Kurzfristige wie überraschende Wachablösung beim Fußball-Kreisligisten

Paukenschlag in Knesebeck! Trainer-Trio hört auf, Jan Rinkel kehrt zurück

Helge Reinsch (r.) ist ab sofort nicht mehr Trainer des Fußball-Kreisligisten VfL Knesebeck. Nach im Grunde nur einer halben Saison (mehr fand schließlich nicht statt) hat er seinen Posten wieder abgetreten.
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Wechselspielchen an der Seitenlinie: Helge Reinsch (r.) tritt im Grunde nach nur einer halben Saison (mehr fand ja nicht statt) schon wieder als Knesebeck-Coach ab.
  • Ingo Barrenscheen
    vonIngo Barrenscheen
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Unverhofft kommt oft. Einen Monat vor dem offiziellen Beginn der neuen Saison 2021/22 hat es beim Fußball-Kreisligisten VfL Knesebeck plötzlich einen Trainer-Tausch gegeben.

Als wäre die Zwangspause durch die Corona-Pandemie nicht schon fordernd genug, erlebt der Fußball-Kreisligist VfL Knesebeck wahrhaft eine prekäre erste Jahreshälfte. Erst verabschiedeten sich mit Michel Kühne und Niclas Zierenberg zwei absolute Leistungsträger – und nun auch noch das: Das Trainer-Trio mit Helge Reinsch, Andre und Steffen Haven steht in der bisherigen Konstellation plötzlich doch nicht mehr zur Verfügung! Stattdessen übernimmt ein altbekanntes Gesicht: Jan Rinkel kehrt nach vier Jahren an die Seitenlinie am Ernst-Hiestermann-Platz zurück! Ohne Frage ein Paukenschlag.

Turbulente Tage bei den Einhörnern

Tatsächlich hätte Tobias Krebiel lieber eine entspanntere Zeit als die turbulenten Tage und Wochen zuletzt erlebt. „Ich hätte gerne mehr Fußball und weniger davon“, seufzt Knesebecks Spartenleiter kopfnickend mit Blick auf das rotierende Personal-Karussell bei den Einhörnern. Doch es ist, wie es ist. Die Nachricht, dass Helge Reinsch als Spitze des Dreigestirns nicht mehr weitermachen will, ereilte den Verein „überraschend und schon sehr kurzfristig“. Hatte der VfL doch noch im April verkündet, dass es in der neuen Saison in dieser Form weitergehen würde. Doch Reinsch wäre auf ihn zugekommen und hätte mitgeteilt, dass er beruflich sehr eingespannt und der Aufwand selbst in (oder gerade wegen) Corona-Zeiten viel größer sei als angenommen.

Ich hätte gerne mehr Fußball und weniger davon. Die Nachricht kam für uns schon überraschend und sehr kurzfristig.

Knesebecks Spartenleiter Tobias Krebiel zur unverhofften Umdisponierung auf der Trainer-Position

Konsequenz: Der Verein löst die bisherige Konstellation auf. Zumal sich Reinschs rechte Hand auf dem Platz, Andre Haven, dazu entschieden hat, sich noch einmal zu 100 Prozent als Spieler einzubringen. Vielleicht auch ein Knackpunkt, warum der Feldversuch aus der Vorsaison nun gescheitert ist. An und für sich wollte der Routinier parallel seine Trainer-B-Lizenz erlangen. Doch die Ausbildung wurde bislang durch die Pandemie stetig aufgeschoben. „Damit verzögert sich nun auch Andrés Trainer-Engagement bei uns“, erklärt Krebiel.

Konzentriert sich voll und ganz auf seine Rolle als Spieler: Der bisherige Knesebecker Co-Trainer André Haven (l.).

Also alles über den Haufen geworfen. „Der Zeitpunkt ist sicherlich mehr als unglücklich“, hadert Knesebecks Fußball-Frontmann. Immerhin beginnt in einem Monat die neue Saison. „Aber besser so als zum Beispiel nach dem ersten Spieltag.“

Antreiber reloaded: Jan Rinkel (M.) kehrt nach vier Jahren als Trainer zum Kreisligisten VfL Knesebeck zurück.

Nur gut, dass Krebiel noch den ein oder anderen Kontakt im Hintergrund am Glimmen hatte. „Auf so etwas muss man irgendwie immer vorbereitet sein mit einem Plan B“, betont er. In der Kürze der Zeit zauberte er gewissermaßen Jan Rinkel aus dem Hut. Jenen Coach, der die Einhörner schon einmal als Intermezzo angeleitet hatte (siehe Info-Kasten). So entsteht zumindest kein Vakuum auf dieser entscheidenden Position, um möglichst schnell wieder in ruhige Fahrwasser zu kommen.

Zweiter Anlauf für neuen (alten) Coach: Rückkehrer Rinkel ist „ein Glücksfall zur rechten Zeit“

Man sieht sich immer zweimal im Leben. So ist es auch beim VfL Knesebeck und seinem neuen (alten) Cheftrainer Jan Rinkel. Vier Jahre liegt sein Abschied nach nur einer Spielzeit als Mannschaftsverantwortlicher zurück, nun gibt es ab Sommer das Comeback. „Ich bin froh, dass wir uns damals im Guten getrennt haben. Der Kontakt ist nie abgebrochen“, sagt Spartenleiter Tobias Krebiel. Nur deshalb konnte er im Handumdrehen überhaupt eine Nachfolge-Lösung nach dem Aus für das Trainer-Trio um Helge Reinsch aus dem Hut zaubern.

„Ich wusste, dass er frei ist, und habe ihn angerufen. Es hat von Anfang an wieder gepasst. Ein Glücksfall also zur rechten Zeit“, ist Krebiel heilfroh über den letztlich doch naht- und reibungslosen Übergang. Offen und ehrlich gibt Knesebecks Spartenleiter zu: „Wenn man schaut, wer ein Engagement hat, wird die Liste relativ dünn. Ich wüsste nicht, was ich hätte machen sollen, wenn Jan nicht direkt zugesagt hätte.“

Dass sich die Wege 2017 schnell wieder getrennt hatten nach nur einer Saison, lag zum einen an den unterschiedlichen Ambitions-Auffassungen beider Seiten. Rinkel schwebte ein leistungsorientierter Ansatz vor, konnte diesen aber nicht ganz wie gewünscht implementieren. Andererseits tat sich für die Einhörner am Horizont die Gelegenheit auf, Detlef Weber als Übungsleiter zu gewinnen. „Das haben wir damals ganz offen und ehrlich besprochen“, blickt Krebiel zurück. „Wir wollten diese Chance einfach ergreifen. Es war nicht so, dass wir mit Jan nicht mehr weitermachen wollten, weil es nicht gepasst hat. Es war keine Entscheidung gegen ihn, sondern für Detlef Weber.“ Was der Vereinsführung damals nicht leicht fiel. „Rückwirkend betrachtet kann man sicherlich sagen, sie war richtig. Unser Kreispokalsieg 2019 als i-Tüpfelchen unterstreicht das“, meint Krebiel. Und schob direkt hinterher: „Was hätte werden können, wenn Jan Trainer geblieben wäre, werden wir jetzt sehen können.“ Es würde jedenfalls „keinen Grund geben, es nicht noch einmal mit ihm zu probieren.“

Rinkel, der gestern leider nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war und zuletzt die A-Jugend des MTV Gifhorn betreute, wird unverzüglich die Arbeit aufnehmen und die Saisonvorbereitung austüfteln. Steffen Haven bleibt ihm dabei als Co-Trainer erhalten.

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