Nach 16 Jahren mit Höhen und Tiefen in der ersten Herren

„Der perfekte Zeitpunkt“: Torwart Christoph Pörschke macht Schluss beim VfL Wittingen/S.

Zwei Torwart-Legenden beim VfL Wittingen/S. unter sich: Christoph Pörschke (l.) beerbte Peter Herrewig in der ersten Herren und hielt insgesamt 16 Jahre zur Stange. Nun verkündet er seinen Abschied.
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Zwei Torwart-Legenden beim VfL Wittingen/S. unter sich: Christoph Pörschke (l.) beerbte Peter Herrewig in der ersten Herren und hielt insgesamt 16 Jahre zur Stange. Nun verkündet er seinen Abschied mit 34 Jahren.
  • Ingo Barrenscheen
    vonIngo Barrenscheen
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Sein Beschluss stand schon eine Weile fest. Die Folgen der Corona-Pandemie haben diesen nur noch bestärkt. Christoph Pörschke hängt nach stolzen 16 Jahren als starker Rückhalt der ersten Herren vom VfL Wittingen/S. seine Torwart-Handschuhe an den berühmten Nagel. Eine Identifikationsfigur sagt leise lebewohl.

Wittingen – Gerade erst ist Torwart-Titan Oliver Kahn in die Hall of fame des Deutschen Fußball-Museums in Dortmund eingezogen. Nun, gäbe es auch in der Brauereistadt solch eine Ruhmeshalle, Christoph Pörschke wäre zweifelsohne, wenngleich er nicht gerne im Rampenlicht steht, ein Kandidat.

Wittingens lange Torwart-Tradition

Weil der 34-Jährige als legitimer Erbe seines prägenden Vereins-Vorreiters und -Vorbilds Peter Herrewig (dieser beendete sogar extra früher seine Karriere ob des nachrückenden Talents) die Tradition eindrucksvoll fortgeführt hat. „Was Torhüter betrifft, hatten wir immer Glück beim VfL“, untermauert Wittingens Cheftrainer Naim Fetahu. Deshalb lässt er seine Identifikationsfigur auch nur ungern ziehen. „Natürlich ist das ein Verlust. Vom Alter her könnte er noch locker zehn Jahre dranhängen als Torwart. Aber er hat jahrelang die Knochen für den Verein hingehalten.“

Corona-Cut bestärkt Abschieds-Gedanken

Es sei schlichtweg „der richtige Zeitpunkt“, meint Pörschke. „Das habe ich durch die Corona-Pandemie gemerkt.“ Der Schlussmann hatte im Grunde schon im vergangenen Sommer erklärt, dass die letztlich annullierte Saison 2020/21 seine letzte bei den VfL-Herren sein würde. Zumal er auch schon lange der letzte Mohikaner aus dem früheren 87er-Jahrgang war mittlerweile – viele Freunde haben längst aufgehört. „Durch den Abstand zum Fußball habe ich dann festgestellt, dass einem nicht wirklich etwas fehlt. Das hat meinen Beschluss bekräftigt.“ Bereits mit Eintritt in die goldenen 30er-Jahre reifte in ihm die Überlegung: „Wie lange willst du noch spielen!? Irgendwann muss man ja den Absprung schaffen. Da habe ich für mich so Mitte 30 als Endpunkt ausgemacht.“ Genau bei diesem Alter ist er nun angekommen. Also heißt es in deutsch-italienischer Mundart für den eingefleischten Bayern-Fan: Ich habe fertig.

„Durch den Abstand zum Fußball habe ich dann festgestellt, dass einem nicht wirklich etwas fehlt. Das hat meinen Beschluss bekräftigt.“ 

Christoph Pörschke zu seinem Abschied als Torwart des VfL Wittingen/S.

Guten Gewissens, wohl gemerkt. Mit Lennart Hoffmann und Philip Stojanovic reifen ja bereits wieder die nächsten zwei hoffnungsvollen Ballfänger heran. Pörschke: „Da fällt mir die Entscheidung leichter, damit man keine Lücke hinterlässt.“

„Hohe Professionalität“

Tut er irgendwie aber doch. Durch seinen Wert für die Mannschaft, wie auch Fetahu betont. „Alles, was Christoph gemacht hat, hatte Hand und Fuß. Was man ihm lassen muss: Er hat sich immer perfekt auf ein Spiel vorbereitet, hat sein Warmmach-Programm selbst entwickelt. Das war schon eine hohe Professionalität für die Liga und eine Riesen-Erfahrung.“

Ein gutes Stichwort. Erfahrungen hat Pörschke während der anderthalb Dekaden (angefangen zu kicken hat er in Wittingen sogar schon im zarten Alter von sechs Jahren) noch und nöcher gesammelt. Jedweder Couleur. Er ist mit seinem VfL durch dick und dünn gegangen. „Mein Herz hat immer dolle für Wittingen geschlagen.“ Er wusste, was er an dem Verein und dem Umfeld hat. Deshalb erlag er auch nie Lockrufen anderer Klubs. Von denen es ohne Frage einige gab.

