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Mit 62 wachsen einem noch Flügel

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Über den Wolken: In diesem Flugzeug legte der Wahl-Sprakensehler Hartmut Rauch seinen Freiflug hin. „Angst hatte ich nie“, erzählte der Neu-Flieger.  
Fotos: privat
Über den Wolken: In diesem Flugzeug legte der Wahl-Sprakensehler Hartmut Rauch seinen Freiflug hin. „Angst hatte ich nie“, erzählte der Neu-Flieger. Fotos: privat

red Repke. Wer rastet, der rostet! Und rosten, das ist überhaupt nicht sein Ding. Hartmut Rauch suchte im Alter noch einmal die Herausforderung und wurde mit 60 Jahren Mitglied in der Luftsportvereinigung Altkreis Isenhagen (LVI).

Nun ist der Wahl-Sprakensehler als einer der wohl ältesten Flugschüler des Landkreises Gifhorn aller Zeiten „flügge“ geworden. Im Beisein von drei Fluglehrern, zahlreicher Fliegerkameraden und seiner Ehefrau Inge flog er sich beim LVI in Repke frei.

„Der Grips muss noch einmal angestrengt werden. Disziplin und Konzentration müssen noch einmal getestet werden“ begründete Rauch den Wunsch nach einem späten Höhenflug. „Der fliegerische Genuss, in der Abendthermik das Isenhagener Land zu erkunden, das familiäre Vereinsleben und das Kennenlernen unterschiedlichster Leute beim gemütlichen Beisammensein“, wären ein guter ein Ausgleich zum Arbeitsleben, erzählte der Jungflieger.

Dass es nicht immer einfach ist, hat der inzwischen 62-Jährige allerdings auch festgestellt. Er musste manchmal Rückschritte einstecken, fühlte sich durch die vereinseigenen ehrenamtlich tätigen Fluglehrer jedoch immer wieder bestärkt und machte gute Fortschritte. Diese gipfelten nun in seinem ersten Alleinflug.

Der erste Alleinflug ist für jeden angehenden Piloten ein unvergessliches und einmaliges Erlebnis. Ganz allein ein Flugzeug zu starten und zu landen, es sicher im Luftraum zu bewegen, nur über ein Funkgerät mit dem Fluglehrer in Kontakt, unbeschreiblich aufregend und unbeschreiblich schön!

„Ich hatte nie Angst, aber ich war bei den ersten drei Starts an der 280 PS starken Diesel-Winde schon sehr angespannt“, erinnert sich Rauch.

Bernd Meindermann und Christoph Geffert, die verantwortlichen Fluglehrer des Tages, ließen ihren Schüler nicht eine Minute aus den Augen, um bei Bedarf noch korrigierend Funksprüche absetzen zu können. „Dies war jedoch überhaupt nicht nötig“, so Meindermann. „Der Flug war von Anfang bis Ende vorbildlich und die Landung butterweich, so soll es sein“, freute sich Meindermann über den talentierten Schüler.

Natürlich wurde das Geschehen von allen Anwesenden, insbesondere von Hartmut Rauchs Ehefrau Inge, mit Spannung verfolgt. Und sie lernte auch gleich traditionelles Fliegerritual kennen: Nach bestandener Prüfung bekommt der Freiflieger von jedem einen Klaps auf den Po, um das Thermikgefühl zu verbessern. Trotz moderner Technik ist und bleibt das beste Instrument für Aufwinde: das Gesäß. Der obligatorische von den anderen Flugschülern liebevoll gepflückte Strauß aus pieksenden Wildblumen wird zur offiziellen Gratulation ebenfalls überreicht. Ein sichtlich glücklicher Hartmut Rauch sagte: „Ich bedanke mich bei meinen Fliegerkameraden und nicht zuletzt bei meiner lieben Ehefrau Inge, die mir dieses Ziel ermöglicht hat.“ Für Rauch geht es nun hochmotiviert in die weiterführenden Ausbildungsabschnitte mit großen Schritten Richtung Segelflug-Pilotenlizenz.

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