultra-Triathlons in Lensahn teilnehmen und dementsprechend die Distanz vom Ironman gleich dreifach abspulen. Der Wettkampf geht über zweieinhalb Tage und verspricht eine wahre Tortur zu werden. Dessen ist sich Bölsche durchaus bewusst.

Immerhin hat der Emmener im vergangenen Jahr das Double in Emsdetten bewältigt. Jetzt steht also das Triple an. 11,4 Kilometer Schwimmen wären für einen „Normalo“ schon viel zu viel, sich dann aber noch für 540 Kilometer aufs Rad zu schwingen und anschließend drei (!) Marathons (126,6 km) zu laufen, geht weit über das Gewöhnliche hinaus. Das weiß Bölsche ganz genau: „Es ist schon eine Quälerei. Zwischendurch fragst du dich, warum tue ich mir das überhaupt an.“

Die Triathleten haben insgesamt 58 Stunden Zeit, um die Distanz zu überwinden, für das Double benötigte Bölsche rund 38 Stunden, das Ziel in Lensahn ist aber nicht auf eine Zeit festgelegt: „Überhaupt alles zu schaffen, reicht schon als Anreiz.“ Seinen Körper trainiert der Ultra-Läufer täglich, hat ihn jahrelang getrimmt. Bei Ironman-Wettkämpfen läuft der Emmener schon länger mit, sucht aber immer wieder nach neuen Herausforderungen und hat den Triple-Lauf im Juli deshalb ein Jahr im Voraus geplant. Im Winter legte er die Grundlagen, jetzt geht es im Training schon in die heiße Phase. An den Wochenenden läuft Bölsche gerne mal eine Marathonstrecke oder fährt ein paar hundert Kilometer Rad.

Zur Vorbereitung nimmt er zudem am Gifhorner Marathon und weiteren Läufen in der Umgebung teil. Auch beim Einhornlauf in Knesebeck war der Ultra-Sportler jüngst am Start.

„Man muss schon ziemlich verrückt sein, wenn man sich sowas antut“, sagt Bölsche selbst, freut sich aber trotzdem auf die Schmerzen und die Tortur: „Wenn man im Ziel ankommt, ist alles vergessen, was vorher war und dann denkt man sich, was ich erreiche, das schaffen nicht viele.“

Die Unterstützung, die er bei den Ultra-Läufen auch von den Profis erfährt, ist zudem deutlich größer und besser als bei den Volksläufen und Marathons, an denen viel mehr Sportler teilnehmen. Am Ultra-Triple nehmen zudem auch nur rund 50 Triathleten teil. „Wir sagen immer, dass wir eine Ultra-Familie sind. Da feiern Amateure mit den Weltmeistern und umgekehrt.“

Gegessen und geschlafen wird während des Wettkampfs übrigens auch. „Auf dem Rad versuchen wir, Nahrung zu uns zu nehmen.“ Pürierte Pasta gibt es dann aus Tüten und da Bölsche bis zu 24 Stunden auf dem Rad unterwegs sein wird, hat er zumindest genug Zeit zum Essen. Geschlafen wird in der Nacht dagegen höchstens zwei Stunden. „Dabei werden einem die Beine massiert und man entspannt etwas, dann geht’s aber auch direkt weiter.“ Was für andere wie Folter klingt, ist für den anderen eben ein „ganz normales“ Hobby...

Von Christian Thiemann

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