Frauenfußball – Champions League, Finale: VfL verteidigt durch 4:3 den Titel / „Unglaubliche Energieleistung“

Wahnsinn! Wieder Müller! Wieder Wolfsburg!

So hoch wie in dieser Szene war der VfL Wolfsburg (Alexandra Popp/l.) dem Gegner aus Tyresö nicht überlegen.

Lissabon. Mama Mia! Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg haben in einem Wahnsinns-Finale den Titel in der Champions League verteidigt.

Als erstes deutsches Team überhaupt! Vor gut 10 000 Zuschauern in Lissabon wurde der schwedische Vizemeister Tyresö FF 4:3 (0:2) niedergerungen.

Endspiel-Spezialistin Martina Müller, die schon im Vorjahr gegen Olympique Lyon (1:0) das entscheidende Tor markiert hatte, verhinderte mit ihren beiden Treffern – 40 Jahre nach dem Grand-Prix-Sieg von Abba – das Waterloo für den deutschen Bundesligisten.

Denn Tyresö, das mit nur einem Meistertitel unbeschriebene schwedische Blatt und kurz vor der Insolvenz, wäre fast zum One-Hit-Wonder des europäischen Fußballs geworden, lag 2:0 und 3:2 in Führung. „Ich hätte es lieber nicht so spannend gehabt“, meinte VfL-Trainer Ralf Kellermann.

Anders als im Vorfeld erwartet, machten nicht die Wölfinnen die Musik. Der mit Nationalspielerinnen gespickte – überteuerte – Kader von Tyresö FF bot dem Favoriten aus Deutschland die Stirn. Früh wurden die VfL-Spielerinnen unter Druck gesetzt. Große Chancen blieben in der hektischen Anfangsphase Mangelware. Alexandra Popp (14.) und Martina Müller (26.) näherten sich dem schwedischen Tor noch nicht erfolgreich an.

Vielleicht geschockt von der Gesichtsverletzung von Lena Goeßling (15.), die blutüberstromt das Feld zur Behandlung verließ und benommen wieder zurückkam, schienen die VfL-Frauen einige Zeit von der Rolle. Die fünfmalige Weltfußballerin Marta (28.) und Veronica Boquete (30.) nutzten dies und sorgten mit dem 2:0 für die vermeintliche Vorentscheidung.

Vermeintlich! Denn nach der Pause zeigten die wie verwandelt aufspielenden Wölfinnen Biss. Popp (47.) besorgte umgehend den Anschlusstreffer. Nursechs Minuten später drehte Müller (53.) die Partie völlig. „Die Mannschaft hat in einem unglaublichen Spiel eine unglaubliche Energieleistung gezeigt. Das ist der Charakter dieser Mannschaft“, jubelte Kellermann, der sein Team erfolgreich in der Pause aufgefordert hatte, mehr zu investieren.

Zunächst mit Erfolg. Nach 53 Minuten war das Finale wieder offen. Allerdings nur für 180 Sekunden. Dann zeigte Marta wieder ihre Klasse. Mit einem sehenswerten Drehschuss aus rund 18 Metern sorgte die Brasilianerin für die nächste kalte Dusche für die Wolfsburgerinnen. Und die VfL-Frauen schüttelten sich noch einmal, glichen durch die eingewechselte Verena Faißt zum 3:3 (67.) aus.

Der letzte Impuls. Während Tyresö kräftemäßig am Limit schien, legte der VfL den Turbo ein. Über rechts setzte sich Kapitänin Nadine Keßler gegen mehrere Gegenspielerinnen durch, bediente Müller – 4:3. Zehn Minuten vor Schluss.

In der Endphase mussten die Wölfinnen zwar noch die eine oder andere brenzlige Situation überstehen. Letztlich stemmten die Wolfsburgerinnen erneut den Pott. Nach einem ausgeglichenen Spiel durchaus glücklich, wie Keßler einräumte.

VfL Wolfsburg: Schult – Wensing, Fischer, Henning, Bunte – Keßler, Goeßling (90.+2 Hartmann)– Blässe, Wagner (46. Faißt), Müller – Popp. Tore: 0:1 Marta (28.), 0:2 Boquete (30.), 1:2 Popp (47.), 2:2 Müller (53.), 2:3 Marta (56.), 3:3 Faißt (67.), 4:3 Müller (80.)

Von Matthias Jansen

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