3. Amateurfußball-Kongress: Bromer Spartenleiter saugt viel auf

Viel Input und Politik-Kritik

Gefragter Gesprächspartner: René Wedekind (M.) wurde beim 3. Amateurfußball-Kongress in Kassel von DFB-TV für einen Beitrag interviewt und bezog dabei klar Stellung zur fehlenden Lobby in der Kommunalpolitik. Fotos: Privat
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Gefragter Gesprächspartner: René Wedekind (M.) wurde beim 3. Amateurfußball-Kongress in Kassel von DFB-TV für einen Beitrag interviewt und bezog dabei klar Stellung zur fehlenden Lobby in der Kommunalpolitik. Fotos: Privat
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Kassel/Brome – Als René Wedekind am gestrigen Sonntagspätnachmittag wieder durch seine Haustür schneite, war das Input-Limit am Anschlag. „Der Schädel ist voll. Die Vorträge haben einen schon erschlagen“, schmunzelte der Spartenleiter des FC Brome nach seiner Rückkehr vom 3. Amateurfußball-Kongress.

Drei Tage lang wurde in Kassel am Fließband referiert, diskutiert, eruiert, kommuniziert, kritisiert und votiert. Alles, um den Vereinsfußball up to date zu halten, Verbesserungsvorschläge zu formulieren, zu netzwerken, Ideen aufzugreifen und Probleme anzuprangern. In Wedekinds Augen eine „schöne Veranstaltung“ mit Mehrwert für ihn, seinen Club und hoffentlich auch den den deutschen Fußball im Allgemeinen.

Treffen mit dem Bundestrainer: Bromes Spartenleiter René Wedekind (r.) mit Jogi Löw.

„Es ist schön, mit fast 300 Gleichgesinnten zusammenzukommen. Es gibt noch mehr Bekloppte, die ähnlich ticken wie ich“, grinste der Bromer Fußball-Frontmann. Das Wichtigste: Er fand sich am Ende des Tages respektive der drei Tage bei dem XXL-Forum durchaus in den Handlungsempfehlungen wieder, die die 288 Delegierten aus der gesamten Republik als Grundlage für den Masterplan ausarbeiteten, über den der DFB-Bundestag im September abstimmen soll. Wedekind: „Ich bin mal gespannt, was davon über die Jahre passiert.“ Denn bekanntlich ist Reden Silber, Handeln aber Gold.

Dass die Meinungen, Sorgen und Ängste der Basis Gehör finden, erfuhr der noch recht junge Ehrenamtliche am eigenen Leib. Denn er war gefragter Gesprächspartner, stand auch für ein Doppelinterview bei DFB.tv zur Verfügung. Und dort nahm Wedekind, deutschlandweit ausgestrahlt, kein Blatt vor den Mund und stellte die Kommunalpolitik an den Pranger. Denn dem FC Brome war ein überschaubarer Kredit von 12.000 Euro für eine neue Beregnungsanlage verweigert worden, weil der Flecken vom Landkreis die Empfehlung bekam, dafür keine Bürgschaft zu übernehmen. Dabei würde der Verein die Summe in „zwei, drei Jahren abbezahlt“ haben, schüttelt Wedekind mit dem Kopf. „Da brauchen wir über große Sachen erst gar nicht zu reden.“ Der FCB fühlt sich im Stich gelassen und hätte einen „Standortnachteil“ gegenüber umliegenden Gemeinden.

Ähnlich gelagerte Probleme schnappte Wedekind auch bei anderen Kongress-Delegierten auf. „Ob Nord, ob Süd, ob Ost, ob West: Das ist überall ähnlich. Ich wünsche mir mehr Mut von der Politik.“ Immerhin würden die (Fußball-)Vereine den Kommunen mit ihrem Ehrenamt viel Geld sparen. „Da möchte man auch etwas zurückhaben.“ Dementsprechend holte er sich Denkanstöße, ob andere Fördertöpfe anzuzapfen sind. „Die gibt es teils in den Ländern – aber kaum einer weiß genau, wie man da rankommt“, so Wedekind. Deshalb gab es auch den Vorschlag aus der Runde, über eine Art Sport-Infrastruktur-Fond nachzudenken. Mit mehr Transparenz, einem Mitarbeiterkommunikations-System für den Amateurfußball und einer Kampagne zu den Sportstätten. Lobbyarbeit ist gefragt.

Der Bromer Spartenleiter beteiligte sich zudem am Workshop zum Thema Bildung/Qualifizierung. Da tendieren die Strömungen zu mehr Flexibilität. Wann und wo – das sollen Teilnehmer möglichst selbst nach eigenen Ressourcen bestimmen können. Etwa mittels e-Learning.

Was Wedekind begeisterte, war der offene Dialog mit allen Beteiligten. Etwa auch DFB-Chef Reinhard Grindel. „Man konnte mit ihnen über alles sprechen. Es war super, auf Augenhöhe zu diskutieren.“ Ein Satz aus Grindels Grundsatzrede blieb ihm im Gedächtnis – zum schnöden Mammon selbst in der Kreisliga: „Söldner bringen keine Zuschauer...“

VON INGO BARRENSCHEEN

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