Urgestein tritt nach 30 Jahren ins zweite Glied zurück

„Herz des Vereins!“ Wittingens Fußballer würdigen Kassenwart-Koryphäe Eckhard Niehs

Eine amüsante Bilder-Collage war eines von vielen Präsenten für den scheidenden ersten Kassenwart Eckhard Niehs (M.). Die alten und aktuellen Abteilungsleiter Peter Herrewig (v. l.), Thomas Engwer, Klaus Dreblow und Dieter Laxa würdigten seine unnachahmliche Ära bei den Fußballern des VfL Wittingen/S.
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Diese amüsante Foto-Collage war beileibe nicht das einzige Präsent für den scheidenden Finanz-Chef Eckhard Niehs (M.). Peter Herrewig (v. l.), Thomas Engwer, Klaus Dreblow und Dieter Laxa würdigten seine unnachahmliche Ära.
  • Ingo Barrenscheen
    VonIngo Barrenscheen
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Schon als er 2005 aus den Händen des deutschen Fußball-Oberst Theo Zwanziger mit dem DFB-Ehrenamtspreis dekoriert wurde und das IK titelte „Der Sportplatz ist sein zweiter Wohnsitz“, hätte Eckhard Niehs ruhigen Gewissens abdanken können. Doch weit gefehlt! Er hing noch 16 Jahre dran als Fußball-Finanz-Minister beim VfL Wittingen/S. Und weil dieser ohne ihn im Grunde unvorstellbar ist, ließ er sich am Freitagabend nicht ab-, sondern nur ins zweite Glied zurückwählen. Niemals geht man so ganz...

Wittingen – Eckhard Niehs wäre nicht Eckhard Niehs, wenn er sich und seiner Linie nicht treu bleiben würde. Davon brachte ihn selbst seine bessere Hälfte Anette – ohne deren Unterstützung diese Kassenwart-Koryphäe nie entstanden wäre – auf den letzten Metern nicht ab. So dröge, wie Zahlen, Zahlen, Zahlen eben nun einmal sind, sagte er als Einleitung seiner letzten denkwürdigen Dokumentation: „Meine Frau sagt immer, ich soll das hier emotionsvoller vortragen. Aber ein Kassenbericht ist eben trocken und keine Comedy-Show...“

Mit Ecki und Kanten...

So ist er eben. Mitunter vielleicht ein wenig schroff. Gewissermaßen mit Ecki und Kanten, wie alle Mitglieder im Zuge seines Lebenswerkes beim Wittinger Fußball (davon allein 30 Jahre als erster Kassenwart) miterleben durften. Aber dabei doch stets liebenswürdig und im Sinne der Sparte engagiert. Ein Naturell, das sie auf dem Sportplatz, seinem Zweitwohnsitz, schätzen gelernt haben. „Du warst nicht immer einfach, aber in der Sache objektiv“, sagte Abteilungsleiter Thomas Engwer. Und brachte eine kleine Anekdote zum Besten: Nach dem Kreisliga-Abstieg der ersten Herren 2018 trat Niehs vor das Team und frotzelte: „Heute gibt es keine Bratwurst!“ Auch als Hartmut Bartel einst quasi als erste Amtshandlung bei einem Jugendturnier spontan 200 Wassereis für die Kids schmiss, zog er der Legende nach den Unmut seines Konto-Aufsichtsrats auf sich („Ich schmeiß gleich alles hin...“).

56 Jahre in zig Rollen

Das mag nach außen hin knauserig gewirkt haben. Doch Engwers Vorgänger Peter Herrewig räumte mit dieser Mär auf. Privat hätte er ihn ganz anders erlebt. „Eckhard wird Geiz nachgesagt, aber das kann ich widerlegen. Er wollte nur nicht das Geld anderer Leute ausgeben, hat auf die Finanzen des Vereins aufgepasst und alles zusammengehalten.“ Das Sportheim, an dem die rund 70 anwesenden Mitglieder saßen, würde nicht so aussehen, hätte es nicht diesen umtriebigen Tausendsassa (56 Jahre aktiver Spieler, Betreuer, Jugendtrainer/-leiter, Projektleiter, Initiator der Schul-AG, Ansprechpartner für die Stadt) gegeben, pointierte Herrewig. Er muss es wissen. Hätte er doch während seiner 13-jährigen Amtszeit geschätzt 3250 Anrufe erhalten. „So oft hat mich keine Frau angerufen“, lachte Herrewig. „Ich habe nie jemanden erlebt, der sich so engagiert und das so lebt wie kein anderer.“ Niehs sei schlichtweg „das Herz des Vereins – grandios!“

 „Ich habe nie jemanden erlebt, der sich so engagiert hat und das so lebt wie kein anderer. Eckhard ist das Herz des Vereins – grandios!“

Der ehemalige Abteilungsleiter Peter Herrewig über den bisherigen ersten Kassenwart Eckhard Niehs

Die „graue Eminenz“

Dem schlossen sich die anderen ehemaligen Abteilungsleiter bei der langen Laudatio-Liste an. Dass ihn 2005 DFB-Präsident Theo Zwanziger höchstpersönlich auszeichnete, „kann nicht nur dich mit Stolz erfüllen, sondern den gesamten VfL“, sagte Dieter Laxa. Manche würden Niehs respektvoll auch als „graue Eminenz“ bezeichnen. Er hätte sich „einen ewigen Platz in den Annalen des VfL“ gesichert mit seiner prägnanten Hingabe. Wenn man bei Google seinen Namen eingebe, erscheine „sofort VfL Wittingen Fußball. Das sagt so einiges“, manifestierte auch Wegbegleiter Klaus Dreblow. Und ergänzte: „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es nun einen neuen Kassierer geben soll.“ Der Gesamt-Vereins-Vorsitzende Otmar Mertens sah es ähnlich: „Ich werde deine Kassenberichte vermissen.“

Er kann es nicht lassen...

Doch getreu Udo Jürgens fängt Niehs mit 66 Jahren ein neues Leben an – und in der Sparte eine neue Zeitrechnung. Wobei die Ikone ja nicht ganz loslassen kann, wie sich zeigte. Statt sich komplett zurückzuziehen, machte der ewige Schatzmeister nur die Rolle rückwärts, wird seinen Erben Christoph Pörschke als Stellvertreter flankieren. „Ich habe geahnt, dass du nicht ganz loslassen kannst“, grinste Herrewig. Mit diesem Gespür stand er sicherlich nicht allein da...

Niehs’ Fazit: Plus auf dem Konto, Minus bei den Teams

Die Ära von Eckhard Niehs als erster Kassenwart der Fußballsparte vom VfL Wittingen/S. ist vorüber. Nach drei Jahrzehnten in dieser verantwortungsvollen Position ließ es sich der Fixpunkt der jüngsten Versammlung nicht nehmen, selbst noch einmal auf die bewegte Vergangenheit zurückzublicken. GZSZ: Es hätte gute Zeiten und schlechte Zeiten gegeben. Nur in einem einzigen Jahr hätte es im Vereinssäckle ein Minus gegeben – Niehs bewegte insgesamt Millionen im Laufe der drei Dekaden auf den Konten. „Ein tiefer Einschnitt war die Übergabe der Sportanlage 1999 durch die Stadt an den Verein“, unterstrich er. Ausgaben und Arbeit häuften sich. „Wir haben in den letzten 22 Jahren 198 000 Euro in die ganzen Gebäude investiert.“ Die erfolgreichste Zeit wäre in den 90er-Jahren gewesen nach der Fusion mit dem TSV Suderwittingen mit den Aufstiegen bis hoch in die Bezirksliga. Niehs legte zum Abschied aber auch den Finger in die Wunde. „Ein Malheur: Bis 2015 hatten wir fast durchgehend eine dritte Herren-Mannschaft.“ Zeitweise sogar vier. Plus zwei Altherren- und eine Altliga-Riege. „Alles Vergangenheit“, seufzte Niehs. Die Bereitschaft der Spieler würde immer mehr sinken. Logisch: Er dankte auch seiner Familie, explizit Ehefrau Anette. „Wenn ich mal wieder brastig vom Sportplatz runtergekommen bin, hat sie mich runtergekühlt. Dafür vielen Dank. Sonst hätte meine Amtszeit keine 30 Jahre gedauert...“ Für seinen Nachfolger Christoph Pörschke hatte er auch noch einen Tipp parat: „Dieses Amt weckt Begehrlichkeiten. Du musst auch mal Nein sagen...“

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