Pörschke geht mit VfL durch dick und dünn

Sportlich war es ein Auf und Ab. Der Schnupperkurs in der Bezirksliga in der Saison 2014/15 endete nach nur einem Jahr wieder. Immerhin bügelte er den Betriebsunfall, Absturz in die 1. Kreisklasse 2018, auch umgehend wieder mit aus. Hinzu kamen zwei verlorene Endspiele im Wittinger Kreispokal. „Die schlimmsten Momente waren die Abstiege. Gerade vor drei Jahren, das tat weh.“ Letztlich wurde es durch diese Höhen und Tiefen aber auch nie langweilig. „Es ist ja nicht so, dass ich immer nur eintönig in der Kreisliga war. Wobei das auch immer sehr anspruchsvoll war.“

Fetahu wünscht sich noch ein Abschiedsspiel

Das nötige Rüstzeug dafür hatte ihm übrigens sein Vorgänger vermittelt. Als der ebenso passionierte Tischtennis-Spieler vom SSV RaZa als 18-Jähriger in die Herren wechselte, stand er zunächst noch im Schatten von Ex-Oberliga-Keeper Herrewig. Pörschke bezeichnet diese Lehrjahre als „super Erfahrung. Da nimmt man so viel mit, wie man nur kann.“ Mit 21 avancierte er dann zur Nummer 1 in Wittingen. Bis zum jetzigen Schlussstrich.

Sein letzter Aufstieg mit dem VfL Wittingen/S.: Gemeinsam mit seinen Teamkollegen bejubelt der scheidende Torwart Christoph Pörschke (M.) die Kreisliga-Rückkehr im Sommer 2019.

Ob es womöglich ab Sommer kribbeln könnte, wenn seine bisherigen Mitspieler in die Vorbereitung starten? „Das kann man nie ausschließen. Aber momentan bin ich relativ glücklich mit meiner Entscheidung.“ Schließlich ist er nicht aus der Welt. Hält beim VfL auf andere Weise weiterhin zur Stange.

Dennoch würde Fetahu den Torwart mit der Nibelungentreue gerne noch in einem würdigen Rahmen ins Karriereende entlassen. „Ich hoffe, dass wir noch ein Abschiedsspiel organisieren können.“ Das fände sicherlich auch Pörschke fame-os...

Ein besonderer Moment in seiner Amaterfußball-Karriere: Wittingens Torwart Christoph Pörschke (2. v. l.) erhielt 2012 beim Werbespiel-Schlager von Wolfsburgs Schlussmann Diego Benaglio das Trikot.

Benaglios Trikot als bleibende Erinnerung

Er zelebrierte Aufstiege mit dem VfL Wittingen/S. Erfreute sich an geselligen dritten Halbzeiten bei Vorbereitungsturnieren wie etwa der Sportwoche in Vorhop. Letztlich hat sich bei Christoph Pörschke aber vor allem ein Highlight im Gedächtnis eingebrannt. Das Werbespiel 2012 mit seiner Kreisliga-Riege gegen die Bundesliga-Profis vom VfL Wolfsburg. Vor gut 2000 Zuschauern in der Gifhorner Flutmulde. „So etwas werden wir wohl auch nie wieder haben“, pointiert der scheidende Schlussmann. Zumal er selbst am Rande dieses Mega-Matches in einen seltenen Genuss kam: das Trikot des früheren Schweizer Nationalkeepers Diego Benaglio. Eigentlich waren die Wölfe angehalten, ihr Dress nicht zu tauschen, reagierten dementsprechend reserviert. Benaglio machte eine Ausnahme. Pörschke: „Ich habe ihn in der Halbzeit auf dem Weg in die Kabine gefragt – wenn wir schon so ein Highlight haben, will man ja auch ein Erinnerungsstück haben.“ Nach dem Duschen drückte ihm die Nummer 1 des VfL dann sein Gameworn-Jersey in die Hand. Sehr zur Freude des Wittingers. „Das sind Sachen, die bleiben halt. Das Trikot existiert auch noch.“

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