Fußball: FCB will fehlende Heimspiel-Einnahmen durch Online-Portal abfedern

Auf ein virtuelles Bierchen in Brome...

Zusammenstehen auch in schwierigen Zeiten: Die Fußballer des FC Brome (hier in einem Spiel vor der Corona-Krise) erhoffen sich durch den Verkauf von Geisterspieltickets und Co. ein wenig finanziellen Ausgleich.
+
Zusammenstehen auch in schwierigen Zeiten: Die Fußballer des FC Brome (hier in einem Spiel vor der Corona-Krise) erhoffen sich durch den Verkauf von Geisterspieltickets und Co. ein wenig finanziellen Ausgleich.

Brome – Die ersten imaginären Bierchen waren unmittelbar nach der Kassenöffnung über die Online-Theke gegangen. Und René Wedekind hofft, dass der geneigte Fußball-Fan seinem FC Brome auf abstrakte Art noch weitere Ersatz-Einnahmen in Zeiten des Corona-Stopps bescheren wird.

Denn die Burgherren sind als erster Klub aus dem NFV-Kreis Gifhorn auf die Idee des Essener Kreisligisten TC Freisenbruch angesprungen und verkaufen seit vergangenen Donnerstag sogenannte Geisterspieltickets (und andere Dinge) im Internet. Tickets für Spiele, die nie stattfinden werden.

Kein Kirchturmdenken

Derartige Initiativen hatte es auch schon bei Profi-Klubs wie dem Zweitligisten VfL Bochum gegeben. Aber eben nicht nur Bundesligisten kämpfen in der Krise ums Überleben. Fernab vom Glitzerfußball und Fernsehgeldern kann es auch bei Kleinen durch fehlende Zuschauer- und Gastronomie-Einnahmen zu Engpässen kommen. Erst Recht, weil der Spielbetrieb neuerdings wohl bis zum 31. August ausgesetzt bleibt.

Denn die laufenden Kosten, das sagt schon der Name an sich, werden weiter fällig. Dementsprechend begann auch der TC Freisenbruch, im World Wide Web Geisterspieltickets zu verkaufen, setzt in diesen schwierigen Zeiten aber auch auf einen Akt der Solidarität mit anderen Sportvereinen. „Kirchturmdenken können wir uns während der Corona-Krise nicht leisten“, erklärte Initiator Peter Wingen. Aus diesem Grund wurde die Seite www.geisterspieltickets.de eröffnet. Dort kann jeder Klub, ohne Risiko und mit nur wenigen Klicks, seinen individuellen Online-Shop einrichten.

„Das läppert sich“

So wie nun der FC Brome als Gifhorner Pionier. „Ich habe ein bisschen Homeoffice für den FC gemacht“, schmunzelt Wedekind. Der Spartenleiter war als Anhängsel in einer E-Mail des Kreisvorsitzenden Ralf Thomas über die Aktion gestolpert. „Das war schnell gemacht, in zehn Minuten war alles eingetickert, es ist ja alles vorgegeben“, meint Wedekind und ergänzt: „Ich dachte mir, wir probieren das einfach mal aus, vielleicht kommen so ein paar Euro zusammen für unseren Verein. Das wäre nicht schlecht. Wenn man solch eine Möglichkeit hat, warum nicht!?“

Logisch: Riesen-Summen erwartet der Bromer Fußballchef nicht durch diesen Pseudo-Besuch im Stadion an der Steimker Straße. Ideengeber Freisenbruch etwa hatte vorgerechnet, dass dem Verein bei einem Saisonabbruch, auch durch ein fehlendes Stadtteil-Derby mit bis zu 600 Zuschauern, mindestens 2000 Euro in der Kasse fehlen würden. So viel Andrang gibt es beim hiesigen Bezirksligisten nicht, aber bei zehn noch ausstehenden Heimspielen würde es sich schon „läppern“, bekräftigt auch Wedekind. Die Eintrittsgelder seien dabei der kleinere Posten, vor allem über den Getränkeverkauf würde Bares ins Vereins-Säckle kommen. Im realen Leben ruht der Zapfhahn. Dank des neuen Online-Portals aber fließt wenigstens etwas Veritables, um das Tagesgeschäft abzudecken. Immerhin müssen die Rasenflächen weiter gewässert und gedüngt werden. Und und und... Die Situation sei aktuell freilich „noch nicht existenzbedrohend“, relativiert Wedekind. Aber je nach Länge der Zwangspause könnte es irgendwann eng werden.

Der Link zum Onlineshop

Mit der virtuellen Alternative will der FCB gegensteuern. Unter https://www.geisterspieltickets.de/fc-brome-von1919 können Unterstützer Karten, Bier oder Bratwurst erwerben. Neben dem standardisierten Auswahl-Katalog können die Vereine eigene Produkte hinzufügen. Wie im Bromer Fall ein Fanschal, einen Panini-Sticker von Tobias Dankert oder die Torjägerkanone von Marvin Keller. „Mal sehen, wie kreativ ich noch werde“, sagt Wedekind augenzwinkernd.

VON INGO BARRENSCHEEN

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare